Ziel der Analysen war es, die Verbindung zwischen Griff und Klinge sowie die feinen Verzierungen am Knauf zu verstehen und somit den handwerklichen Techniken des bronzezeitlichen Süddeutschlands auf die Spur zu kommen.
Hightech trifft Bronzezeit
Messgäste gehören am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) und an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zum Alltag. Doch die Untersuchung des verzierten Achtkantenschwerts aus Nördlingen war auch für erfahrene Forscher ein besonderes Ereignis. Dr. Johann-Friedrich Tolksdorf, Gebietsreferent des BLfD, und Restauratorin Beate Herbold begleiteten den Transport des außergewöhnlichen Artefakts nach Berlin. Das Schwert zeigt sich in erstaunlich gutem Zustand: Teile seiner Klinge glänzen noch, die Oberfläche weist kunstvolle Muster am Knauf und an der Knaufplatte auf – Spuren einer raffinierten Bronzezeit-Kunstfertigkeit.
Das Schwert am Fundort in Nördlingen.
© Archäologie-Büro Dr. Woidich/Sergiu Tifui.
Im Computertomographie-Labor des HZB fertigte das Team um Dr. Nikolay Kardjilov ein dreidimensionales Röntgenbild des Schwerts an. „Die CT-Aufnahme zeigt, dass die Klinge mit einer Griffzunge, also einer Verlängerung der Klinge, in den Griff eingeklemmt und vernietet wurde. Die Auflösung des CT ist so hoch, dass wir sogar das Material und die Werkspuren der Verzierungsarbeiten untersuchen können“, so Tolksdorf.
Geheimnisse der Verzierungen
Besonders spannend war die Frage nach dem Material, das in die tiefen Rillen von Knauf und Knaufplatte eingelegt wurde. Dr. Martin Radtke von der BAM untersuchte diese Strukturen an der BAMline von BESSY II mithilfe der Röntgenfluoreszenzspektroskopie: „Wir bestrahlen die Oberflächen am Knauf mit intensiver Synchrotronstrahlung. Dadurch werden Atome im Material angeregt und senden elementspezifische Röntgenstrahlung aus, die wir messen. So können wir selbst winzigste Spuren von Elementen nachweisen.“
Die Ergebnisse überraschten: Statt des erwarteten Zinns fanden sich feine Kupferdrähte, die kunstvoll zusammengesetzt waren. „Ich habe eigentlich nach dem Aussehen eher erwartet, dass Zinn verwendet wurde für diese Verzierungen, denn Zinn ist weicher und leichter zu verarbeiten als Kupfer. Das war also eine Überraschung, die auch zeigt, wie hoch entwickelt die Handwerkskunst damals schon war“, sagt Beate Herbold.
Auch Spuren von Zinn und Blei wurden festgestellt – vermutlich Rückstände aus der Bronzelegierung. „Wir kennen solche Einlegearbeiten von Kupferdrähten in Bronze von anderen Fundstücken“, ergänzt Tolksdorf. „Damit sich das rötliche Kupfer farblich besser von der goldfarbenen Bronze abhebt, hat man es möglicherweise patiniert, also chemisch geschwärzt, beispielsweise mit Urin.“
Spuren der Handwerkskunst
Im Labor von Dr. Manuela Klaus untersuchten die Forschenden die Eigenspannung in den Oberflächen der Bronze. „Das gibt Aufschluss über die Fertigungsprozesse, denn sowohl beim Erhitzen, Abschrecken, Gießen als auch beim Hämmern und Schmieden entstehen typische Veränderungen in den kristallinen Strukturen“, erklärt Klaus. Damit wird deutlich, dass die Bronzezeit-Metallurgie bereits ein tiefes Verständnis für Werkstoffe und Temperierung besaß.
Ausblick: Vom Fundstück zur Wissensquelle
Die detaillierte Auswertung der Messdaten läuft noch. „Wir hoffen, dass wir auch rekonstruieren können, ob dieses Schwert zum Beispiel in einer bestimmten Werkstatt angefertigt wurde – bislang liegt lediglich nahe, dass es in Süddeutschland hergestellt wurde, einem der beiden Verbreitungsschwerpunkte von Achtkantschwertern in der Bronzezeit in Deutschland“, so Tolksdorf.
Quelle: Bayerisches Landesmt für Denkmalpflege