Am slawischen Burgwall „Pilatsch“ bei Gülpe in der Unteren Havelregion haben Forscher erstmals archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Ziel der Untersuchungen ist es, die Entstehung, Nutzung und zeitliche Entwicklung des Bodendenkmals genauer zu bestimmen und seine Geschichte mit der Entwicklung der Havel-Auenlandschaft zu verknüpfen.
Bereits während der rund zweiwöchigen Feldkampagne wurden Funde geborgen, die zeigen, dass das Gebiet deutlich älter ist als die slawische Befestigung selbst. Neben Zeugnissen der slawischen Besiedlung kamen auch Relikte aus der vorrömischen Eisenzeit und dem Neolithikum zum Vorschein. Damit dokumentiert der Fundplatz eine über Jahrtausende andauernde Nutzung der Havelniederung.
Fundplatz zwischen Mensch und Fluss
Der Pilatsch liegt in einer von der Flussdynamik der Havel geprägten Auenlandschaft. Diese besondere Lage macht ihn zu einem wichtigen Forschungsobjekt, um die Wechselwirkungen zwischen menschlicher Besiedlung und natürlichen Landschaftsveränderungen zu untersuchen.
Seit 2025 wird der Fundplatz mit verschiedenen zerstörungsarmen Methoden erforscht. Geomagnetik, Georadar, elektromagnetische Messungen sowie Bohr- und Sondierungsverfahren lieferten bereits Hinweise auf den Aufbau des Burgwalls, die Grabenanlagen und mögliche Siedlungsbereiche.
„Durch die bisherigen Untersuchungen haben wir inzwischen ein ungefähres Bild davon, welche Strukturen sich unter der heutigen Geländeoberfläche verbergen könnten. Mit der Grabung können wir diese Interpretationen nun erstmals unmittelbar im Boden überprüfen und mit archäologischen Befunden und Funden datieren und interpretieren“, erklärt Dr. Anne Köhler vom Institut für Geographie der Universität Leipzig.
Für die Grabung wurde gezielt ein kleiner Bereich des Bodendenkmals geöffnet. Im Fokus stehen der innere Aufbau des Burgwalls sowie die angrenzenden Gräben. Die Forscher wollen klären, wie die Anlagen konstruiert wurden, welche Nutzungsphasen sich nachweisen lassen und wann diese entstanden.
Sedimente liefern Hinweise auf die Landschaftsgeschichte
Neben den archäologischen Befunden spielt die Analyse der Sedimente eine zentrale Rolle. Ausgewählte Bodenproben werden sedimentologisch, geochemisch und paläoökologisch untersucht. Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Ablagerungen auf natürliche Prozesse zurückgehen und welche durch menschliche Eingriffe entstanden sind.
Darüber hinaus wird das bei der Grabung gewonnene Material systematisch gesiebt und geschlämmt. Auf diese Weise lassen sich auch kleinste Funde und organische Reste nachweisen. Bereits geborgene Keramikfragmente, Schlacken und Tierknochen versprechen zusätzliche Einblicke in die Nutzung des Platzes und die Lebensbedingungen seiner ehemaligen Bewohner.
Moderne Methoden ergänzen die Ausgrabung
Die Grabungen werden durch geoarchäologische und geophysikalische Untersuchungen begleitet. Dazu gehören Direct-Push-Sondierungen mit einer Farbsonde, die Sedimentschichten direkt im Untergrund hochauflösend erfasst. Die Methode hilft dabei, die punktuellen Ergebnisse der Grabung mit den großflächigen Daten früherer Prospektionen zu verbinden.
„Gerade die Verbindung von Archäologie, Geoarchäologie und modernen Erkundungsmethoden eröffnet uns die Möglichkeit, den Burgwall nicht isoliert zu betrachten. Wir möchten verstehen, wie sich menschliche Nutzung und natürliche Landschaftsentwicklung gegenseitig beeinflusst haben und warum gerade dieser Standort für die Anlage und Nutzung des Burgwalls gewählt wurde“, sagt Prof. Dr. Christoph Zielhofer von der Universität Leipzig.
Beitrag zur Geschichte der Unteren Havel
Nach Abschluss der Feldarbeiten werden Funde, Sedimentproben und Geländedaten umfassend ausgewertet. Die Ergebnisse sollen ein genaueres Bild der Besiedlungs- und Landschaftsgeschichte des Pilatsch liefern und den Fundplatz in die langfristige Entwicklung der Unteren Havelregion einordnen.
Zugleich verspricht das Projekt neue Erkenntnisse darüber, wie Menschen Fluss- und Auenlandschaften in der Vergangenheit nutzten, veränderten und an ihre Bedürfnisse anpassten.
Quelle: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum