Die Ausgrabungen der Ephorie für Altertümer von Elis und des Österreichischen Archäologischen Instituts unter der Leitung von Dr. Birgitta Eder und Dr. Erofili-Iris Kolia konzentrierten sich auf eine 28 Meter lange und 9,5 Meter breite Tempelanlage, die vermutlich in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. errichtet wurde. Der Bau gliedert sich in zwei voneinander unabhängige Hallen mit einer zentralen Säulenreihe entlang der Längsachse.
Ansicht des Tempels nach Abschluss der Arbeiten im Jahr 2025
© Griechisches Kulturministerium
Im Fokus der Kampagne 2025 stand die nordwestliche Halle, in der bereits im Jahr 2024 eine großformatige Bronzeinschrift und ein nahezu intaktes Marmorbecken, ein sogenanntes Perirrhanterion, entdeckt worden waren. Die Freilegung beschädigter lakonischer Dachziegel machte eine deutliche Brandschicht sichtbar, die auf eine Zerstörung des Gebäudes durch Feuer schließen lässt.
Hinweise auf ein antikes Archiv
Besonders aufschlussreich sind die Funde zahlreicher Bronzeplatten, die auf dem Hallenboden lagen und durch Feuer und Wassereinwirkung stark beschädigt wurden. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit der zuvor entdeckten Inschrift und stützen die Hypothese, dass dieser Raum als eine Art Archiv fungierte. Die Kombination aus Inschrift und Metallfunden deutet auf eine institutionelle Nutzung innerhalb des Heiligtums hin.
Ein außergewöhnlicher Fund aus Ton
Neben den metallischen Artefakten kamen auch drei Fragmente eines scheibenförmigen Akroterions ans Licht. Dabei handelt es sich um ein Zierelement, das das Dach krönte. Die geborgenen Fragmente lassen darauf schließen, dass die vollständige Scheibe einen Mindestdurchmesser von einem Meter erreichte, was einen Eindruck von den monumentalen Dimensionen der architektonischen Dekoration des Tempels vermittelt . Das Akroterion bestand aus Terrakotta, und seine Oberfläche weist Spuren schwarzer und roter Farbe sowie in konzentrischen Schichten angeordnete Reliefbänder auf, die auf eine äußerst komplexe und farbreiche Ausführung hinweisen.
Der religiöse Kontext des Heiligtums
Die Grabungsergebnisse fügen sich in den größeren archäologischen Rahmen eines Heiligtums, das mit dem von Strabon beschriebenen Poseidonheiligtum von Samikon in Verbindung gebracht wird. Dieses diente laut antiker Überlieferung als religiöses und ethnisches Zentrum des Bundes triphylischer Städte an der Westküste der Peloponnes. Frühere Untersuchungen hatten bereits eine zweischalige Mauer nördlich des Tempels nachgewiesen, die vermutlich den heiligen Bezirk begrenzte.
Quellen. Griechisches Kulturministerium