Erste absolute Datierung paläolithischer Malereien in der Dordogne

Ein Forschungsteam hat erstmals das Alter der prähistorischen Wandmalereien in der Höhle von Font-de-Gaume (Dordogne) präzise bestimmt. Mithilfe moderner Bildgebungs- und Datierungsmethoden konnten Spuren von Holzkohle in den schwarzen Pigmenten nachgewiesen werden – und damit der Beweis erbracht werden, dass Radiokohlenstoffdatierungen auch bei diesen legendären Kunstwerken möglich sind. Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in die Entstehungszeit und Entwicklung paläolithischer Höhlenmalerei.

Felswand mit rot und grün markierten prähistorischen Tiermalereien
Hyperspektrales Bild des Carrefour-Logos, aufgenommen mittels Reflexionsspektroskopie (RIS). Es zeigt den visuellen Kontrast zwischen Darstellungen mit Ruß (rot, Cervidé HB14 und Bison HB15) und solchen mit schwarzen Manganoxiden (grün, Bison HB14).© TU Delft, Matthias Alfeld

Bislang galt eine verlässliche Radiokohlenstoffdatierung der paläolithischen Kunstwerke in der Dordogne – darunter auch der berühmten Höhle von Lascaux – als kaum möglich. Grund dafür war die Annahme, dass die prähistorischen Farben ausschließlich auf Eisen- und Manganoxiden basierten und somit keinen datierbaren Kohlenstoff enthielten. Konkrete Nachweise für dieses Fehlen standen bislang jedoch aus.

Entdeckung: Holzkohle als Pigmentbestandteil

Zur Überprüfung dieser Annahme analysierten die Forschenden die chemische Zusammensetzung zweier schwarzer Zeichnungen, darunter ein Bison und eine Maske. Zum Einsatz kamen zerstörungsfreie Verfahren wie Raman-Mikrospektrometrie und hyperspektrale Bildgebung. Diese Analysen zeigten, dass die schwarzen Pigmente feine Spuren von Holzkohle enthalten. Da das Material in allen Linien der Figuren gleichmäßig verteilt war, konnten Verunreinigungen durch später entstandene Graffiti oder touristische Aktivitäten ausgeschlossen werden.

Radiokohlenstoffdatierung mit Mikroproben

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden ausnahmsweise kleinste Proben für eine Radiokohlenstoffdatierung entnommen. Trotz der geringen Materialmenge gelang eine präzise Datierung der Bildmotive. Sie bestätigte, dass die Malereien ins Jungpaläolithikum gehören, allerdings etwas jünger sind als bislang angenommen. Demnach wurde der Bison zwischen 13.461 und 13.162 calBP geschaffen. Die verschiedenen Abschnitte der Maske entstanden zu unterschiedlichen Zeiten: zwischen 8.993 und 8.590 calBP, 15.981 und 15.121 calBP sowie zwischen 15.297 und 14.246 calBP.

Neue Perspektiven für die Höhlenkunstforschung

Die Forscher sehen in dieser Arbeit einen entscheidenden Fortschritt für die Höhlenkunstforschung. Dank der neuen Analysestrategie können künftig weitere Höhlenmalereien präzise datiert werden – ein wichtiger Schritt, um Stilentwicklung, kulturelle Kontakte und Lebensweisen der Menschen im Jungpaläolithikum genauer zu rekonstruieren.

Quelle: CNRS

Originalpublikation

I. Reiche, L. Beck, I. Caffy, Y. Coquinot, M. Alfeld, A. Maigret, J. Tapia, M. Martinez, A. Lescale, & P. Paillet, Radiocarbon dating and chemical imaging of carbon black–based Paleolithic cave art in the Dordogne region (France), Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A.123 (12) e2524751123,https://doi.org/10.1073/pnas.2524751123 (2026).

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