Neue wertvolle Dekorationen in der Villa Sora im Herculaneum-Park entdeckt

Mehr als drei Jahrzehnte nach den letzten systematischen Untersuchungen erzählt die Villa Sora in der Gemeinde Torre del Greco erneut ihre Geschichte. Neue archäologische Forschungen, die im November 2025 begannen, liefern faszinierende Daten über eine der bedeutendsten Küstenvillen im Golf von Neapel. Sie ermöglichen neue Einblicke in den reich gegliederten Komplex, dessen Entwicklung durch den Ausbruch des Vulkans im Jahr 79 n. Chr. jäh unterbrochen wurde.

Überdachte Ausgrabungsstätte mit antiken Mauerresten. Die Wände zeigen gut erhaltene, farbige Wandmalereien mit blauen und roten Flächen. Im Hintergrund ist das Meer sichtbar, davor eine grüne Wiese und ein Zaun. Metallene Stützen tragen das Schutzdach über den Ruinen.
© MiC

Das neue Forschungsprogramm des Archäologischen Parks Herculaneum erweitert das Verständnis der Villa erheblich. Es erlaubt die Identifizierung bisher unerforschter Bereiche und eine präzisere Rekonstruktion der Nutzungsdauer des Anwesens. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die Nordostfassade der Villa, wo ein kleiner Raum von etwa 10 Quadratmetern Durchmesser durch außergewöhnliche dekorative Qualität auffällt.

Zwei bemalte Wandfragmente mit goldgelben, stilisierten Fabelwesen und geschwungenen Ornamenten auf hellem Grund. Ein breites, rotes Band verläuft waagerecht am unteren Rand. Die Bruchstücke liegen nebeneinander, umgeben von weiteren Steinen.
© MiC

Die Villa Sora wurde in der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. erbaut und bis zu ihrer Zerstörung immer wieder renoviert. Sie erstreckte sich entlang der Küste auf terrassenförmig abfallenden Ebenen. Die geschätzte Ausdehnung des Komplexes betrug etwa 150 Meter entlang der Küste, was den Eindruck einer luxuriösen Residenz mit eleganten Wohn- und Empfangsräumen vermittelt.

Reiche Dekorationselemente

Die entdeckten Bildfragmente an Wänden und Decke bezeugen ein hoch entwickeltes Dekorationskonzept. Die Wände, vor dunklem Grund mit zinnoberroten Bändern bemalt, zeigten figürliche Elemente wie Reiher, die um einen goldenen Kandelaber gruppiert sind. Die Decke mit hellem Grund war mit Girlanden, Fries und mythologischen Figuren geschmückt: Greifen, eingebettet in ein reiches Ornamentrepertoire, und die Darstellung eines sich bewegenden Zentauren fallen besonders ins Auge.

Von besonderer Bedeutung ist der Kontext, in dem diese Dekorationselemente entdeckt wurden: Im Inneren des Raumes befanden sich drei fein verzierte Bleikisten, derselben Werkstatt zuzuordnen, sowie hochwertige Architekturelemente aus weißem Marmor, darunter ein hervorragend erhaltenes Kapitell. Die Qualität der ausschließlich mit dem Meißel ausgeführten Arbeiten und das Vorhandensein weiterer Marmorfragmente – darunter ein zweites Kapitellfragment – deuten eindeutig darauf hin, dass Elemente für ein laufendes Bauprojekt vorgesehen waren. Zusammen genommen legen diese Funde nahe, dass der Raum als Lager oder Baustelle genutzt wurde und bestätigen die Hypothese, dass die Villa zum Zeitpunkt des Ausbruchs im Bau war.

Chronik der Zerstörung: Stratifikationen und Ereignisse

Stratigrafische Analysen ermöglichen es, die Abfolge der Zerstörungsereignisse nachzuvollziehen und die Auswirkungen der pyroklastischen Ströme zu betonen, die die Gebäude trafen und zum Einsturz von Dächern, Decken und schließlich der Mauern führten. Dieses Bild vermittelt eindrücklich die Gewalt der Katastrophe.

Quelle: Parco Archeologico di Ercolano

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