Bei Bauarbeiten an der Grünberger Straße in Bielefeld-Stieghorst haben Archäologen einen Hof aus der späten Eisenzeit entdeckt. Die Fundstelle liegt auf einer kleinen Kuppe am Rand des Baderbachs. Da solche Lagen als archäologisch relevant gelten, begleitete die LWL-Archäologie für Westfalen die Anlage der Baugrube für ein geplantes Mehrfamilienhaus.
Das entdeckte Bodendenkmal wurde anschließend von einer archäologischen Fachfirma unter der Leitung von Angelina Friedrich ausgegraben und dokumentiert. Die Arbeiten wurden von der LWL-Archäologie für Westfalen begleitet.
„Die Lage des Bauplatzes war ausschlaggebend für die archäologische Begleitung der Erdarbeiten“, sagt Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen.
Die Region am nördlichen Rand des Teutoburger Waldes weist eine hohe Dichte archäologischer Fundstellen auf. Als mögliche Faktoren für die frühere Besiedlung werden die Nähe zu Bächen und Quellen sowie die für den Ackerbau geeigneten Lössböden genannt.
„An jedem Bach der hier herunterfließt, liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere Siedlungen aus verschiedenen Epochen“, erklärt Sebastian Düvel, wissenschaftlicher Referent beim LWL. „Als Beispiel ist hier die nur 1,2 Kilometer westlich gelegene, germanische Siedlung in Bielefeld-Sieker zu nennen.“
Pfostenspuren eines 20 Meter langen Haupthauses
Der neu entdeckte Hof wird in das 3. bis 1. Jahrhundert v. Chr. datiert und ist damit rund 300 Jahre älter als die germanische Siedlung im nahe gelegenen Bielefeld-Sieker.
Zum Befund gehören typische Keramikscherben, mindestens vier kleinere Nebengebäude und ein Haupthaus. Von dessen Holzkonstruktion haben sich Verfärbungen ehemaliger Pfosten im Boden erhalten. Anhand dieser Spuren lässt sich ein etwa 20 Meter langes und 7 Meter breites Gebäude rekonstruieren.
Für die Datierung ist insbesondere seine Bauweise von Bedeutung: Das Haupthaus besaß Doppelpfosten in einer Linie unter dem Dachfirst, eine für Häuser der späten Eisenzeit typische Konstruktion.
Dokumentation aus der Luft: Drei in einer Reihe angeordnete Keramik- und Steinschüttungen mit darunter liegenden Brandschichten hatte man innerhalb des Hofareals flach in den Boden eingetieft. Sie dienten vermutlich dem Garen von Speisen.
© Archäologie am Hellweg e.G./Angelina Friedrich
Zwei gegenüberliegende Eingänge in der Mitte führten zu einem Flur, der das Haus in einen Ost- und einen Westteil gliederte. Nach bisherigem Forschungsstand verbreitete sich diese Gebäudeform zu Beginn der späten Eisenzeit in Westfalen. Sie gilt als Vorläufer der späteren germanischen Langhäuser, wie sie auch in der Umgebung von Bielefeld nachgewiesen wurden.
Die „Eilshausener Gruppe“ in Ostwestfalen
Die Menschen, die in den Jahrhunderten vor Christus in Ostwestfalen und Teilen des angrenzenden Niedersachsens lebten, werden in der archäologischen Forschung aufgrund einer Fundstelle in Hiddenhausen-Eilshausen als „Eilshausener Gruppe“ bezeichnet. Archäologisch lässt sich diese Gruppe insbesondere anhand spezifischer Brandbestattungen und Grabbeigaben von anderen Gruppen unterscheiden.
Die Bezeichnung bedeutet jedoch nicht, dass die Menschen isoliert lebten. Archäologische Befunde werden als Hinweise auf Verbindungen nach Nordosten zur sogenannten Jastorf-Kultur sowie, insbesondere seit dem 3. Jahrhundert v. Chr., in die keltische Welt interpretiert.
Feuersteinpfeilspitze ist deutlich älter
Die Ausgrabung in Bielefeld-Stieghorst liefert einen weiteren Befund zum Leben in der Region vor rund 2.000 Jahren. Neben den Spuren des eisenzeitlichen Hofes entdeckten die Archäologen eine fein gearbeitete Pfeilspitze aus Feuerstein.
Dieser Fund weist darauf hin, dass sich an diesem Ort bereits deutlich früher Menschen aufhielten. Die Pfeilspitze wird auf ein Alter von rund 4.000 Jahren datiert.
Quelle: LWL