Archäologischer Glücksfall in Hüllhorst: Archäologen stoßen auf Hausgrundrisse aus der frühen Eisenzeit

Bei Bauarbeiten in Hüllhorst (Kreis Minden-Lübbecke) ist ein archäologisches Team auf Spuren einer über 2.500 Jahre alten Siedlung gestoßen. Die vom LWL begleitete Grabung liefert neue Erkenntnisse zur vorrömischen Eisenzeit in Ostwestfalen. Besonders der Nachweis mehrerer Hausgrundrisse eröffnet wertvolle Einblicke in die Bauweise und Siedlungsstruktur dieser frühen Gemeinschaft. Nach Angaben der LWL-Fachleute handelt es sich um eine außergewöhnliche Entdeckung – vergleichbare Hausgrundrisse dieses Zeitraums wurden in Ostwestfalen bislang nur in Werther und Minden dokumentiert.

Zwei Personen stehen in einem rechteckigen Erdloch auf einer Ausgrabungsstätte. Eine Person trägt eine gelbe Warnjacke, die andere trägt eine dunkle Jacke und Gummistiefel und hält einen Gegenstand in der Hand. Im Hintergrund sind Erdhügel und kahle Bäume zu sehen. Eine rote Schaufel lehnt am Rand der Grube.
Grabungsleiter Hisham Nabo (li.) und Grabungsmitarbeiter Ristam Abdo (re.) stehen in einer ausgegrabenen Siedlungsgrube und begutachten einige der darin gefundenen Scherben. Die Verfärbungen werden geschnitten, um ihre Struktur zu erfassen und die darin befindlichen Fundstücke zu bergen.© LWL-AfW / S. Düvel

Der Anlass für die Untersuchungen war ein Bauprojekt: Die Gemeinde Hüllhorst errichtet derzeit ein neues Feuerwehrgerätehaus am Lohagenweg. Bevor die Bauarbeiten beginnen konnten, untersuchte ein kleines Grabungsteam den Untergrund archäologisch. Das Areal liegt am Rand des Wöhrsiek, einer bis heute aktiven Quelle – ein Standort, der nach Einschätzung der LWL-Archäologie für Westfalen seit der Urgeschichte bevorzugt besiedelt wurde.

Spuren im Boden

Bereits im Sommer 2025 wurde der Oberboden abschnittsweise abgetragen, um die Fläche zu sondieren. Die ersten Hinweise auf prähistorische Bautätigkeit folgten rasch: Bodenverfärbungen deuten auf Gruben hin, die einst als Vorrats- oder Abfallstellen dienten.

Besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch kleineren Verfärbungen, die von einstigen Pfostenstandorten zeugen. Mithilfe dieser Spuren gelang es, mehrere Gebäudegrundrisse zu rekonstruieren. „Wir haben neben zwei kleineren Gebäuden auch die Reste eines großen Wohnhauses entdeckt“, erläutert Grabungsleiter Hisham Nabo. Er weist darauf hin, dass die Bauherren ihre Konstruktion gezielt an der Hauptwindrichtung ausrichteten: Um die Angriffsfläche zu verringern, standen die Schmalseiten nach Nordost-Südwest.

Eine Hand hält zwei Fundstücke aus Ton oder Keramik. Das größere Fragment ist flach und unregelmäßig geformt, das kleinere Objekt wirkt wie ein Gefäßrest mit einer Öffnung.
Typische Gefäßscherben der frühen Eisenzeit: ein mit Fingertupfen verzierter Gefäßrand und ein Bruchstück mit einem breiten randständigen Henkel. © LWL-AfW / S. Düvel
Die zeitliche Einordnung stützen Keramikfragmente aus den Grubenverfüllungen. Bruchstücke von Henkeltassen (Terrinen) und rauwandigen Gefäßen mit charakteristischen Fingertupfrändern verweisen auf einen frühen Abschnitt der vorrömischen Eisenzeit – etwa zwischen 800 und 600 v. Chr.

„Glücksfall für die Archäologie“

„Für uns ist das ein wirklicher Glücksfall, denn bisher kannten wir in Ostwestfalen nur aus Werther und Minden Hausgrundrisse dieser Zeit, die auch erst in den vergangenen Jahren entdeckt wurden. Zusammen mit den neuen Entdeckungen in Hüllhorst erhoffen wir uns spannende Erkenntnisse zum alltäglichen Leben in dieser Zeit“, erklärt Sebastian Düvel von der LWL-Archäologie für Westfalen.

Um den Fundplatz genauer zu datieren, werden Holzkohlestückchen aus den Pfostengruben mittels Radiokarbonmethode untersucht. Solche Analysen können zudem zeigen, ob sich Spuren verschiedener Epochen überlagern – ein häufiges Phänomen an prähistorischen Siedlungsplätzen.

Dokumentation vor Neubau

Nach bisherigen Erkenntnissen erstreckt sich die Siedlung noch weiter nach Norden. Für den Bau des Feuerwehrhauses gibt es jedoch keine Einschränkungen. Da die archäologischen Zeugnisse dokumentiert und geborgen wurden, kann das Gebäude errichtet werden.

„Durch eine enge und frühzeitige Kommunikation zwischen der Gemeinde Hüllhorst, der ausführenden Grabungsfirma und uns konnten wir die archäologischen Maßnahmen noch vor dem eigentlichen Baubeginn erfolgreich abschließen, sodass nun auch das neue Feuerwehrgerätehaus am Lohagenweg wie geplant errichtet werden kann“, betont Düvel.

Quelle: LWL

 
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