Neues keltisches Fürstengrab bei Bad Camberg entdeckt

Nahe Bad Camberg haben Archäologen ein außergewöhnliches eisenzeitliches Fürstengrab entdeckt. Die reich ausgestattete Wagenbestattung belegt erstmals eindeutig die Existenz einer lokalen keltischen Elite in der Region und eröffnet neue Perspektiven auf Machtstrukturen, Fernkontakte und Bestattungssitten der frühen Keltenzeit in Hessen.

Archäologe in gelber Jacke untersucht rechteckige Ausgrabungsstätte mit Messlatten im Boden
© Lars Görze M.A., LfDH

Der Fund wurde bei archäologischen Untersuchungen nahe Bad Camberg im Landkreis Limburg-Weilburg entdeckt und zählt zu den herausragenden Neufunden der jüngeren Eisenzeit in Hessen. Die Bestattung stammt aus der Frühlatènezeit und gehört zu einer hochrangigen Persönlichkeit der keltischen Gesellschaft.

Längliches Objekt mit breitem, flachem Ende und schmalem Griff, auf grauem Untergrund liegend, darunter ein Maßstab mit schwarz-weißen und roten Feldern
Eine eiserne Lanzenspitze war das erste Fundstück, das die Archäologen und Archäologinnen in ihrer Annahme bekräftigten, ein keltisches Fürstengrab entdeckt zu haben © Christine Henke, LfDH

 

„Mit dem frühlatenezeitlichen Fürstengrab von Bad Camberg können wir nunmehr die bis dato nur angenommene Präsenz einer lokalen keltischen Elite nachweisen. Das Grab und die Möglichkeit, dieses nun mittels neuester Untersuchungsmethoden erforschen zu können, ist von großer Bedeutung für die Eisenzeitforschung in Hessen.“ Prof. Dr. Udo Recker, Landesarchäologe

Entdeckt wurde das Grab während bauvorgreifender Untersuchungen für einen Solarpark. Die Ausgrabungen erfolgten innerhalb von nur rund zwei Wochen durch ein Team der SPAU GmbH, ohne die Bauarbeiten wesentlich zu beeinträchtigen.

Hochrangige Grabbeigaben aus der Eisenzeit

Die Ausstattung des Grabes verweist eindeutig auf den hohen sozialen Rang des Bestatteten. Zu den Funden gehören massiver Goldschmuck, Waffenreste sowie eine etruskische Schnabelkanne. Derartige Importobjekte gelten als Hinweis auf weitreichende Kontakte in den mediterranen Raum.

Röntgenaufnahme eines großen, länglichen Gefäßes mit Henkel und breitem Hals, umgeben von körniger Struktur
Die etruskische Schnabelkanne im Röntgenbild © hessenARCHÄOLOGIE

Die Grabbeigaben weisen deutliche Parallelen zu bekannten keltischen Fürstengräbern Mitteleuropas auf. Besonders naheliegend ist der Vergleich mit dem Keltenfürsten vom Glauberg. Zwar erscheinen die Funde aus Bad Camberg insgesamt schlichter, dennoch deutet ihre Zusammensetzung auf eine bedeutende Persönlichkeit der frühen Keltenzeit hin.

Person mit blauen Handschuhen reinigt vorsichtig einen kreisförmigen Fund auf einem weißen Tuch mit einem Pinsel
Der massive Goldschmuck wurde in der Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE bearbeitet © Lars Görze M.A., LfDH

Seltene keltische Wagenbestattung

Besonders außergewöhnlich ist der Nachweis einer Wagenbestattung. Funde wie Radnabenbeschläge, Achskappen aus Buntmetall und eiserne Radreifen belegen eindeutig, dass der Tote gemeinsam mit einem zweirädrigen Wagen bestattet wurde.

Derartige keltische Wagengräber sind in Hessen äußerst selten. Nach Angaben der Archäologen lässt sich die Zahl vergleichbarer Funde an einer Hand abzählen. Die Qualität der Bad Camberger Bestattung übertrifft dabei offenbar alle bislang bekannten Beispiele aus dem Bundesland.

Hand mit blauen Handschuhen hält einen Pinsel und bearbeitet vorsichtig ein Fundstück aus Metall
In den Achsenkappenbeschlägen erhielt sich Holz vom Reifen des Wagens © Lars Görze M.A., LfDH

„Bereits nach der geophysikalischen Prospektion des überplanten Bereichs spekulierten wir über das mögliche Vorhandensens eines keltischen Elitengrabes. Damit, dass wir am Ende tatsächlich nicht nur ein Fürstengrab, sondern sogar eine Wagenbestattung vorfinden konnten, hatte dann aber doch niemand gerechnet.“ Dr. Kai Mückenberger, Bezirksarchäologe für den Landkreis Limburg-Weilburg

Moderne Technik liefert neue Einblicke

Die Untersuchungen des Grabes dauern weiterhin an. Röntgen- und CT-Aufnahmen der geborgenen Erdblöcke zeigen weitere bislang nicht freigelegte Objekte. Diese sollen nun schrittweise restauriert und wissenschaftlich ausgewertet werden.

An den Untersuchungen beteiligt sind die Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE sowie das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg. Unterstützt wird das Projekt durch das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) in Mainz, dessen technische Möglichkeiten für die CT-Analysen genutzt werden.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Hessen

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