Das neue Forschungsprogramm des Archäologischen Parks Herculaneum erweitert das Verständnis der Villa erheblich. Es erlaubt die Identifizierung bisher unerforschter Bereiche und eine präzisere Rekonstruktion der Nutzungsdauer des Anwesens. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die Nordostfassade der Villa, wo ein kleiner Raum von etwa 10 Quadratmetern Durchmesser durch außergewöhnliche dekorative Qualität auffällt.
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Die Villa Sora wurde in der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. erbaut und bis zu ihrer Zerstörung immer wieder renoviert. Sie erstreckte sich entlang der Küste auf terrassenförmig abfallenden Ebenen. Die geschätzte Ausdehnung des Komplexes betrug etwa 150 Meter entlang der Küste, was den Eindruck einer luxuriösen Residenz mit eleganten Wohn- und Empfangsräumen vermittelt.
Reiche Dekorationselemente
Die entdeckten Bildfragmente an Wänden und Decke bezeugen ein hoch entwickeltes Dekorationskonzept. Die Wände, vor dunklem Grund mit zinnoberroten Bändern bemalt, zeigten figürliche Elemente wie Reiher, die um einen goldenen Kandelaber gruppiert sind. Die Decke mit hellem Grund war mit Girlanden, Fries und mythologischen Figuren geschmückt: Greifen, eingebettet in ein reiches Ornamentrepertoire, und die Darstellung eines sich bewegenden Zentauren fallen besonders ins Auge.
Von besonderer Bedeutung ist der Kontext, in dem diese Dekorationselemente entdeckt wurden: Im Inneren des Raumes befanden sich drei fein verzierte Bleikisten, derselben Werkstatt zuzuordnen, sowie hochwertige Architekturelemente aus weißem Marmor, darunter ein hervorragend erhaltenes Kapitell. Die Qualität der ausschließlich mit dem Meißel ausgeführten Arbeiten und das Vorhandensein weiterer Marmorfragmente – darunter ein zweites Kapitellfragment – deuten eindeutig darauf hin, dass Elemente für ein laufendes Bauprojekt vorgesehen waren. Zusammen genommen legen diese Funde nahe, dass der Raum als Lager oder Baustelle genutzt wurde und bestätigen die Hypothese, dass die Villa zum Zeitpunkt des Ausbruchs im Bau war.
Chronik der Zerstörung: Stratifikationen und Ereignisse
Stratigrafische Analysen ermöglichen es, die Abfolge der Zerstörungsereignisse nachzuvollziehen und die Auswirkungen der pyroklastischen Ströme zu betonen, die die Gebäude trafen und zum Einsturz von Dächern, Decken und schließlich der Mauern führten. Dieses Bild vermittelt eindrücklich die Gewalt der Katastrophe.
Quelle: Parco Archeologico di Ercolano