Eine spanisch-ägyptische archäologische Mission hat im sogenannten „Friedhof von Mariette“ nördlich von Sakkara ein Grab aus der späten 5. Dynastie freigelegt. Die Anlage datiert in die Regierungszeit des altägyptischen Königs Djedkare Isesi und erweitert das Wissen über die Nekropole von Sakkara sowie über die Rolle hochrangiger Beamter im Alten Reich.
Doppelgrab eines Beamten und seines Vaters
Die entdeckte Mastaba umfasst eine mittelgroße Plattform mit zwei Grabkapellen. Die nördliche Hauptkapelle gehörte einem Mann namens Yeonmin, der mehrere bedeutende Verwaltungsämter innehatte. Zu seinen Titeln zählten Richter, Gerichtsdirektor und Hauptsekretär für die Bearbeitung von Petitionen und Beschwerden.
Die südliche Kapelle war seinem Vater Eti gewidmet. Dieser bekleidete religiöse Ämter im Zusammenhang mit der Verwaltung landwirtschaftlicher Besitztümer und Opfergaben.
Hochwertige Reliefs mit erhaltenen Farben
Bei den Ausgrabungen wurden die architektonische Fassade der Grabanlage sowie zahlreiche Inschriften freigelegt. Sie enthalten unter anderem eine Opferformel und Darstellungen des Grabinhabers in festlicher Kleidung.
© Ministerium für Tourismus und Altertümer Ägypten
Besonders bemerkenswert sind die Reliefs in der Kapelle Yeonmins. Sie zeigen verschiedene landwirtschaftliche Arbeiten sowie Prozessionen mit Opfergaben. Zahlreiche Darstellungen haben ihre ursprünglichen Farben bewahrt und vermitteln einen Eindruck vom hohen künstlerischen Niveau der Epoche.
© Ministerium für Tourismus und Altertümer Ägypten
Die Kapelle Etis verfügt über eine Scheintür und farbige Wanddekorationen mit Opferszenen. Ein Großteil dieser Ausstattung ist jedoch im Laufe der Zeit verloren gegangen.
Wissenschaftlich erstmals umfassend untersucht
Nach Angaben der Forscher war die Mastaba zwar bereits seit den Arbeiten des französischen Archäologen Auguste Mariette im 19. Jahrhundert bekannt. Eine systematische Ausgrabung und vollständige wissenschaftliche Dokumentation hatte bislang jedoch nicht stattgefunden.
Die aktuelle Entdeckung besitzt daher besondere Bedeutung. Sie liefert nicht nur neue Informationen zur Architektur und Ausstattung von Gräbern der späten 5. Dynastie, sondern auch zu den administrativen und religiösen Funktionen der damaligen Eliten.
Dokumentation und Erhaltungsmaßnahmen
Die Forschungsmission, ein gemeinsames Projekt der Autonomen Universität Barcelona und des Obersten Rates für Altertümer Ägyptens, hat die Ausgrabung und wissenschaftliche Dokumentation der beiden Grabkapellen abgeschlossen.
Derzeit werden Maßnahmen zur Konservierung, Restaurierung und langfristigen Sicherung der freigelegten architektonischen und dekorativen Elemente umgesetzt, um deren Erhalt für zukünftige Forschungen zu gewährleisten.
Quelle: Ministerium für Tourismus und Altertümer Ägyptens