Funde auf den Bruchhauser Steinen im Sauerland geben Hinweise auf rituelle Praktiken der Eisenzeit

Ausgrabungen am Nationalen Naturmonument Bruchhauser Steine im Hochsauerlandkreis liefern Hinweise auf rituelle Handlungen der Eisenzeit. Funde von Beilklingen und Quarzabbau deuten darauf hin, dass die markanten Felsen vor über 2.000 Jahren eine religiöse Bedeutung hatten.

Felsformation mit unregelmäßigen, steil aufragenden Gesteinsblöcken, die von grüner Vegetation durchzogen sind. Auf dem höchsten Punkt steht ein großes Metallkreuz. Im Hintergrund sind Felder, Wälder und sanfte Hügel zu sehen. Ein roter Punkt markiert eine Stelle auf dem Felsen.
Blick von Südosten auf den Feldstein. Die Fundstelle ist beim roten Punkt.© LWL-Archäologie für Westfalen/F. Geldsetze

Die Bruchhauser Steine bei Olsberg-Bruchhausen im Hochsauerlandkreis zählen nicht nur zu den bekanntesten Naturmonumenten Nordrhein-Westfalens, sondern auch zu bedeutenden archäologischen Fundorten. Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) führten dort 2025 neue Ausgrabungen durch, deren Ergebnisse nun ausgewertet wurden. Die Untersuchungen legen nahe, dass die Felsen während der Eisenzeit, d.h. zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr., nicht nur als befestigtes Gelände, sondern auch als Ort ritueller Handlungen dienten.

LWL-Chefarchäologin Dr. Sandra Peternek betont: „Die Situation auf dem Feldstein ist außergewöhnlich und lässt erstmals eindeutig erkennen, dass die Felsen der Bruchhauser Steine im religiösen Verständnis der Eisenzeit eine wichtige Rolle gespielt haben.“

Befestigung und rätselhafte Nutzung

Während der Eisenzeit wurden die weithin sichtbaren Porphyrfelsen von einer Wallanlage umgeben. Gründe für diese aufwendige Sicherung waren bisher unklar, denn das Gelände liegt abseits damaliger Siedlungszentren. Peternek erläutert: „Die Bruchhauser Steine liegen in einer siedlungsungünstigen Lage, deutlich abseits der bevorzugten Siedlungsgebiete des Hellwegs. Sie sind häufig herausfordernden Witterungsbedingungen ausgesetzt.“

Schon frühere Funde, etwa ein Armringfragment und eine absichtlich beschädigte Lanzenspitze aus dem Jahr 2013, ließen auf eine rituelle Nutzung schließen.

Entdeckung von 2025: Eisenbeile und Quarzabbau 

Im Zentrum befindet sich eine Ausgrabungsstelle mit freigelegten Steinen und Erde. Die Steine sind unregelmäßig geformt und liegen teilweise übereinander. Links neben der Grabung liegt ein Maßstab mit abwechselnd schwarzen und weißen Segmenten. Um die Ausgrabung herum wächst dichtes grünes Gras und niedrige Pflanzen.
In diesem Ausgrabungsschnitt ist unten die Eingrabung in den Felsen zu erkennen. Darüber liegt randlich eine große Steinplatte. © LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel
Einen zentralen Hinweis auf rituelle Aktivitäten liefert ein Befund vom Feldstein selbst. Heimatforscher Matthias Dickhaus entdeckte im Oberboden der Klippe zwei eisenzeitliche Tüllenbeile, die rechtwinklig zueinander ausgerichtet waren. Nach der Sicherung des Fundortes durch die LWL-Archäologie kam unter den Beilen eine mit Quarzresten verfüllte Grube zum Vorschein.

Grabungsleiter Dr. Manuel Zeiler beschreibt den Befund: „Diese Grube entstand dadurch, dass hier oben auf dem Felsen Quarz abgebaut wurde (...). Der Quarz wurde noch vor Ort auf einer Steinplatte und mit einem sogenannten Pochstein bis auf wenige Millimeter Durchmesser zerstoßen und zermahlen. Zum Schluss wurde die Grube wieder verfüllt – samt Steinplatte und Pochstein.“

Zeiler interpretiert die Abfolge als rituellen Akt: „Wir fassen hier rituelle Handlungen auf einem der exponiertesten Felsen der Landmarke: Die Menschen bauten Quarz ab, zerkleinerten ihn und abschließend musste die ,Wunde im Berg‘ wieder verschlossen werden.“ Die Niederlegung der beiden Beile habe das Ritual symbolisch abgeschlossen.

Religiöse Bezüge und symbolische Materialien

Die bewusste Wahl des Ortes ist bemerkenswert. Quarzvorkommen hätten am Fuß des Felsens nämlich leichter gewonnen werden können. Zeiler sieht darin ein Indiz für eine rituelle Motivation: „Es ist möglich, dass speziell der Quarz von diesem erhöhten Ort nahe der Anderswelt für die Menschen der Eisenzeit von großer Bedeutung war.“
Der Hinweis auf die „Anderswelt“, ein Konzept aus der keltischen Mythologie, verweist auf eine mögliche Verbindung zwischen den Felsen und Vorstellungen vom Jenseits.

In der Eisenzeit wurde Quarz häufig zur Tonmischung von handgetöpferten Gefäßen genutzt. „Denkbar ist, dass der Quarz vom Feldstein Bestandteil besonderer, vielleicht ritueller Gefäße war,“ so Zeiler.

Im Vordergrund liegen zwei dunkle, metallisch wirkende Objekte mit rechteckiger und abgerundeter Form auf einer steinernen Oberfläche. Dahinter befinden sich mehrere helle, kantige Steine sowie eine größere, rundliche Steinstruktur. Zwischen den Steinen ist eine Ansammlung kleiner, körniger Partikel zu sehen. Rechts unten ist eine Maßstabsleiste mit der Angabe '5 cm' abgebildet.
Quarz, Klopfstein, Beile und Steinplatte lassen ein eisenzeitliches Ritual auf dem Feldstein rekonstruieren. © LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

Von der Forschung ins Museum

Die Stiftung Bruchhauser Steine möchte die neuen Erkenntnisse zeitnah vermitteln.  Aus Konservierungsgründen werden die Beile als Repliken ausgestellt, während Originalstücke wie der Pochstein, die Steinplatte und der zerkleinerte Quarz gezeigt werden.

Quelle LWL

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