Die genetischen Daten zeigen eine bemerkenswerte Stabilität in der Besiedlung der Region. „Für die betrachtete Region in Mitteldeutschland ergeben sich Hinweise auf eine weitgehende Bevölkerungskontinuität seit der Frühbronzezeit“, erklären die Autorinnen und Autoren. Auch die Strontiumisotopenwerte deuten darauf hin, dass die meisten untersuchten Individuen in ihrer Kindheit bereits in derselben Region aufwuchsen, in der sie später begraben wurden. Die materielle Kultur mit ihren überregionalen Bezügen scheint demnach weniger auf Wanderbewegungen als auf kulturellen Austausch zurückzugehen.
Einfluss aus dem Donauraum
Erst gegen Ende der Späten Bronzezeit lassen sich genetische Linien aus dem mittleren Donauraum nachweisen. Diese Befunde sprechen für punktuelle Kontakte oder Zuwanderungen, die in das bestehende Bevölkerungsgefüge integriert wurden, ohne größere demografische Umbrüche auszulösen.
Ernährung im Wandel
Isotopenanalysen liefern zudem Einblicke in Ernährungsgewohnheiten. Bereits in der frühen Phase der Späten Bronzezeit nahm der Anbau von Rispenhirse deutlich zu. Die Forscherinnen und Forscher deuten diesen Wandel als Anpassung an ökonomische und ökologische Herausforderungen: „Die genetischen Untersuchungen unterstreichen, dass dieser Wandel nicht durch einen Bevölkerungswechsel, sondern als Reaktion auf wirtschaftliche und Umweltbedingungen zu erklären ist.“ In späteren Jahrhunderten gewannen Weizen und Gerste wieder an Bedeutung.
Gesundheit und Lebensumstände
Ergänzend untersuchte das Team mikrobielle DNA, um Hinweise auf Krankheiten zu erhalten. Epidemische Erreger konnten nicht nachgewiesen werden. Stattdessen fanden sich Bakterien, die mit Zahnproblemen in Verbindung stehen. Zudem zeigen die Knochen Spuren von Mangelphasen in der Kindheit, Gelenkverschleiß und einzelnen Verletzungen – Hinweise auf ein körperlich forderndes, aber insgesamt gesundes Leben.
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Originalpublikation:
Orfanou, E., Ghalichi, A., Rohrlach, A.B. et al. Reconstruction of the lifeways of Central European Late Bronze Age communities using ancient DNA, isotope and osteoarchaeological analyses. Nat Commun 17, 1992 (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-69895-y