Der Fundort ist auf historischen Karten als „Spitia-Katavothra” verzeichnet. Die Nekropole, gegliedert in mehrere Grabgruppen, umfasst Gruben-, Scheiterhaufen- und Ziegelgräber. Die bisher untersuchten 40 Bestattungen vermitteln bereits ein eindrucksvolles Bild des hohen Lebensstandards und der sozialen Stellung der landbesitzenden Bewohner dieser böotischen Flusssiedlung.
Das sogenannte „Grab der Dame mit dem umgedrehten Diadem“ stammt aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. und gehört zu einer Gruppe von drei Grubengräbern. Es enthielt die Überreste einer 20- bis 30-jährigen Frau. Ihr Haupt zierte ein prächtiges, bronzenes Diadem mit Bändern und einer zentralen, sonnenförmigen Rosette. Das in Relieftechnik gearbeitete Schmuckstück zeigt heraldisch angeordnete Löwenpaare, die ein traditionelles Symbol königlicher Macht darstellen.
© Kulturministerium Griechenland
Auffällig ist, dass der Toten das Diadem verkehrt herum aufgesetzt wurde, sodass die Löwen in liegender Haltung erscheinen. Forscher deuten diese ungewöhnliche Geste als symbolischen Hinweis auf den Verlust oder die Umkehrung von Herrschaft und Status – ein Thema, das in die politische Umbruchszeit des 7. Jahrhunderts v. Chr. passt.
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Die reiche Ausstattung des Grabes zeugt vom Wohlstand und Prestige der Verstorbenen. Zu den Beigaben zählen zwei übergroße, gravierte Schnallen böotischer Art mit Pferdemotiven, eine Halskette mit vasenförmigem Anhänger, Perlen aus Knochen, Elfenbein und Bernstein, Rosettenapplikationen, Kupferohrringe, ein Armband (Psellia) sowie Spiralringe, die alle Fingerglieder zierten.
Nur wenige Meter entfernt wurde das Grab eines etwa vierjährigen Mädchens entdeckt, das ein bronzenes Diadem mit eingelegten Rosetten trug. Der Fund datiert ebenfalls in die frühe archaische Zeit und war mit Schmuckstücken ausgestattet, die denen aus dem Grab der adligen Frau ähneln. Für die Archäologen ist dies ein Indiz für mögliche familiäre Verbindungen. Auch andere Bestattungen erbrachten wertvolle Funde.