„Mit dem frühlatenezeitlichen Fürstengrab von Bad Camberg können wir nunmehr die bis dato nur angenommene Präsenz einer lokalen keltischen Elite nachweisen. Das Grab und die Möglichkeit, dieses nun mittels neuester Untersuchungsmethoden erforschen zu können, ist von großer Bedeutung für die Eisenzeitforschung in Hessen.“ Prof. Dr. Udo Recker, Landesarchäologe
Entdeckt wurde das Grab während bauvorgreifender Untersuchungen für einen Solarpark. Die Ausgrabungen erfolgten innerhalb von nur rund zwei Wochen durch ein Team der SPAU GmbH, ohne die Bauarbeiten wesentlich zu beeinträchtigen.
Hochrangige Grabbeigaben aus der Eisenzeit
Die Ausstattung des Grabes verweist eindeutig auf den hohen sozialen Rang des Bestatteten. Zu den Funden gehören massiver Goldschmuck, Waffenreste sowie eine etruskische Schnabelkanne. Derartige Importobjekte gelten als Hinweis auf weitreichende Kontakte in den mediterranen Raum.
Die etruskische Schnabelkanne im Röntgenbild
© hessenARCHÄOLOGIE
Die Grabbeigaben weisen deutliche Parallelen zu bekannten keltischen Fürstengräbern Mitteleuropas auf. Besonders naheliegend ist der Vergleich mit dem Keltenfürsten vom Glauberg. Zwar erscheinen die Funde aus Bad Camberg insgesamt schlichter, dennoch deutet ihre Zusammensetzung auf eine bedeutende Persönlichkeit der frühen Keltenzeit hin.
Der massive Goldschmuck wurde in der Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE bearbeitet
© Lars Görze M.A., LfDH
Seltene keltische Wagenbestattung
Besonders außergewöhnlich ist der Nachweis einer Wagenbestattung. Funde wie Radnabenbeschläge, Achskappen aus Buntmetall und eiserne Radreifen belegen eindeutig, dass der Tote gemeinsam mit einem zweirädrigen Wagen bestattet wurde.
Derartige keltische Wagengräber sind in Hessen äußerst selten. Nach Angaben der Archäologen lässt sich die Zahl vergleichbarer Funde an einer Hand abzählen. Die Qualität der Bad Camberger Bestattung übertrifft dabei offenbar alle bislang bekannten Beispiele aus dem Bundesland.
In den Achsenkappenbeschlägen erhielt sich Holz vom Reifen des Wagens
© Lars Görze M.A., LfDH
„Bereits nach der geophysikalischen Prospektion des überplanten Bereichs spekulierten wir über das mögliche Vorhandensens eines keltischen Elitengrabes. Damit, dass wir am Ende tatsächlich nicht nur ein Fürstengrab, sondern sogar eine Wagenbestattung vorfinden konnten, hatte dann aber doch niemand gerechnet.“ Dr. Kai Mückenberger, Bezirksarchäologe für den Landkreis Limburg-Weilburg
Moderne Technik liefert neue Einblicke
Die Untersuchungen des Grabes dauern weiterhin an. Röntgen- und CT-Aufnahmen der geborgenen Erdblöcke zeigen weitere bislang nicht freigelegte Objekte. Diese sollen nun schrittweise restauriert und wissenschaftlich ausgewertet werden.
An den Untersuchungen beteiligt sind die Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE sowie das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg. Unterstützt wird das Projekt durch das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) in Mainz, dessen technische Möglichkeiten für die CT-Analysen genutzt werden.
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Hessen