In Rödinghausen-Schwenningdorf untersuchen Archäologen derzeit den zentralen Bereich einer rund 2.000 Jahre alten Siedlung. Nachdem ein vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) begleitetes Grabungsteam die Fundstelle bereits im Frühjahr entdeckt und ihre Ausdehnung erfasst hatte, konzentrieren sich die Arbeiten nun auf den eigentlichen Siedlungskern.
Dort, wo künftig vier Bauplätze entstehen sollen, konnten zahlreiche Hausgrundrisse aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. nachgewiesen werden. Die Befunde liegen dicht beieinander und zeichnen das Bild einer über längere Zeit genutzten Siedlung.
Hausgrundrisse und Münzfund erlauben präzisere Datierung
Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit den Pfostenspuren der ehemaligen Holzbauten. Anhand von Form, Größe, Tiefe, Lage und Verfüllung lassen sich einzelne Gebäude rekonstruieren. Die Häuser waren überwiegend in Ost-West-Richtung ausgerichtet, etwa sechs bis acht Meter breit und teilweise mehr als 20 Meter lang.
Ein Münzfund aus einem der Gebäude könnte dabei helfen, die Nutzung eines Hausgrundrisses genauer zu datieren. Für eine sichere zeitliche Einordnung muss die Münze jedoch zunächst restauriert werden.
Mehrere Bauphasen deuten auf lange Siedlungsgeschichte hin
Die Ausgrabungen zeigen außerdem, dass sich verschiedene Hausgrundrisse gegenseitig überlagern. Dies spricht für mehrere Bauphasen und dafür, dass die Siedlung über einen Zeitraum von mindestens 100 bis 150 Jahren bestand.
Die von links nach rechts verlaufenden Pfostenreihen liegen dicht beieinander. Hier überschneiden sich die Spuren mehrerer Häuser, die sich zeitlich ablösten.
© LWL/A. Koch
Weitere Hinweise zur Datierung erhoffen sich die Forscher von den zahlreichen Keramikfunden. Die Scherben werden derzeit gereinigt, zusammengesetzt und anschließend den einzelnen Gebäuden zugeordnet. Erst danach lässt sich die Entwicklung der Siedlung genauer nachvollziehen.
Teil einer größeren Siedlungslandschaft
Die Fundstelle ist zwar die bislang älteste nachgewiesene Siedlung im heutigen Rödinghausen, steht jedoch nicht isoliert. Sie gehört zu einer Reihe ähnlicher Kleinsiedlungen, die in den ersten Jahrhunderten n. Chr. das Herforder Hügelland prägten.
Günstige Böden sowie die Nähe zu Quellen und Fließgewässern bestimmten damals die Standortwahl solcher Hofstellen, die meist aus wenigen Gehöften bestanden. Viele dieser Plätze sind bislang nur durch ältere Fundmeldungen bekannt oder wurden lediglich punktuell untersucht. Die aktuellen Grabungen ermöglichen daher einen besonders detaillierten Einblick in die Siedlungsstruktur dieser Zeit.
Die wissenschaftliche Auswertung der Funde wird in den kommenden Jahren auch in ein Akademieprojekt einfließen, das gemeinsam mit den Universitäten Bochum und Göttingen durchgeführt wird.
Führung zum Tag des offenen Denkmals
Am 13. September können Interessierte die Grabung im Rahmen des Tags des offenen Denkmals besuchen. Um 15 Uhr informiert das Grabungsteam vor Ort über die bisherigen Ergebnisse. Treffpunkt ist der Wendehammer des Adlerwegs in Rödinghausen-Schwenningdorf. Festes Schuhwerk und wettergerechte Kleidung werden empfohlen. Die Grabungsschnitte dürfen aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden.
Die Erschließungsarbeiten für das neue Baugebiet „Habichtweg“ sollen anschließend im September beginnen.
Quelle: LWL