In der Chauvet-Höhle im Südosten Frankreichs befinden sich einige der ältesten bekannten Kunstwerke der Welt. Ein Forscherteam hat nun eine zerstörungsfreie Methode eingesetzt, um die Höhlenwände und die darauf erhaltenen Zeichnungen genauer zu untersuchen. Im Mittelpunkt standen Mineralablagerungen, die sich im Laufe der Zeit auf den mit Holzkohle ausgeführten Darstellungen gebildet haben.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift ACS Omega veröffentlicht.
Zerstörungsfreie Untersuchung der Höhlenwände
Die rund 37.000 Jahre alten Darstellungen zeigen unter anderem Höhlenbären, Höhlenlöwen, Bisons und Pferde. Nachdem ein Felssturz den Höhleneingang verschlossen hatte, blieben die Bilder bis zu ihrer Wiederentdeckung in den 1990er-Jahren verborgen.
Um die empfindlichen Höhlenwände nicht zu beschädigen, nutzten die Forscher UV-Fluoreszenzspektroskopie. Mit dieser Methode lassen sich Mineralablagerungen sichtbar machen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Wegen empfindlicher prähistorischer Fußabdrücke vor der Wand wurde ein tragbares Spektrometer aus etwa 2,5 Metern Entfernung auf einem Schutzsteg eingesetzt.
Ein UV-Lichtstrahl wurde auf die Wand gerichtet. Die dadurch ausgelöste Fluoreszenz von Mineralablagerungen und Pigmenten erfasste das Spektrometer und wertete sie aus.
„Wir untersuchen jedes einzelne Beweisstück, um die Techniken prähistorischer Künstler zu entschlüsseln und zu verstehen, wie die Gemälde über die Jahrhunderte erhalten geblieben sind.“ So Philippe Walter, Forschungsdirektor am CNRS des Labors für Molekulare und Strukturelle Archäologie der Sorbonne-Universität und Mitautor der Studie
Kalzitschichten auf den Zeichnungen nachgewiesen
Die Analyse zeigte, dass mineralhaltiges Wasser über Teile der Kalksteinwand geflossen war. Dabei entstanden dünne Kalzitschichten, die unter UV-Licht blau fluoreszierten. Auf diese Weise konnten die Forscher einen natürlichen Überzug sichtbar machen, der Bereiche der Zeichnungen bedeckt.
Darüber hinaus wurden stellenweise orange fluoreszierende Bereiche festgestellt. Nach Einschätzung des Forschungsteams könnten diese Spuren mit glühender Holzkohle oder anderen brennenden Materialien zusammenhängen, die bei der Anfertigung der Bilder verwendet wurden.
Hinweise auf die Erhaltung der Höhlenkunst
Die nachgewiesenen Kalzitablagerungen belegen, dass sich auf Teilen der Kunstwerke ein natürlicher mineralischer Überzug gebildet hat. Die Forscher sehen darin einen möglichen Faktor für die außergewöhnliche Erhaltung der Zeichnungen über Jahrtausende.
Nach Angaben des Teams könnte die eingesetzte Methode künftig auch außerhalb der Archäologie Anwendung finden, etwa bei der Überwachung von Biofilmen auf der Internationalen Raumstation. Entsprechende Untersuchungen laufen bereits.
Quelle: American Chemical Society (ACS)
Publikation
Yohan Boulard, Thiéry Guillou, Carole Fritz, Gilles Tosello, Maguy Jaber, Philippe Walter; In Situ Ultraviolet Fluorescence Spectroscopy for the Characterization of Translucent Calcite Coatings over Prehistoric Cave Art. ACS Omega 13 October 2026; 11 (40): 60980–60990. https://doi.org/10.1021/acsomega.6c05061