Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Elstorf im Fokus neuer Forschung

Das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung und das Archäologische Museum Hamburg haben ein umfangreiches Forschungsprojekt gestartet, das sich der wissenschaftlichen Auswertung des frühmittelalterlichen Gräberfeldes in Neu Wulmstorf-Elstorf (Landkreis Harburg) widmet. Gefördert wird das Vorhaben bis Herbst 2028 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Zwei Personen knien an einem rechteckigen Ausgrabungsfeld und arbeiten an einem freigelegten Skelett. Das Skelett liegt vollständig im sandigen Boden, die Knochen sind deutlich sichtbar. Um das Grab herum befinden sich einige Werkzeuge und rote Verpackungen. Im Hintergrund ist eine grüne Wiese zu sehen.
© Jochen Brandt, Archäologisches Museum Hamburg

Bereits seit rund 20 Jahren untersucht das Archäologische Museum Hamburg diese bedeutende Fundstätte. Das Gräberfeld gilt aufgrund seines außergewöhnlichen Erhaltungszustands und der zahlreichen im Block geborgenen organischen Artefakte als einzigartiges Zeugnis frühmittelalterlicher Bestattungspraktiken im nordwestdeutschen Raum zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert n. Chr. Insgesamt umfasst der Fundplatz etwa 580 Bestattungen sowie mehrere Pferdegräber.

Von der Probegrabung zur systematischen Forschung

Was 2006 als begrenzte Sondage begann, entwickelte sich bald zu einem archäologischen Schlüsselprojekt Norddeutschlands. Zwischen 2008 und 2016 wurde das Gräberfeld im Zuge von Baumaßnahmen vollständig ausgegraben. Die Grabungsteams setzten moderne digitale Dokumentationstechniken ein und entschieden sich bei zahlreichen Gräbern für Blockbergungen, um empfindliche organische Funde im Labor detailliert untersuchen zu können.

Damit verfügt die Fundstätte über ein außergewöhnliches Potenzial, um neue Einblicke in die Lebensweise und die rituellen Praktiken der Bevölkerung des Niederelbegebiets zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert n. Chr. zu gewinnen.

Forschungsschwerpunkte und wissenschaftliche Ziele

Im Rahmen des aktuellen DFG-Projekts werden alle in Elstorf geborgenen Gräber, Objekte und Dokumentationen unter Anwendung archäologischer, anthropologischer, archäozoologischer, paläobotanischer und archäometrischer Methoden neu ausgewertet. Die gewonnenen Daten sollen anschließend mit gleichzeitigen Nekropolen Nordwestdeutschlands verglichen werden.

Eine im Projekt beschäftigte Doktorandin wird die Forschungsergebnisse in einer Dissertation im Fach Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie zusammenführen. Im Zentrum stehen Fragen nach sozialer Differenzierung, Wandel im Bestattungsritual sowie der Ausbreitung christlicher Symbolik im Alltag der frühmittelalterlichen Bevölkerung.

Stimmen aus der Forschung

Prof. Dr. Hauke Jöns, Projektleiter am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, betont: „Für den norddeutschen Raum ist Elstorf ein außergewöhnlicher Glücksfund. Die organischen Materialien eröffnen uns einen Blick auf Details des Bestattungswesens in der Zeit der Christianisierung des Nordens, die sonst kaum überliefert sind.“

Auch Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg und Hamburger Landesarchäologe, hebt die Bedeutung des Projekts hervor: „Die langjährige Ausgrabung in Neu Wulmstorf-Elstorf ist eines der spannendsten Projekte, die unser Haus im Landkreis Harburg durchgeführt hat. Die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft zeigt die große Bedeutung, die dem Fundplatz überregional beigemessen wird.“

Quelle Landkreis Harburg

 

 

 

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