Grabungen legen Hundeführer-Bereich am KZ Dachau frei

Archäologische Untersuchungen auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau haben mindestens 35 Hundezwinger der SS-Wachmannschaften freigelegt. Zudem verweisen neue Recherchen auf die Lage der Krematoriumsverwaltung in diesem Bereich.

Entlang einer alten, verwitterten Mauer liegen mehrere, quadratische Betonfundamante. Der Beton ist teilweise angehoben oder beschädigt. Am linken Bildrand lehnen zwei Grabungswerkzeuge an der Mauer. Im mittleren Bereich stehen mehrere Eimer und ein Sonnenschirm spendet Schatten.
Die Zwingerböden im Hundeführerbereich der KZ-Gedenkstätte Dachau© Valeska Becker / Universität Münster
Archäologische Sondierungs- und Forschungsgrabungen im Vorfeld der Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Dachau haben zahlreiche gut erhaltene Relikte des ehemaligen Hundeführer-Bereichs freigelegt. Unmittelbar neben dem früheren Krematoriumsbereich kamen die Überreste von mindestens 35 Hundezwingern der SS-Wachmannschaften zutage.
Die Grabungen wurden vom Staatlichen Bauamt Freising veranlasst und vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) fachlich begleitet. Eine zusätzliche wissenschaftliche Lehr- und Forschungsgrabung führte ein Team der Universität Münster im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Dachau in Abstimmung mit dem BLfD durch.

Neue Erkenntnisse zur Krematoriumsverwaltung

Neue Recherchen ergaben zudem, dass sich in dem untersuchten Areal die Krematoriumsverwaltung befand. Sie organisierte und dokumentierte die systematische Verbrennung und Beseitigung der Leichen. An mehreren Stellen legten die Archäologen Ascheschichten frei, die mit Schlacken und Knochenfragmenten durchsetzt waren. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich dabei um menschliche Überreste aus den Öfen des Krematoriums handelt.
 
Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, ordnet die Funde wie folgt ein:
„Die bei den jüngsten archäologischen Grabungen freigelegten Fundamente des Hundeführerbereichs erweitern unsere Erkenntnisse zu den von der SS abgerichteten Hunden, die zur Bewachung und Einschüchterung eingesetzt wurden und bei den KZ-Häftlingen gefürchtet waren. Der Krematoriumsbereich und der Hundeführerbereich bildeten als Orte des Terrors eine enge funktionale Einheit. Die sensiblen Funde menschlicher Überreste erfordern im bereits begonnenen engen Austausch mit den Erinnerungsgemeinschaften einen behutsamen Umgang. Die KZ-Gedenkstätte Dachau befasst sich mit der Frage, wie dem sensiblen Befund künftig angemessen Rechnung getragen, das Areal als Erinnerungsort erschlossen und der Opfer an diesem Ort gedacht werden kann.“

Hundestaffel seit 1942 nachweisbar

In unmittelbarer Umgebung der Krematorien richtete die SS ab 1942 eine eigene Hundestaffel ein. Die Hunde wurden zur Bewachung und Einschüchterung der Häftlinge eingesetzt. Ihr Einsatz ist durch zahlreiche Text- und Bildzeugnisse ehemaliger KZ-Häftlinge überliefert.
Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, betont die große Notwendigkeit von zeitgeschichtlicher Archäologie:
„Je leiser die Zeitzeugen werden, desto wichtiger wird die Rolle der Archäologie, um die Schauplätze von Zwang und Vernichtung des NS-Regimes zu erschließen und den richtigen Umgang damit zu ermöglichen. Dachau zeigt nun einmal mehr, dass die Auswertung von Bild- und Textquellen allein keine vollständigen Ergebnisse liefert. Es kommt darauf an, alle Überlieferungen zusammenzuführen. Der Boden wird damit zum letzten und unbestechlichen Zeugen der NS-Verbrechen.“

Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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