2.000 Jahre alte Gräber unter künftigem Wohnquartier in Werne

Nach mehrmonatigen Untersuchungen haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ihre Arbeiten am Südring in Werne im Kreis Unna abgeschlossen. Auf einer Fläche von rund 6.600 Quadratmetern entdeckte das Grabungsteam ein weit verstreutes Brandgräberfeld mit etwa 30 Bestattungen. Die Funde werden auf fast 2.000 Jahre datiert.

Eine Drohnenaufnahme zeigt eine große, rechteckige Ausgrabungsfläche auf einem Feld. Mehrere längliche Erdhügel und Gräben sind klar voneinander abgegrenzt. Ein gelber Bagger arbeitet am Rand der Ausgrabung. Im Hintergrund sind Straßen, einzelne Gebäude und herbstlich gefärbte Bäume zu sehen.
Luftbild über die Grabungsfläche zu Anfang November 2025, Blickrichtung nach Osten. Im Hintergrund ist der moderne Friedhof und rechts mittig am Bildrand der "Russenfriedhof" zu erkennen.© EggensteinExca

„Wir konnten keine deutlichen Konzentrationen von Bestattungen feststellen”, berichtet Grabungsleiterin Martha Zur-Schaepers. „Sie lagen locker gestreut auf einer Fläche von etwa 6.600 Quadratmetern. Die Ränder des Gräberfelds konnten wir überall erfassen, außer im Norden, wo sich eine Straße samt anschließender Wohnbebauung befindet.“

Anlass der Grabung war die Planung des neuen „Wohnquartiers Südring“ der Stadt Werne. Ähnliche Projekte hatten bereits in der Vergangenheit archäologische Funde ans Licht gebracht, darunter im Bereich des neu projektierten „Wohnquartiers Bellingholz Süd“. Da die Umgebung von Werne reich an bekannten Fundstellen ist, vermuteten die LWL-Fachleute hier erneut Spuren früherer Besiedlung – eine Annahme, die sich bald bestätigte.

Frühe Funde aus der römischen Kaiserzeit

Bereits 2024 stießen Archäologen bei Sondierungsgrabungen auf eine Urnenbestattung aus der frühen Römischen Kaiserzeit. "2024 wurden unsere Erwartungen übertroffen: In unserer Suchfläche kamen Funde aus einer Urnenbestattung der frühen Römischen Kaiserzeit, also aus dem 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus zutage", erläutert LWL-Archäologin Dr. Eva Cichy.
"Hier hat eine ortsansässige germanische Gemeinschaft einen Verstorbenen zunächst verbrannt und dann in einem Keramikgefäß beigesetzt", fasst Cichy zusammen. Diese Bestattung liegt westlich des heutigen Friedhofs, in unmittelbarer Nähe des sogenannten Russen-Friedhofs, auf dem 102 sowjetische Zwangsarbeitende des Zweiten Weltkriegs beigesetzt sind.

Die Entdeckung von 2024 führte zu erweiterten Ausgrabungen im Folgejahr. Nach dem Denkmalschutzgesetz lag die Verantwortung für die archäologische Untersuchung bei der Entwicklergesellschaft Wohnpark Werne-Süd GmbH & Co. KG. Diese beauftragte eine Fachfirma, die unter Begleitung des LWL das großflächige Grabungsareal untersuchte.
"Die gute Kooperation während der gesamten Projektphase war durchaus gewinnbringend für alle Beteiligten. Durch die Arbeit der Archäologinnen und Archäologen haben wir etwas mehr über die Vergangenheit unserer Region erfahren und freuen uns jetzt auf die Entstehung des neuen Wohnquartiers", resümiert Eigentümer Sebastian Graf von Kanitz.

Verschiedene Bestattungsformen und Rituale

"Die jüngsten Ausgrabungen haben für das Gräberfeld ganz unterschiedliche Totenriten nachgewiesen: Neben der Beisetzung der Toten in Form des Leichenbrands in einer Keramikurne fanden wir Leichenbrand mitunter auch unterhalb oder neben einem Keramikgefäß", erläutert Dr. Cichy. Das Spektrum reicht von sogenannten Brandschüttungsgräbern bis hin zu Leichenbrandnestern – möglicherweise in Lederbeuteln beigesetzt. In anderen Fällen wurde der Leichenbrand ohne Behältnis direkt in eine Grube gegeben.

Eine archäologische Ausgrabungsstelle mit freigelegtem Erdreich und mehreren Messlatten. Im Zentrum befindet sich eine runde, Keramik-Struktur. Im Hintergrund steht eine Tafel mit weißer Schrift auf dunklem Grund, die Fundort und weitere Angaben aufführt. Die Messlatten sind weiß mit dunklen Markierungen und Maßangaben. Der Boden ist sandfarben und uneben.
Unter den Resten eines Keramikgefäß ist der weißliche Leichenbrand zu erkennen. © EggensteinExca

Beigaben und Funde

Die Mehrheit der entdeckten Bestattungen waren Einzelgräber, vereinzelt fanden sich auch Doppelbestattungen, bei denen zwei Urnen nebeneinander deponiert wurden. Beigaben – meist kleine Keramikgefäße – lagen in den Urnen oder direkt daneben. Neben Keramik fanden sich auch Metall- und Glasobjekte, darunter der Rest einer bronzenen Fibel sowie eine halbe Glasperle.

Viele Urnen zeigten durch landwirtschaftliche Nutzung bereits deutliche Beschädigungen. Die besser erhaltenen Exemplare wurden zum Schutz eingegipst und in die Restaurierungswerkstatt der LWL-Archäologie überführt. Dort beginnen nun detaillierte Analysen des Leichenbrandes und der Beigaben.

Quelle: LWL

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