Archäologische Untersuchungen in Werl-Westönnen lieferten überraschenden Befund einer eisenzeitlichen Salzsiederei

Seit Frühjahr 2024 gräbt in Werl-Westönnen (Kreis Soest) ein Archäologen-Team in Begleitung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) eine Fläche von zirka 6.000 Quadratmetern aus, die Arbeiten sind jetzt nahezu abgeschlossen. Archäologische Befunde und Funde haben die Forscher erwartet, allerdings war die Entdeckung einer über 2.500 Jahre alten Salzsiederei eine absolute Überraschung, denn bisher fehlten solche Nachweise in Westfalen, abgesehen von altbekannten Fundstellen im Werler Stadtkern.

Eine Person mit Handschuhen kniet an einer Ausgrabungsstelle und arbeitet vorsichtig an einer Erdschicht. Im Profil sind orangefarbene Fragmente im Boden sichtbar, die sich deutlich vom umgebenden Erdreich abheben. Die Szene ist von Tageslicht erhellt, der Boden wirkt trocken und sandig. Im Hintergrund liegen weitere Erdklumpen und ein heller rechteckiger Gegenstand.
Die Grube mit den Briquetagefunden wird zurzeit noch untersucht.© David Petö, Archäologie am Hellweg e. G

Auch in Westfalen ausgesprochen seltene Hausbautypen germanischer Siedler aus den Jahren um Christi Geburt und Reste eines Grabhügels als Bestattungsort konnten nachgewiesen werden - ein weit über Werl hinausreichendes, eimaliges archäologisches Ensemble.

Salzproduktion und ein Grabhügel aus der Eisenzeit

"Für mich ist diese Grabung etwas Besonderes: Dank der günstigen Lage nahe einer Quelle wurde dieser Ort gleich während zwei Epochen zur Anlage einer Hofstelle ausgewählt, nämlich während der Eisenzeit vor etwa 2500 Jahren, dann wiederum von germanischen Siedlern und Siedlerinnen um Christi Geburt herum", erklärt Grabungsleiter David Petö von der ausführenden Fachfirma.

Salz war ein zentraler Rohstoff, um Fleisch und Fisch haltbar zu machen. Durch die Möglichkeit der längerfristigen Konservierung von Nahrungsmitteln gewann die saisonale Verfügbarkeit an Bedeutung. Die Ausgrabungen in Westfalen lieferten Hinweise auf eine vor Ort erfolgte Salzsiederei, darunter Briquetage-Reste. Die gefundenen Keramikreste entsprechen grob gebrannter Produktionskeramik, wie sie beim Erhitzen der Sole zur Salzgewinnung verwendet wurde. Diese Keramiken geben Aufschluss über die technischen Abläufe der Salzproduktion. Zum anderen deuten die Reste eines Ofens eindeutig auf eine Produktion vor Ort hin. "Damit ist nun, neben den altbekannten Funden aus dem Werler Stadtkern der zweite Nachweis von eisenzeitlicher Salzsiederei in Westfalen gelungen", erklärt Grabungsleiter Petö.

Am nördlichen Rand der Ausgrabungsfläche entdeckten die Experten zudem einen kreisrunden Graben. Dieser datiert vermutlich in die Bronze- oder Eisenzeit (2000–500 v. Chr.). „Hierbei handelt es sich um den Rest einer Bestattung unter einem Grabhügel, eine typische Bestattungsform für diese Zeit”, erklärt Dr. Eva Cichy, wissenschaftliche Referentin der zuständigen LWL-Außenstelle in Olpe. Möglicherweise gehört die Grabanlage zu einem bislang nicht erfassten Gräberfeld, das sich nördlich an die aktuell untersuchte Fläche anschließt. Dieses Areal wurde allerdings schon in den 1960er- und 1970er-Jahren ohne archäologische Begleitung überbaut. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Werl beim aktuellen Bauvorhaben konnten diesmal viele wichtige Befunde und Funde geborgen und dokumentiert werden.

Germanische Siedlung um Christi Geburt

Nach den eisenzeitlichen Salzproduzenten ließen sich germanische Siedlerinnen und Siedler um die Zeitenwende an derselben Stelle nieder. Das beweisen in Westfalen für diese Zeit seltene, aber für die Fachleute sehr eindeutige Befunde im Boden. Anhand von Bodenverfärbungen konnte das Team den Grundriss von zwei sogenannten Wandgräbchenhäusern rekonstruieren: "Vor allem zu einem zweischiffigen Gebäude kennen wir gute Parallelen aus den Niederlanden, der Bautyp ist dort auf das Siedlungsgebiet des germanischen Stamms der Bataver beschränkt", weiß Eva Cichy.

Rundliches archäologisches Fundstück mit Loch in der Mitte und abgebrochener Spitze auf schwarzem Untergrund neben einem Maßstab
Fragment eines römischen Pferdegeschirrs. © David Petö, Archäologie am Hellweg e. G.
Zeitlich zu dem Bau passend kam das Fragment eines römischen Pferdegeschirrbeschlags des ersten Jahrhunderts n. Chr. zutage. Warum die Siedler in Westönnen ihr Haus in einer regional untypischen Weise bauten, das ist eine von vielen Fragen, auf die sich die Experten Antworten durch die folgende wissenschaftliche Auswertung erhoffen.
Rechteckige Ausgrabungsfläche mit deutlich sichtbaren, dunkleren Verfärbungen im Boden, die eine größere rechteckige Struktur und mehrere kleinere, rundliche Bereiche markieren. Zwei rot-weiße Messlatten liegen parallel an gegenüberliegenden Seiten der Fläche. Am rechten Rand sind helle, gestapelte Säcke zu erkennen.
Eines der beiden Wandgräbchenhäuser im Luftbild. © David Petö, Archäologie am Hellweg e. G.


Die beiden Wohnhäuser werden durch Nachweise einer Grubenhütte als Werkplatz, kleinen Speichergebäuden und großen Vorratsgruben zu einer geschlossenen und für das geschulte Auge sehr anschaulichen Hofstelle ergänzt: "Man könnte sagen, eine kaiserzeitliche Hofstelle wie aus dem Lehrbuch," freut sich Cichy.

Quelle LWL

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