Neues Forschungsprojekt erforscht den 3000 Jahre alten Goldhortfund von Gessel

Fünfzehn Jahre nach der Entdeckung des Goldhorts von Gessel bei Syke erforscht ein interdisziplinäres Team aus Archäologen, Naturwissenschaftlern und Museologen den Fund und sein Umfeld erstmals umfassend. Ziel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten, dreijährigen Projektes ist es, die Herstellung, Nutzung und Herkunft der außergewöhnlichen Goldobjekte zu klären sowie die damaligen Wirtschafts- und Siedlungsstrukturen im nördlichen Niedersachsen sichtbar zu machen.

Mehrere goldene Schmuckstücke und Spiralen liegen auf einer blauen Fläche. Die Objekte bestehen aus dünnen, gewundenen Golddrähten und zeigen unterschiedliche Formen, darunter Armreifen, Ringe und Ketten. Die Oberfläche der Fundstücke wirkt teilweise matt und weist Gebrauchsspuren auf.
© V. Minkus, NLD

Völlig überraschend stieß ein Grabungstechniker am 7. April 2011 während der Arbeiten an der Trasse der Nordeuropäischen Erdgasleitung bei Syke im Landkreis Diepholz auf ein starkes Metalldetektorsignal. Wenige Minuten später kam in rund 60 Zentimetern Tiefe vorgeschichtliches Metall zum Vorschein – zunächst Bronzenadeln, dann eine filigrane Goldspirale. Der Fund wurde als Block geborgen und im Labor des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege (NLD) mit einem Computertomografen untersucht.

„Das CT-Bild ließ keinen Zweifel, dass in dem Block zahlreiche Goldobjekte dicht beieinanderlagen“, erinnert sich Landesarchäologe Henning Haßmann. Tatsächlich legten Restauratorinnen und Restauratoren des NLD insgesamt 117 Goldobjekte mit einem Gesamtgewicht von 1,7 Kilogramm frei – darunter zahlreiche Spiralringe. Die enge Anordnung der Stücke deutet auf eine gleichzeitige Niederlegung hin. Radiokarbondatierungen von Textilresten an den Bronzenadeln verweisen auf eine Deponierung um 1300 v. Chr., also in die späte Bronzezeit. Heute sind die Funde im Landesmuseum Hannover und im Kreismuseum Syke ausgestellt.

Vom Sensationsfund zum Forschungsprojekt

Erste Kurzberichte zum Fund erschienen bereits kurz nach der Entdeckung. Doch eine systematische Auswertung der Objekte und ihres Kontextes steht erst jetzt bevor. Das neue, dreijährige Forschungsprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und bringt Fachleute aus mehreren Disziplinen zusammen. Ihr gemeinsames Ziel: Der Goldhort von Gessel soll in seiner gesamten kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Dimension erschlossen werden.

Im Vordergrund liegt eine türkisfarbene Plane auf dem Waldboden, darauf befinden sich verschiedene Ausrüstungsgegenstände wie eine Metallbox, ein Notizbuch, Handschuhe und längliche Metallrohre. Drei Personen tragen dunkle Outdoor-Kleidung und Mützen. Eine Person kniet und hält ein langes Metallrohr, während die anderen stehen und zuschauen. Im Hintergrund stehen hohe Gräser und Bäume ohne Laub.
Im Umkreis des Fundortes des Goldhorts von Gessel nehmen Forscher der Uni Kiel im November 2025 Bohrkerne für archäobotanische Untersuchungen. © Wiebke Kirleis

Interdisziplinäre Forschung für ein Gesamtbild

Das Projekt bündelt die Kompetenzen mehrerer Institutionen:

  • Landesmuseum Hannover: Dort werden Materialanalysen und technologische Untersuchungen der Goldobjekte durchgeführt, um Herstellungsweisen und mögliche Werkstätten zu identifizieren.
  • Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege: Die Archäologinnen und Archäologen untersuchen sowohl den Fundplatz selbst als auch die umliegenden Denkmäler, um das soziale Umfeld der Bronzezeit zu rekonstruieren.
  • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Mit botanischen und geoarchäologischen Methoden erforscht das Kieler Team die wirtschaftlichen Grundlagen der damaligen Bevölkerung und die Landschaftsentwicklung. „Das Verhältnis von Mensch und Umwelt in der Vergangenheit ist einer der Schwerpunkte der Forschung in Kiel. Wir möchten mit unserer Expertise dazu beitragen, den einzigartigen Hortfund von Gessel in ein größeres Bild vom Leben der Menschen in der Bronzezeit einzufügen“, erklärt Prof. Dr. Wiebke Kirleis vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der CAU.
  • Georg-August-Universität Göttingen: Lehrgrabungen in der Umgebung sollen neue Erkenntnisse zu Handelswegen und Bronzezeitnetzwerken liefern. Der Forschungsschwerpunkt des Seminars für Ur- und Frühgeschichte ist der bronzezeitliche Handel.

Blick in die „goldenen Zeiten“ vor 3300 Jahren

Das Team geht davon aus, dass der Goldhort nicht isoliert niedergelegt wurde, sondern in engem Zusammenhang mit einer wohlhabenden Siedlung stand. Die Untersuchung soll daher auch Aufschluss über Handelsbeziehungen, Rohstoffversorgung und gesellschaftliche Strukturen im nördlichen Mitteleuropa geben.

Zum Abschluss des Projekts sind eine große wissenschaftliche Tagung sowie eine Ausstellung im Jahr 2028 geplant, die die Ergebnisse und den kulturellen Hintergrund dieser „goldenen Zeiten“ vor rund 3300 Jahren einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen werden.

Quelle roots cluster of excellence

 
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