Katzen gehören zu den beliebtesten Haustieren und sind heute weltweit, sogar in den entlegensten Gegenden, verbreitet. Ihre Zahl wird auf etwa eine Milliarde geschätzt. Frühere Studien konnten zeigen, dass die Hauskatze (Felis catus) von der nordafrikanischen Wildkatze (Felis lybica lybica) abstammt. Außerdem belegen archäologische Funde, dass sich Katzen bereits vor fast 10.000 Jahren dem Menschen angeschlossen haben. Die komplexe Geschichte ihrer Domestikation, insbesondere der Zeitpunkt und die Umstände ihrer Ausbreitung, sind jedoch bis heute weitgehend ungeklärt. Dies liegt auch daran, dass archäologische Funde von Katzen selten sind und die Zuordnung von Knochenfragmenten zur Wild- oder Haustierform problematisch ist.
Ein internationales Forscherteam konnte nun mithilfe genetischer Analysen nachweisen, dass Hauskatzen nicht, wie bisher angenommen, vor 6.000 bis 7.000 Jahren mit jungsteinzeitlichen Bauern aus dem Vorderen Orient nach Europa gelangten. Vielmehr erfolgte ihre Einführung erst mehrere Jahrtausende danach, vor etwa 2000 Jahren, und zwar aus Nordafrika. Diese Schlussfolgerung basiert auf der Analyse von DNA-Proben von 225 Katzen aus 97 archäologischen Fundstätten in Europa und Anatolien. Dabei konnten die Forschenden insgesamt 87 Genome von alten sowie heutigen Katzen generieren, wobei die ältesten untersuchten Proben etwa 11.000 Jahre alt sind.
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Es gibt erstmals genetische Belege dafür, dass der geografische Ursprung der heutigen Hauskatzen in Nordafrika und nicht, wie bisher angenommen, im Vorderen Orient liegt. Die Forschenden vermuten, dass Seefahrer vor etwa 2000 Jahren Katzen von dort nach Europa brachten. Sie identifizierten zwei genetisch unterschiedliche Populationen aus Nordafrika. Die eine gelangte nach Sardinien und begründete die dort heute noch lebende Population der Wildkatzen, die andere erreichte zur Römerzeit das europäische Festland und trug erheblich zum Genpool moderner Hauskatzen bei.
„Die nordafrikanischen Wildkatzen haben sich aufgrund des reichhaltigen Angebots an Ratten und Mäusen oder Fischereiabfällen wohl dauerhaft in getreideanbauenden Siedlungen bzw. in Hafenvierteln aufgehalten und sich so an die Nähe des Menschen gewöhnt. Wir vermuten daher, dass Wildkatzenpopulationen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturkreisen Nordafrikas an dem komplexen Domestizierungsprozess beteiligt waren. Eine der künftigen Forschungsaufgaben wird es somit sein, die Frühphase der Katzenhaltung in Nordafrika geografisch und zeitlich weiter einzugrenzen sowie die soziokulturellen und wirtschaftlichen Gründe zu klären, die zu ihrer Haustierwerdung und anschließenden weltweiten Verbreitung geführt haben“, sagt Prof. Joris Peters, Leiter der Staatssammlung für Paläoanatomie in München.
An der Konzeption der Studie waren maßgeblich beteiligt: SNSB-Paläoanatom Prof. Joris Peters von der Staatssammlung für Paläoanatomie sowie der LMU München, die Leiter der Studie, Prof. Claudio Ottoni von der Universität Tor Vergata in Rom, und Prof. Wim van Neer vom Royal Belgian Institute of Natural Sciences in Brüssel.
Meldung SNSB - Staatssammlung für Paläoanatomie München
Originalpublikation:
M. De Martino et al. The dispersal of domestic cats from North Africa to Europe around 2000 years ago. Science 390, eadt 2642 (2025). DOI: 10.1126/science.adt2642
https://www.science.org/doi/10.1126/science.adt2642