Werkstattareal der Römischen Kaiserzeit im Dortmunder Westen entdeckt

Seit Mitte August untersucht ein Ausgrabungsteam des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit der Stadtarchäologie Dortmund eine einzigartige Siedlung des 1. bis 5. Jahrhunderts n. Chr. - der sogenannten Römischen Kaiserzeit.

Im Vordergrund kniet eine Person mit tätowierten Armen und dunkler Kleidung auf der Ausgrabungsstätte des LWL in Dortmund. Die Person arbeitet mit einem kleinen Werkzeug an einem rechteckigen, rötlich-braunen Befund aus Erde und Stein, der teilweise freigelegt ist. Der Boden ist sandfarben und uneben.
Zwei der für handwerkliche Tätigkeiten genutzte Feuerungsanlagen wurden vorsichtig freigelegt. © LWL/E. Cichy

Archäologen haben einen Werkstattbereich mit mehreren Arealen freigelegt, in denen sich Gruben, Öfen und Herde befanden. Neben einem Töpferofen dokumentierten sie außergewöhnlich gut erhaltene Werkstätten zur Metallverarbeitung.

"Wir haben hier einen Werkstattbereich mit umfangreichen Befunden entdeckt", erläutert Grabungsleiterin Dr. Eva Cichy von der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. "Das ist in dieser Form im Westen des Germanischen Siedlungsgebiets eine Premiere. Außer dem ersten Töpferofen fanden wir Werkstätten der Metallverarbeitung, sie waren außergewöhnlich gut erhalten", so Cichy weiter.

Öfen zum Einschmelzen römischen Metallschrotts

Für die Archäologen sind insbesondere die Anlagen zur Metallverarbeitung relevant. Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen, ordnet sie in den Forschungsstand ein: "Zu den spannendsten Aspekten der Römischen Kaiserzeit rechts des Rheins, also außerhalb des römischen Imperiums, zählt die germanische Metallverarbeitung. Es ist schon länger bekannt, dass die Germanen insbesondere in der späten Kaiserzeit große Mengen erhandelter oder erbeuteter römischer Metallobjekte recycelten".

Nach Angaben der Ausgräber liefern die freigelegten Anlagen die dazu passenden archäologischen Befunde. Tobias Zacharias von der Stadtarchäologie Dortmund erklärt: "Bisher fehlten jedoch zu solchen Tätigkeiten passende Befunde. Dadurch ist diese Fundstelle auch von überregionaler Bedeutung."

 

Metallrecycling in Tiegeln

Wie die Metallverarbeitung nach Einschätzung der Archäologen ablief, beschreibt Jan Rosbeck von der Stadtarchäologie Dortmund: "Die Germanen schmolzen hier in Tiegeln, die sie in die Öfen stellten, römischen Metallschrott. Es handelt sich um runde bis ovale Konstruktionen mit Lehmwänden, in die seitlich mit Blasebälgen Luft eingegeben wurde, um die Temperatur zu regulieren."

Ein Mann mit Brille, Bart und Basecap kniet in einer rechteckigen Ausgrabungsgrube auf der Grabung des LWL in Dortmund.  Mit einer Kelle zeigt er auf eine große, unregelmäßig geformte, rostbraune Struktur im Boden, die teilweise freigelegt ist.
Die freigelegten Reste des Töpferofens. © LWL/D. Riemenschneider

Offen ist bislang, welche Keramik in dem entdeckten Töpferofen hergestellt wurde. Die Ausgrabungen stehen kurz vor dem Abschluss. Der am besten erhaltene Ofen soll vollständig geborgen werden, um ihn künftig ausstellen zu können.

Quelle: LWL

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