Tenea, im Nordosten des Peloponnes gelegen, war einst eine bedeutende Stadt des antiken Griechenlands. In klassischer und hellenistischer Zeit entwickelte sich Tenea zu einem florierenden Zentrum zwischen Korinth und Argos. Archäologische Funde der letzten Jahrzehnte haben das Bild einer wohlhabenden Stadt mit eigenen religiösen Traditionen und kultischen Besonderheiten gezeichnet.
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Neue Funde in Tenea 2023
2023 wurden vier Ausgrabungssektoren untersucht, in denen ein großes öffentliches Gebäude aus der römischen Zeit mit einer Fläche von 156 Quadratmetern freigelegt wurde. Das Gebäude hat ein kunstvolles Steinmauerwerk und enthielt ein Versteck mit 18 Silber- und Kupfermünzen sowie eine eiserne Spitzhacke, einen eisernen Schlüssel, einen Griffel und römische Keramik.
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Im Mittelpunkt der jüngsten Entdeckung steht ein rechteckiges, unterirdisches Gebäude aus archaischer Zeit. Es war von einem großzügigen, gepflasterten Platz umgeben, der im Norden durch eine alte Straße mit Stützmauer und Funktionsräumen begrenzt wurde. Im Süden schloss sich ein mehrräumiges Gebäude an. All diese Strukturen zeugen von einer sorgfältig geplanten Anlage, deren Nutzung eng mit rituellen Handlungen verbunden war.
In der späten hellenistischen Epoche erfuhr der Ort eine Wandlung: Das Gebäude wurde in ein überdachtes Becken für Heilungsrituale umgestaltet – ein eindrucksvolles Zeugnis der anhaltenden religiösen Bedeutung des Areals. Östlich davon entstand zudem ein weiterer Funktionsraum, der die kultische Praxis unterstützte.
Im Bereich des Beckens fanden Archäologinnen und Archäologen Zeugnisse mystischer Heilungen: einen Silberstater aus Korinth (549–510 v. Chr.) sowie eine Reihe von Tonvotiven, die menschliche Körperteile darstellen – Finger, eine Hand und ein Bein. Hinzu kommt eine Tonmaske, die vermutlich den ägyptisch-griechischen Gott Harpokrates-Horus als Kind zeigt.
© Kulturministerium Griechenland
Zusammen mit früher entdeckten Opfergaben, medizinischen Werkzeugen und Spuren von Arsen deuten diese Funde auf Heilungsrituale hin. Die Zisterne bildete das zentrale Element des Heilungsprozesses, der durch Reinigungs- und Inkubationsriten – die sogenannte Enkoimesis – in ihrer Nähe vollzogen wurde.
Göttlicher Synkretismus: Von Apollon bis Sarapis
Die Vielzahl der religiösen Symbole in Tenea überrascht selbst erfahrene Forscher. Artefakte wie ein Goldring mit einer Darstellung Apollons des Heilers, eine Lampe mit dem Bild des Sarapis oder goldene Lotusblätter, die Harpokrates zugeordnet werden, belegen einen regen Kulturaustausch. Die gleichzeitige Verehrung griechischer und ägyptischer Gottheiten spiegelt den religiösen Synkretismus wider, der seit der ptolemäischen Zeit das östliche Mittelmeer prägte.
Vom Heiligtum zum Friedhof
Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde in unmittelbarer Nähe das Grabmal III errichtet, während die älteren Bauwerke weiterhin genutzt wurden. Doch im frühen 3. Jahrhundert n. Chr. wandelte sich der Charakter des Ortes: Die einstige Kultstätte wurde Teil eines großen Friedhofs, der bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. belegt ist. Insgesamt legte das Grabungsteam 23 reich ausgestattete Gräber frei, die Münzen, Schmuck aus Gold und Bronze, Glasgefäße für Parfüm, Lampen und Keramik enthielten.
Das Projekt „Antikes Tenea“ wird von der Direktion für Prähistorische und Klassische Altertümer (DIPKA) geleitet und steht unter der wissenschaftlichen Verantwortung von Dr. E. Korka. P. Evangeloglou von der Ephorie für Altertümer von Korinth koordiniert die Grabungen vor Ort. Unterstützt wird das Vorhaben durch ein interdisziplinäres Team von Forschenden
Quelle: Kulturministerium Griechenland