Archäologen haben in Aschaffenburg das erste Drittel einer außergewöhnlich gut erhaltenen
Holzkonstruktion aus der Eisenzeit geborgen. Die Eichenbalken wurden zwischen 372 und 352 v. Chr. gefällt und gehören zu einem Bauwerk, das aufgrund seines Alters, seiner Konstruktion und seines Erhaltungszustands deutschlandweit als außergewöhnlich gilt.
Selbst für den Laien erkennbar ist die hohe Qualität und Komplexität des Bauwerks.
© Björn Friedrich
Die rund 200 bis 250 Kilogramm schweren und drei bis vier Meter langen Balken wurden in einem aufwendigen Verfahren freigelegt und mittels Kran aus der Baugrube gehoben. Anschließend bereiteten Restauratoren die Hölzer für die Nasslagerung vor. Künftig sollen 3D-Laserscans eine präzise Dokumentation jedes einzelnen Bauteils ermöglichen. An den Balken sind noch deutlich Bearbeitungsspuren eisenzeitlicher Werkzeuge wie Beile und Dechseln erkennbar. Sie liefern bereits wichtige Hinweise auf die damaligen Handwerkstechniken.
Nach ihrer Bergung wurden Hölzer gesäubert.
© Björn Friedrich
Wozu diente die Anlage?
Der ursprüngliche Zweck des Bauwerks ist bislang ungeklärt. Die Forscher gehen derzeit davon aus, dass die Anlage den Zugang vom Main zu einer darüber liegenden Siedlung sicherte. Vor der eigentlichen Konstruktion aus Trockenmauern und Holzbalken befand sich zudem eine hölzerne Plattform am Flussufer.
„Wozu die Anlage diente, wissen wir noch nicht. Wir vermuten, dass es den Zugang vom Main hinauf zur Siedlung schützte. Unmittelbar vor dem großen Bauwerk aus Trockenmauern und einer aufwendigen Holzbalkenkonstruktion lag zum Fluss hin eine hölzerne Plattform. Vielleicht legten hier Boote an, wurden Waren und Lasten aus- und umgeladen“, sagt Dr. Stefanie Berg, Leiterin der Abteilung Bodendenkmalpflege am BLfD.
Zeugnis komplexer Bauplanung
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Errichtung der Anlage erhebliche Ressourcen erforderte. Die Konstruktion wurde offenbar gezielt an den feuchten Untergrund angepasst und zeugt von einem hohen Maß an technischem und handwerklichem Wissen.
Dr. Stefanie Berg: „Ein solches Bauwerk entstand nicht nebenbei. Es brauchte viele Menschen, eine gute Planung und viel Arbeit. Die Eichen wurden im Spessart gefällt, bearbeitet und ebenso wie das Steinmaterial auf dem Main bis hierhin transportiert. Vor Ort errichtete man die Trockenmauern und passte die schweren Balken genau in die Konstruktion ein. Das Bauwerk dürfte vom Main aus weithin sichtbar gewesen sein. Es machte deutlich: Hier oben liegt ein bedeutender Ort. Und einer, den seine Bewohner zu schützen wussten.“
Neue Erkenntnisse zur Eisenzeit
Die Ausgrabung liefert wichtige Informationen zur Holzbautechnik der Eisenzeit und zur Entwicklung bedeutender Siedlungsstandorte am Main. Archäologen, Bauforscher, Geoarchäologen, Archäobotaniker und Restauratoren untersuchen derzeit Konstruktion, Umweltbedingungen und Fundmaterial. Weitere naturwissenschaftliche Analysen stehen noch aus.
In einem Wasserbecken werden die Balken von den Wissenschaftlern weiter untersucht und für die künftige wissenschaftliche Aufarbeitung konserviert.
© Björn Friedrich
Fest steht jedoch bereits jetzt: Die Errichtung der Anlage erforderte die Mobilisierung von Arbeitskräften, Baumaterial und spezialisiertem handwerklichem Wissen in erheblichem Umfang. Dies unterstreicht die Bedeutung der Siedlung vor rund 2500 Jahren.
Langfristig sollen ausgewählte Balken und Teile der Steinmauer konserviert und im Stiftsmuseum Aschaffenburg präsentiert werden.
Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege