Die Verlegung der Bundesstraße 169 zwischen Riesa und Salbitz führt durch eine der fundreichsten archäologischen Landschaften Sachsens. Die großflächigen Untersuchungen entlang der geplanten Trasse haben nun zahlreiche neue Erkenntnisse zur Besiedlungsgeschichte der Region geliefert.
Im nördlichen Abschnitt zwischen Seerhausen und Raitzen wurden seit September 2025 auf einer Fläche von rund sechs Hektar insgesamt neun Fundstellen vollständig untersucht. Zwei Grabungsteams legten mehr als 1.800 Befunde frei, darunter Hausgrundrisse, Ofenreste und Einfriedungen.
Bronzezeitliche Siedlungen am Raitzener Bach
Besonders aufschlussreich waren die Funde beidseits des Raitzener Baches. Dort stießen die Archäologen auf dichte Siedlungsspuren aus der Bronzezeit (ca. 1400 bis 800 v. Chr.). Hausgrundrisse, Ofenanlagen und Spuren von Zäunen oder Staken belegen eine intensive Nutzung des Gebietes.
Auf der westlichen Bachseite fanden sich darüber hinaus Hinweise auf eine Besiedlung während der Eisenzeit und der Römischen Kaiserzeit (ca. 800 v. Chr. bis 375 n. Chr.). Neben weiteren Hausgrundrissen wurden Überreste von Öfen sowie ein Handwerkerbereich mit charakteristischen Arbeits- und Abfallgruben dokumentiert.
Das geborgene Fundmaterial besteht überwiegend aus Keramikscherben, die eine genaue Datierung der Befunde ermöglichen. Webgewichte und Spinnwirtel weisen zudem auf eine lokale Textilproduktion hin.
Reste eines Ofens, der bei Bloßwitz, Gemeinde Stauchitz entdeckt wurde
© Landesamt für Archäologie Sachsen
Unerwartete Gräber aus der Jungsteinzeit
Eine besondere Entdeckung gelang nördlich von Bloßwitz. Dort wurden zwei Brandgräber der stichbandkeramischen Kultur aus der Jungsteinzeit (5000 bis 4400 v. Chr.) freigelegt. Die Bestattungen waren jeweils mit Beigaben ausgestattet, darunter ein Keramikgefäß und eine Axt. Solche Funde sind für die Region von besonderem wissenschaftlichem Interesse, da sie Einblicke in die Bestattungssitten früher bäuerlicher Gemeinschaften ermöglichen.
Nach Abschluss der Dokumentationsarbeiten wurde der nördliche Trassenabschnitt für die weiteren Bauarbeiten freigegeben.
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Neue Grabungen im südlichen Trassenabschnitt
Seit dieser Woche konzentrieren sich die Untersuchungen auf den Bereich zwischen Raitzen und Salbitz. Dort sind bislang sieben Fundstellen auf insgesamt 19 Untersuchungsflächen mit einer Größe von rund fünf Hektar bekannt.
Bereits die Voruntersuchungen lieferten Hinweise auf einige der frühesten Besiedlungsphasen Sachsens um 5500 v. Chr. Weitere Fundstellen datieren vom Mittel- und Endneolithikum (4400 bis 2800 v. Chr.) bis in das Mittelalter um das Jahr 1000 n. Chr.
Bis zu drei Grabungsteams werden die bekannten Bodendenkmäler systematisch untersuchen, bevor die Bauarbeiten beginnen. Die Ausgrabungen sollen sicherstellen, dass die archäologischen Zeugnisse wissenschaftlich dokumentiert werden, bevor sie durch die Baumaßnahme verloren gehen.
Beitrag zur Erforschung der Regionalgeschichte
Die Untersuchungen entlang der künftigen B169 liefern ein außergewöhnlich dichtes Archiv menschlicher Aktivitäten über einen Zeitraum von mehr als 7.000 Jahren. Die Funde tragen wesentlich dazu bei, die Entwicklung von Siedlungen, Handwerk und Bestattungssitten in der Region zwischen Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und Mittelalter besser zu verstehen.
Tag des offenen Denkmals
Die aktuelle Ausgrabung kann zum Tag des offenen Denkmals am 13. September 2026 von 10 bis 15 Uhr besichtigt werden. Vor Ort informieren die wissenschaftlichen Grabungsleiter Dr. des. Matthias Conrad und Marko Häckel M.A. über die laufenden Untersuchungen und die bisherigen Fundergebnisse.
Treffpunkt ist die K8948 zwischen Salbitz und Gastewitz. Der Sammel- und Infopunkt befindet sich von Salbitz kommend kurz hinter dem Ortsausgang auf der linken Seite im Bereich der Baustelleneinrichtung. Von dort führt ein etwa 400 Meter langer Fußweg zu den Grabungsflächen. Festes Schuhwerk wird empfohlen.