Bei Ausgrabungen in Pompeji haben Archäologen die Überreste eines Schranks aus dem Haus IX 11,7 an der Via dell'Abbondanza untersucht. Das Möbelstück ließ sich anhand der Grabungsdaten rekonstruieren. Es stand in einem Haus im Zentrum der Stadt, das aufgrund heute verlorener Inschriften traditionell mit einem Cornelius Maximus in Verbindung gebracht wird.
Im Schrank befanden sich zahlreiche Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Dazu gehören Kosmetikutensilien wie eine Pinzette und ein Härtestab, ein Glasbalsamarium, ein Weihrauchgefäß, eine Bronzelampe sowie Bleigewichte. Die Gewichte lagen in einer Holzkiste, von der nur geringe Spuren erhalten geblieben sind. Außerdem fanden sich Gefäße aus Bronze, Glas und Keramik.
Amulettkette mit 24 Anhängern
Zu den bemerkenswertesten Objekten zählt eine Halskette mit mindestens 24 Miniaturanhängern aus Fayence, Knochen, Glaspaste und Bergkristall.
Raum B, Crepundia zum Zeitpunkt der Ausgrabung des Schranks
© Archäologischer Park Pompeji
Die Anhänger zeigen unter anderem die Gottheiten Bes und Merkur sowie Hände, Füße, Pinienzapfen und Weintrauben.
Die Kette wird als sogenanntes
Crepundium angesprochen. Solche Amulettketten erhielten Kinder als Schutzamulette; zugleich machten sie deren Bewegungen hörbar. Aus antiken Kontexten ist bekannt, dass solche Objekte mitunter bis ins Erwachsenenalter aufbewahrt wurden. Daher wird auch für den Fund aus Pompeji eine Funktion als Erinnerungsstück in Betracht gezogen.
Detailansicht eines der Anhänger in Form eines geflügelten Schuhs zum Zeitpunkt der Ausgrabung.
© Archäologischer Park Pompeji
38 Bronzemünzen in geflochtenem Behälter
Zum Inventar des Schranks gehörte außerdem eine Cistella, ein kleiner Behälter aus Pflanzenmaterial. In ihr wurden 38 Bronzemünzen gefunden.
Dass die Münzen und weitere persönliche Gegenstände im Haus zurückblieben, könnte darauf hindeuten, dass ihre Besitzer sie vor dem Vesuvausbruch nicht mehr bergen konnten. Was mit den Bewohnern geschah, lässt sich jedoch nicht feststellen.
Raum B, Bronze-Münzhaufen zum Zeitpunkt der Ausgrabung.
© Archäologischer Park Pompeji
„Pompeji ist nicht nur ein Ort großer Kunstwerke, sondern auch ein Ort, an dem selbst die alltäglichsten Gegenstände die menschliche Dimension der Vergangenheit vermitteln. Der Wert dieser Entdeckung liegt in der Möglichkeit, die vielfältigen Spuren eines gemeinsamen Lebens zu deuten: persönliche Gewohnheiten, Arbeit, Erinnerungen. Wir können die Identität der Hausbewohner nicht mit Sicherheit rekonstruieren, aber diese Fragmente bringen uns ihrem Alltag näher“, sagt Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Archäologischen Parks.
Neues Wissen über das Haus IX 11,7
Die Fassade des Hauses war bereits 1912 freigelegt worden. Erst im Zuge eines Restaurierungs- und Erschließungsprojekts für die benachbarte Insula dei Casti Amanti wurden nun weitere Räume untersucht. Zu den Befunden gehören Wandmalereien des Vierten Stils in dem Raum, in dem der Schrank stand. Sie werden einer Werkstatt aus der Via di Castricio zugeschrieben und weisen auf eine aufwendige Ausstattung des Hauses hin.
Daneben zeigen die Ausgrabungen, dass zum Zeitpunkt des Vesuvausbruchs Bauarbeiten stattfanden. Diese dürften die Nutzung des Gebäudes zumindest teilweise beeinträchtigt haben.
Mäusefunde aus einer Amphore
In einer Amphore auf einem Zwischengeschoss entdeckten die Archäologen zudem die Überreste von mindestens zwei Mäusen. Untersuchungen des Parklabors ergaben, dass die Tiere wahrscheinlich der Art Apodemus sylvaticus (Waldmaus) zuzuordnen sind.
Die beiden Exemplare waren noch nicht ausgewachsen. Darauf weisen insgesamt 117 untersuchte Skelettfragmente hin. Der Fund ergänzt weitere Nachweise von Nagetieren aus den Vesuvstädten, darunter Funde aus der Vorstadtvilla Civita Giuliana und aus der Kanalisation von Herculaneum. Er belegt die Anwesenheit solcher Tiere auch in den Wohn- und Lagerräumen der antiken Städte.
Quelle: Archäologischer Park Pompeji