Mehrere keltische Münzen, die 2025 bei archäologischen Untersuchungen am Singer Berg nordöstlich von Singen im Ilm-Kreis entdeckt wurden, gehören zu einem geschlossenen Schatzfund. Das ergaben gezielte Nachuntersuchungen der unmittelbaren Umgebung der Fundstelle im August 2026. Insgesamt umfasst der Fund elf Münzen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Nach Angaben des Thüringer Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) handelt es sich um den umfangreichsten Fund dieser Zeitstellung in Thüringen.
Die ersten Münzen wurden im Juli und August 2025 bei Ausgrabungen auf dem Gelände eines ehemaligen Sportplatzes gefunden.
Geschlossener Fund mit elf Münzen
Bei dem Schatz handelt es sich um einen sogenannten geschlossenen Fund. Nach Einschätzung der Archäologen kann davon ausgegangen werden, dass alle einst gemeinsam verborgenen Münzen gefunden wurden.
Die elf Münzen lagen auf einer Fläche von 5,80 × 1,50 Metern verteilt. Scherben eines Keramikgefäßes wurden ebenso wenig festgestellt wie Reste eines anderen Behältnisses. Die Archäologen vermuten daher, dass die Münzen ursprünglich in einem organischen Behältnis aufbewahrt wurden, das sich nicht erhalten hat. Die Verteilung der Münzen wird als Folge späterer Pflugarbeit interpretiert.
Quinare vom Prager Typ
Die elf Münzen werden numismatisch als Quinare vom Prager Typ angesprochen. Von diesem Münztyp waren aus Thüringen bislang lediglich etwa 80 Exemplare bekannt.
Die zugehörige Prägewerkstatt wird im nordwestlich gelegenen Gothaer Land vermutet.
Einordnung in das keltische Fundbild Thüringens
Durch seine Lage stellt Singen nach Angaben des TLDA eine räumliche Verbindung zu zahlreichen keltischen Fundorten in Südthüringen her.
Als Beispiel nennt das Landesamt die Steinsburg auf dem Kleinen Gleichberg bei Römhild im Landkreis Hildburghausen, eine große keltische Siedlung mit verschiedenen Handwerksstätten.
Nach Angaben des TLDA ermöglichen die kontinuierliche Kartierung und Auswertung von Funden gleicher Zeitstellung und Kulturzugehörigkeit Rückschlüsse auf Handelswege und Herstellungszentren. Der Schatzfund von Singen habe das bisherige Wissen zu diesen Zusammenhängen maßgeblich erweitert.
Weitere Funde aus unterschiedlichen Epochen
Neben dem keltischen Schatzfund kamen bei den Untersuchungen weitere Objekte zutage, die nicht zum Depotfund gehören. Dazu zählen:
- ein römischer Denar aus dem Prägezeitraum 164 bis 169 n. Chr.,
- eine frühmittelalterliche rot-gelbe Glasperle,
- ein eisernes Messerfragment unbekannter Zeitstellung,
- eine einseitig geprägte und gefaltete Silbermünze aus der Mitte des 16. Jahrhunderts,
- ein preußischer Uniformknopf des 19. oder 20. Jahrhunderts.
Präzise Dokumentation ermöglicht Einordnung
Die genaue Dokumentation der Fundlage ermöglichte es, die Zusammengehörigkeit der elf Münzen als Schatzfund festzustellen und sie von den übrigen Funden unterschiedlicher Zeitstellung abzugrenzen.
Nach Angaben des TLDA ist diese Zuordnung für die archäologische Auswertung entscheidend. Der Fund unterstreicht zudem die Bedeutung dokumentierter Fundzusammenhänge für die wissenschaftliche Einordnung archäologischer Funde.
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Thüringen