Bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Kibyra in der türkischen Provinz Burdur haben Archäologen Fragmente mehrerer römischer Marmorstatuen freigelegt. Zu den bedeutendsten Funden zählt eine Statue des Kaisers Hadrian, die nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wieder zusammengesetzt und aufgerichtet werden konnte.
Die etwa 2,14 Meter hohe Skulptur entstand vermutlich um 130 n. Chr. und gehört zu den seltenen weitgehend vollständig erhaltenen Darstellungen des Kaisers in Anatolien. Neben Hadrian konnten die Forscher auch eine Statue seiner Gemahlin Sabina identifizieren.
Vier Marmorstatuen am monumentalen Stadttor entdeckt
Die Funde stammen aus dem Bereich des monumentalen Stadteingangstores von Kibyra, einem der wichtigsten Bauwerke der antiken Stadt. Dort wurden Fragmente von insgesamt vier Marmorstatuen entdeckt, die ursprünglich im oberen Bereich des Bauwerks aufgestellt gewesen sein dürften.
Nach Angaben des Ausgrabungsleiters Prof. Dr. Şükrü Özüdoğru wurden während verschiedener Grabungskampagnen insgesamt rund 20 Fragmente freigelegt, darunter Arme, Beine, Füße und mehrere Köpfe. Die Skulpturen wurden wahrscheinlich beim Erdbeben von 417 n. Chr. zerstört, als sie aus großer Höhe herabstürzten.
Porträtkopf ermöglichte Identifizierung Hadrians
Von besonderer Bedeutung war der Fund eines gut erhaltenen Porträtkopfes, der eindeutig Kaiser Hadrian zugeordnet werden konnte. Die Forscher stellten fest, dass der Kopf zu einem bereits zuvor geborgenen gepanzerten Statuenkörper gehörte. Dadurch ließ sich die Statue weitgehend rekonstruieren und wieder aufstellen.
Aufwendige Rüstung mit Löwen- und Adlerreliefs
Die Statue wurde aus hochwertigem Marmor aus den Regionen Afyon-Döğer und İscehisar gefertigt. Hadrian ist in militärischer Darstellung gezeigt. Besonders auffällig sind die kunstvoll gearbeiteten Reliefs auf der Brustpanzerung, darunter Löwen- und Adlerfiguren.
Diese Details sowie die charakteristischen Porträtmerkmale bestätigen nach Einschätzung der Forscher die Identifizierung der Statue und machen sie zu einem wichtigen Beispiel kaiserlicher Repräsentationskunst in Anatolien.
Auch Kaiserin Sabina nachgewiesen
Unter den vier identifizierten Skulpturen befindet sich auch eine Statue von Kaiserin Sabina, der Ehefrau Hadrians. Darüber hinaus wurden eine weitere gepanzerte Kaiserstatue, eine weibliche Skulptur sowie ein männlicher Statuenkopf entdeckt.
Von einigen Werken fehlen noch einzelne Teile. Die Archäologen gehen davon aus, dass weitere Fragmente bei künftigen Grabungen gefunden werden könnten.
Möglicher Zusammenhang mit einem Kaiserbesuch
Die Statuen werden in die Regierungszeit Hadrians (117 bis 138 n. Chr.) datiert. Nach Ansicht der Forscher könnten sie im Vorfeld eines geplanten oder erwarteten Besuchs des Kaisers in Anatolien aufgestellt worden sein. Ob Hadrian selbst tatsächlich nach Kibyra reiste, ist bislang jedoch nicht belegt.
Präsentation im Museum geplant
Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten sollen die vier Skulpturen gemeinsam im Burdur-Museum ausgestellt werden. Die Funde liefern neue Erkenntnisse über die Bedeutung Kibyras während der römischen Kaiserzeit und über die Selbstdarstellung kaiserlicher Herrschaft in den Städten Anatoliens.
Quelle: Yükseköğretim Kurulu Bilgi İşlem Daire Başkanlığı