Die baubegleitenden archäologischen Untersuchungen im Vorfeld des Baus des unterirdischen Rundgangs des MiQua im Archäologischen Quartier Köln haben in den vergangenen Monaten bedeutende neue Erkenntnisse zur römischen Siedlungs- und Baugeschichte der Stadt zutage gefördert. Aufgrund der besonders tiefen Lage des geplanten Rundgangs konnten Fundkomplexe freigelegt werden, die unter normalen Bedingungen meist durch spätere Baumaßnahmen zerstört sind. In diesem Fall bewahrte die Lage an der ehemaligen Rheinhangkante die antiken Schichten. Bereits in der römischen Kaiserzeit wurden sie durch massive Anschüttungen überdeckt, wodurch sich außergewöhnlich günstige Erhaltungsbedingungen ergaben.
Römische Treppe des 1. Jahrhunderts
© Stadt Köln/Römisch-Germanisches Museum, Franziska Bartz
Die aktuellen Grabungen legten eine Treppe aus dem späten 1. Jahrhundert frei, die ein tiefer gelegenes Niveau in Richtung Rhein mit einem höher liegenden Teil des frühen Praetoriums, des römischen Statthalterpalastes, verband. Der Verlauf der Treppe ist bislang nicht vollständig nachvollziehbar, ihr Erhaltungsgrad jedoch außergewöhnlich. In Köln zählen Treppenanlagen zu den seltenen Baubefunden, da meist nur Fundamentzonen überliefert sind. Hier ermöglichten die besonderen Bodenverhältnisse eine herausragende Konservierung frühkaiserzeitlicher Schichten.
Der Altar der Laren: Ein einzigartiger Befund nördlich der Alpen
Von besonderem Interesse ist das freigelegte Lararium, ein Hausaltar innerhalb des Praetoriums aus dem 2. Jahrhundert. An diesem Ort wurden den Laren, den Schutzgottheiten des Hauses, kultische Handlungen und Opfergaben – sowohl in Form von Lebensmitteln als auch von Gegenständen – dargebracht. In der zentralen Nische, in der die Figuren der Laren standen, sind noch Spuren der Nutzung ablesbar: Nagellöcher oberhalb und neben der Nische deuten auf einst aufgehängte Girlanden hin. Eine Abrisskante unterhalb der Nische markiert die ursprüngliche Position der Altarplatte, die während der Ausgrabung geborgen wurde und im Zuge der Restaurierung an ihren historischen Platz zurückkehren soll.
Seitliche Mauervorsprünge belegen eine architektonische Einfassung der Nische, während im Inneren farbliche Reste auf eine einstige Wandbemalung hinweisen. Der Befund befindet sich derzeit noch im unrestaurierten Zustand. Seine Bedeutung ist außergewöhnlich: Ein derart vollständig erhaltener Hausaltar ist nördlich der Alpen bislang einzigartig. Vergleichbare Exemplare sind vornehmlich aus den Vesuvstädten Pompeji, Herculaneum und Stabiae bekannt.
Quelle: Stadt Köln