Wissenschaftler des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD MV) und des schwedischen Vrak Museums in Stockholm haben in Schwerin Funde aus zwei schwedischen Schiffswracks in der Ostsee vorgestellt. Die beiden Schiffe waren im Winter 1715 zwischen Rügen und Usedom gesunken und erst vor wenigen Jahren wissenschaftlich genauer untersucht worden.
Unter der Federführung des LAKD MV arbeiteten Archäologen aus Mecklenburg-Vorpommern und Schweden an einem gemeinsamen Tauchprojekt. Beteiligt waren unter anderem Fachleute der Universität Rostock, des Stavanger Maritime Museum in Norwegen und der Universität Warschau. Dabei bargen die Wissenschaftler verschiedene Ausrüstungsgegenstände, die nun im LAKD für die weitere wissenschaftliche Auswertung bearbeitet werden.
Europäische Zusammenarbeit in der Unterwasserarchäologie
Wissenschaftsministerin Bettina Martin würdigte bei der Präsentation die Arbeit des LAKD MV und die Kooperation mit den schwedischen Partnern.
„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LAKD sind die Bewahrer des kulturellen Erbes in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Ministerin Bettina Martin. „Das gemeinsame Projekt mit Schweden zeigt, dass die Geschichte unseres Landes nur im europäischen Kontext zu sehen ist. Ich bin allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr dankbar für ihren Einsatz. Das Land wird seine Kooperationen im Ostseeraum mit den anderen Ostseeanrainern gerade auch im Bereich der Wissenschaft und Forschung ausbauen.“
Martin betonte zudem die Notwendigkeit, dass Deutschland die UNESCO-Konvention zum Schutz des Unterwasser-Kulturerbes ratifiziert.
„Nur mit dem Beitritt Deutschlands zu dieser Konvention können wir auch künftig in internationaler Zusammenarbeit das Kulturerbe unter Wasser bewahren und erforschen und gleichzeitig vor Plünderung schützen. Momentan stoßen wir spätestens außerhalb der eigenen Hoheitsgewässer auf massive rechtliche Beschränkungen. Eine Ratifizierung der UNESCO-Konvention würde das beheben.“
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Verantwortung für das Unterwasser-Kulturerbe
„Als Küstenland trägt Mecklenburg-Vorpommern eine besondere Verantwortung für das kulturelle Erbe unter Wasser“, betonte die Direktorin des LAKD, Dr. Ramona Dornbusch. „Die im LAKD verankerte Unterwasserarchäologie – Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland mit einem hauptamtlichen Unterwasserarchäologen – ermöglicht es uns, Fundplätze fachgerecht zu untersuchen, ihren Zustand langfristig zu beobachten und frühzeitig auf Gefährdungen zu reagieren. Die beiden Wracks zeigen beispielhaft, dass archäologische Funde erst durch sorgfältige Dokumentation und historische Einordnung zu aussagekräftigen Quellen unserer Landesgeschichte werden.“
Die beiden Wracks sind durch Erosion gefährdet. Deshalb wurden ihre Konstruktion, ihr Erhaltungszustand und einzelne Fundstücke in den vergangenen Jahren genauer dokumentiert. Neben dem jährlichen Monitoring fanden 2024 und 2025 kleinere archäologische Projekte in Zusammenarbeit mit den Universitäten Rostock und Leiden statt. Dabei bargen die Wissenschaftler einzelne stark gefährdete Objekte.
Postillion und Cecilie
Bei den beiden Schiffen handelt es sich um die Fregatte Postillion und das bewaffnete Handelsschiff Cecilie. Beide Wracks wurden im Zusammenhang mit Bauarbeiten zufällig gefunden. Das Wrack der Postillion wurde 2016 lokalisiert, die Cecilie bereits 2010. Die Identifizierung der beiden Schiffe erfolgte im Dezember 2025 und bildete die Grundlage für die gemeinsamen Untersuchungen im Juni.
Schiffsglocke der Postillion vor der Bergung
© LAKD MV
Dr. Jens Auer vom LAKD erläuterte bei der Präsentation die Besonderheiten der beiden schwedischen Schiffe. Zu den geborgenen Ausrüstungsgegenständen zählt unter anderem ein rund 400 Kilogramm schweres bronzenes Kanonenrohr. Die Funde wurden zur weiteren wissenschaftlichen Untersuchung durch das LAKD gesichert.
Eine vollständige Bergung der Schiffe ist nicht vorgesehen. Beide Wracks sollen am Seegrund erhalten bleiben, da eine Bergung stets mit einer zumindest teilweisen Zerstörung des Fundplatzes verbunden wäre. Gemeinsam mit den schwedischen Kollegen des Vrak Museums ist die weitere archäologische und historische Erforschung der Schiffe geplant.
Zeugnisse des Großen Nordischen Krieges
Die Postillion und die Cecilie stehen in direktem Zusammenhang mit dem Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721. Zugleich besitzen sie eine enge Verbindung zur Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns und Schwedens.
Nach den vorliegenden Angaben gerieten die Schiffe im Dezember 1715 im schwierigen Fahrwasser um die Insel Rügen in Treibeis und sanken. Da sie offenbar rasch untergingen, blieben Ausrüstung und Inventar an Bord. Eine Bergung erfolgte wegen des harten Winters und des 1715 intensivierten Kriegsgeschehens in Schwedisch-Pommern nicht. Nach ihrem Untergang gerieten die Wracks bis zu ihrer Wiederauffindung in Vergessenheit.
Die außergewöhnlich gut erhaltenen Fundstücke ermöglichen Einblicke in die Schiffbautechnik und das Ressourcenmanagement der schwedischen Marine im 18. Jahrhundert. Darüber hinaus geben sie Hinweise auf den Alltag der Seeleute an Bord. Die weitere Erforschung soll dazu beitragen, ein genaueres Bild der in Vorpommern stationierten schwedischen Marineeinheiten und ihrer Schiffe zu gewinnen.
Quelle: Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern
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