Bereits seit rund 20 Jahren untersucht das Archäologische Museum Hamburg diese bedeutende Fundstätte. Das Gräberfeld gilt aufgrund seines außergewöhnlichen Erhaltungszustands und der zahlreichen im Block geborgenen organischen Artefakte als einzigartiges Zeugnis frühmittelalterlicher Bestattungspraktiken im nordwestdeutschen Raum zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert n. Chr. Insgesamt umfasst der Fundplatz etwa 580 Bestattungen sowie mehrere Pferdegräber.
Von der Probegrabung zur systematischen Forschung
Was 2006 als begrenzte Sondage begann, entwickelte sich bald zu einem archäologischen Schlüsselprojekt Norddeutschlands. Zwischen 2008 und 2016 wurde das Gräberfeld im Zuge von Baumaßnahmen vollständig ausgegraben. Die Grabungsteams setzten moderne digitale Dokumentationstechniken ein und entschieden sich bei zahlreichen Gräbern für Blockbergungen, um empfindliche organische Funde im Labor detailliert untersuchen zu können.
Damit verfügt die Fundstätte über ein außergewöhnliches Potenzial, um neue Einblicke in die Lebensweise und die rituellen Praktiken der Bevölkerung des Niederelbegebiets zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert n. Chr. zu gewinnen.
Forschungsschwerpunkte und wissenschaftliche Ziele
Im Rahmen des aktuellen DFG-Projekts werden alle in Elstorf geborgenen Gräber, Objekte und Dokumentationen unter Anwendung archäologischer, anthropologischer, archäozoologischer, paläobotanischer und archäometrischer Methoden neu ausgewertet. Die gewonnenen Daten sollen anschließend mit gleichzeitigen Nekropolen Nordwestdeutschlands verglichen werden.
Eine im Projekt beschäftigte Doktorandin wird die Forschungsergebnisse in einer Dissertation im Fach Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie zusammenführen. Im Zentrum stehen Fragen nach sozialer Differenzierung, Wandel im Bestattungsritual sowie der Ausbreitung christlicher Symbolik im Alltag der frühmittelalterlichen Bevölkerung.
Stimmen aus der Forschung
Prof. Dr. Hauke Jöns, Projektleiter am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, betont: „Für den norddeutschen Raum ist Elstorf ein außergewöhnlicher Glücksfund. Die organischen Materialien eröffnen uns einen Blick auf Details des Bestattungswesens in der Zeit der Christianisierung des Nordens, die sonst kaum überliefert sind.“
Auch Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg und Hamburger Landesarchäologe, hebt die Bedeutung des Projekts hervor: „Die langjährige Ausgrabung in Neu Wulmstorf-Elstorf ist eines der spannendsten Projekte, die unser Haus im Landkreis Harburg durchgeführt hat. Die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft zeigt die große Bedeutung, die dem Fundplatz überregional beigemessen wird.“
Quelle Landkreis Harburg