Ausgrabungen auf Zypern belegen frühere Besiedlung der bronzezeitlichen Hafenstadt Hala Sultan Tekke

Bei den Ausgrabungen 2026 in Hala Sultan Tekke auf Zypern wurden erstmals stratigraphisch gesicherte Siedlungsschichten aus dem 15. bis 17. Jahrhundert v. Chr. freigelegt. Architektonische Reste und charakteristische Keramikfunde liefern neue Erkenntnisse zur frühen Besiedlung der späteren Handelsmetropole.

Luftaufnahme einer archäologischen Ausgrabungsstätte mit freigelegten Mauerresten und rechteckigen Strukturen. Die Mauern bestehen aus hellen Steinen und bilden mehrere aneinandergrenzende Räume. Im unteren Bereich verläuft eine Maßstabsleiste mit schwarz-weißen Segmenten und einer Längenangabe von 10 Metern. Links oben befindet sich ein Richtungspfeil.
Hala Soultan Tekke. Stadtviertel 1 mit Besiedlungsschichten aus dem 17. bis 12. Jahrhundert v. Chr.© Republik Zypern
Die Ausgrabungssaison 2026 in Hala Sultan Tekke auf Zypern hat erstmals stratigraphisch gesicherte Siedlungsschichten aus dem 15. bis 17. Jahrhundert v. Chr. erbracht. Die Funde umfassen architektonische Überreste und charakteristische Keramikensembles und geben neue Einblicke in die frühe Entwicklung der späteren Hafen- und Handelsstadt.
Die Grabungen wurden im Februar, Mai und Juni 2026 von einem internationalen Team unter Leitung von Peter M. Fischer (Universität Göteborg) und Teresa Bürge (Universitäten Göteborg und Bern) durchgeführt. Die Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf Stadtviertel 1 der Siedlung sowie auf ergänzende Arbeiten im Gräberfeld.
Zwei Ansichten eines kleinen, länglichen Keramikgefäßes in Form eines stilisierten Tieres mit Hörnern und einem Henkel auf dem Rücken. Die Oberfläche zeigt ein Muster aus hellen und dunklen Streifen. Unterhalb der Abbildungen befindet sich eine Maßstabsleiste mit einer Einteilung von 0 bis 10 cm.
Rinderfigur (Rhyton), 1350–1300 v. Chr. aus dem Grabungsbereich Stadtviertel 1 © Republik Zypern

Bedeutendes Zentrum der Bronzezeit

Hala Sultan Tekke gilt mit einer Ausdehnung von bis zu 50 Hektar als die größte bekannte bronzezeitliche Fundstätte Zyperns. Die Stadt entstand spätestens im 17. Jahrhundert v. Chr. am Übergang von der mittleren zur späten Bronzezeit und bestand rund fünf Jahrhunderte, bevor sie um 1150 v. Chr. zerstört und aufgegeben wurde.
Archäologische Befunde belegen eine umfangreiche Kupferverarbeitung innerhalb der Stadt. Zu den Funden zählen Schlackenhalden, Kupfererz, Öfen und Tiegel. Das Kupfererz stammte aus dem Troodos-Gebirge, wurde vor Ort verarbeitet und über den geschützten Hafen exportiert. Im 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich Hala Sultan Tekke zu einem wichtigen Handelszentrum im östlichen Mittelmeerraum.
Darauf weisen auch zahlreiche Importfunde hin. Sie stammen aus einem weit verzweigten Netzwerk, das Regionen von Sardinien bis Afghanistan und Indien sowie vom Baltikum bis nach Nubien umfasste. Diese Funde werden als Hinweis auf weitreichende Handelskontakte der Stadt gewertet.

Älteste Stadtschichten erstmals eindeutig nachgewiesen

Frühere Grabungskampagnen hatten vor allem städtische Überreste aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. freigelegt. Zwar waren bereits vereinzelt Keramikscherben aus der späten Mittelbronzezeit und frühen Spätbronzezeit entdeckt worden, sie standen jedoch nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit zeitgleichen Siedlungsschichten.
Die Kampagne von 2026 brachte nun erstmals stratigraphisch gesicherte architektonische Überreste und Keramik aus dem 15. bis 17. Jahrhundert v. Chr. zutage. Sie gehören zu den Schichten 4 bis 6 der stratigraphischen Abfolge der Fundstätte.

Keramikfunde dokumentieren die frühe Entwicklung der Siedlung

In Schicht 4 fanden die Archäologen charakteristische Keramikformen der frühen Spätbronzezeit. Dazu zählen White Slip I Ware, Base-Ring I Ware, zweifarbige Keramik sowie Black Slip Ware und Red Slip Ware. Als Importfunde wurden bislang lediglich anatolische, rotglänzende Spindelflaschen identifiziert.
Auffällig ist, dass ägäische beziehungsweise mykenische Keramik in diesen Schichten vollständig fehlt. Dies entspricht früheren Beobachtungen, wonach Importe aus dem mykenischen Kulturraum ihren Höhepunkt erst im 14. und frühen 13. Jahrhundert v. Chr. erreichten.
Die Schichten 5 und 6 unterscheiden sich deutlich. Keramiken der Typen White Slip I und Base-Ring I treten hier kaum auf. Stattdessen dominieren Gefäßformen wie Rot-auf-Rot-, Rot-auf-Schwarz- und Weiß-Bemalt-IV-VI-Keramik, die typischerweise mit dem Übergang von der mittleren zur späten Bronzezeit verbunden werden.

Hinweise auf die Anfänge der Stadt

Die Zusammensetzung der Keramikensembles liefert nach Einschätzung des Forschungsteams wichtige Hinweise auf die bislang früheste nachgewiesene Besiedlung von Hala Sultan Tekke. Zugleich trägt sie dazu bei, den chronologischen Rahmen der frühen Entwicklung des Ortes vor seiner späteren Urbanisierung genauer zu bestimmen.
Neben den Ausgrabungen kamen auch bioarchäologische Untersuchungen sowie moderne Verfahren der zwei- und dreidimensionalen Dokumentation und zerstörungsfreie Materialanalysen zum Einsatz. Die Ergebnisse erweitern das Wissen über die Entstehungsphase einer Siedlung, die sich in den folgenden Jahrhunderten zu einem der bedeutenden urbanen und wirtschaftlichen Zentren des bronzezeitlichen Mittelmeerraums entwickelte.

Quelle: Republik Zypern

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