Drohnenaufnahmen belegen ein römisches Forum und ein bisher unbekanntes Theater in Fioccaglia

Die jüngste Forschungskampagne an der archäologischen Stätte Fioccaglia im Flumeri-Gebiet der Provinz Avellino im Südwesten Italiens hat bedeutende Ergebnisse hinsichtlich des Stadtplans der römischen Siedlung erbracht. Die neuen Analysen bestätigen zugleich die strategische Bedeutung des Ortes an der Via Appia, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Luftaufnahme eines ländlichen Gebiets mit Feldern, Wegen und einzelnen Gebäuden. In der Bildmitte sind große, rechteckige Flächen mit schwarz-weißen Mustern zu sehen, die archäologische Strukturen darstellen. Mehrere Bereiche sind mit weißen Pfeilen und klar lesbaren Beschriftungen markiert, darunter 'Teatro', 'Foro', 'Domus scavi 1986', 'Domus scavi 1980', 'Domus', 'Via Appia' und 'Assi stradali'. Die Beschriftungen heben die Lage eines Theaters, eines Forums, mehrerer Wohnhäuser und einer Straße hervor.
Luftaufnahme und magnetische Vermessungskarte mit den neu identifizierten Strukturen© MiC

Fioccaglia wird von einigen Forschern mit dem antiken Forum Aemilii gleichgesetzt und in das 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr. datiert. Der Ort gilt als zentral für das Verständnis der Romanisierung in Irpinia, einer Landschaft in der italienischen Region Kampanien. Ihre historische Bedeutung steht in engem Zusammenhang mit der Via Appia, die in der Antike als Regina Viarum bekannt war, sowie mit der Via Aemilia, die im Jahr 126 v. Chr. vom Konsul Marcus Aemilius Lepidus angelegt wurde. Fioccaglia liegt nahe der Mündung des Ufita in die Fiumarella. Diese Lage verlieh der Stadt in der Antike strategische Bedeutung.

Bereits Untersuchungen in den 1980er Jahren hatten Hinweise auf eine geplasterte Hauptstraße (Decumanus) und eine reich ausgestattete Domus im frühpompejanischen Stil geliefert – Indizien für die Anwesenheit hochrangiger Persönlichkeiten im Stadtzentrum.

Präziser Stadtplan dank moderner Technik

Das aktuelle Forschungsprojekt unter der Leitung von Professor Giuseppe Ceraudo von der Universität Salento wurde in enger Kooperation mit der Aufsichtsbehörde für Archäologie, Bildende Künste und Landschaft der Provinzen Salerno und Avellino sowie der Stadtverwaltung von Flumeri durchgeführt. Die Ergebnisse ermöglichen erstmals die klare Rekonstruktion des orthogonalen Stadtgrundrisses – mit regelmäßig angelegten Straßen und Baublöcken nach dem Vorbild römischer Koloniestädte.

Forum und Theater entdeckt

Hervorzuheben ist insbesondere die Identifizierung des Forums als bürgerliches und wirtschaftliches Zentrum der Stadt. Der weitläufige Platz war von öffentlichen Gebäuden umgeben, deren Grundrisse nun erstmals deutlich erkennbar sind. Ebenso überraschend ist der Nachweis eines bislang unbekannten monumentalen Theaters, der eindrucksvoll die kulturelle Bedeutung der Stadt in der Region belegt.

Professor Ceraudo betont den hohen Wert des technologischen Fortschritts für diese Entdeckungen:

„Die Kombination geophysikalischer Untersuchungen und Fernerkundungsuntersuchungen mit Drohnen, die mit thermischen und multispektralen Sensoren ausgestattet sind, hat es uns ermöglicht, ein wahres Röntgenbild des noch immer verschütteten antiken Zentrums zu erstellen und Strukturen anhand von Variationen im Vegetationswachstum und der magnetischen Zusammensetzung des Untergrunds zu identifizieren. Der multidisziplinäre Ansatz hat eine solide wissenschaftliche Grundlage für die Planung zukünftiger Schutz- und Aufwertungsmaßnahmen geschaffen.“

Die neuen Daten bestätigen, dass Fioccaglia eine voll entwickelte Stadt mit repräsentativer öffentlicher Architektur war. Die Kombination aus Forum, Theater, gepflasterten Straßen und repräsentativen Wohnhäusern deutet auf eine Siedlung hin, die in der späten Republik in das politische und wirtschaftliche System Roms eingebunden war. Die Ergebnisse untermauern zudem die Verbindung der Stadt zu den wichtigen Verkehrswegen, die den Verkehr in Süditalien prägten. In den kommenden Monaten sollen zerstörungsfreie Untersuchungen folgen, um die neuen Funde zu verifizieren und Leitlinien für den langfristigen Schutz und die Aufwertung der antiken Stätte zu entwickeln.

Quelle MiC

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