Seit 2024 untersuchen die hessenARCHÄOLOGIE und das provinzialrömische Seminar der Universität Frankfurt den Vicus des Römerkastells Kapersburg im östlichen Taunus. Die jüngsten Grabungen haben einen römischen Tempel, zwei Weihesteine sowie Spuren handwerklicher Tätigkeiten und einer späteren Nutzung des Areals zutage gebracht.
Das Kastell Kapersburg gehört zu den besterhaltenen Kastellen des Obergermanisch-Raetischen Limes in Hessen. Rund 150 Jahre lang war dort die römische Auxiliareinheit Numerus Nidensium stationiert, deren Name auf das antike Nida im heutigen Frankfurt-Heddernheim verweist. In der Mitte des 3. Jahrhunderts wurde das Kastell im Zusammenhang mit dem sogenannten Limesfall aufgegeben.
Frühere archäologische Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf das Kastell selbst. Die aktuellen Grabungen richten den Blick dagegen auf den angrenzenden Vicus, in dem die Archäologen auf außergewöhnlich gut erhaltene Schichten treffen.
Waldboden bewahrte archäologische Schichten
Die Lage in den bewaldeten Ausläufern des Taunus hat die archäologischen Strukturen vor tiefgreifenden Eingriffen durch die Landwirtschaft geschützt. Teilweise beginnen die erhaltenen Schichten nur wenige Zentimeter unter dem heutigen Waldboden.
Bezirksarchäologe und Limeskoordinator Dr. Kai Mückenberger beschreibt die Erhaltungsbedingungen so:
„Wir haben hier Erhaltungsschichten, die sonst in Hessen ihresgleichen suchen, weil hier eben keine Landwirtschaft drüber gegangen ist. Der Wald hat alles über die letzten Jahrhunderte konserviert und für uns weitestgehend so erhalten, dass wir Schichten finden, die sonst immer weg sind.“
Tempel für den Kriegsgott Mars
Zu den zentralen Befunden der aktuellen Grabung gehört ein römischer Tempel im Vicus. Das Heiligtum war mutmaßlich dem Kriegsgott Mars geweiht.
Neben den Gebäudestrukturen barg das Grabungsteam zwei Weihesteine und eine Statuette der Siegesgöttin Victoria. Hinzu kommen Fragmente einer weiteren Statue. Bei dieser könnte es sich um eine Darstellung des Mars gehandelt haben.
Einer der bedeutenden Funde aus dem Tempel: Eine Victoria-Statuette.
© LfDH
Die Inschriften der Weihesteine werden in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Markus Scholz von der Universität Frankfurt untersucht. Scholz hatte bereits die Inschrift eines im vergangenen Jahr entdeckten Weihesteins übersetzt. Dieser Fund befindet sich inzwischen im Wehrturm-Museum in Rosbach vor der Höhe.
Hinweise auf eine spätere Nutzung
Im Bereich des Tempels fanden die Archäologen außerdem eine spätantike Fibel und Fragmente handgemachter Keramik. Die Funde werden als Hinweis darauf interpretiert, dass das Areal auch nach dem Ende der römischen Nutzung des Limes aufgesucht oder genutzt wurde.
Klein aber von hohem wissenschaftlichen Wert: Die spätrömische Fibel gibt einen vollkommen neuen Einblick in die mögliche Dauer der Nutzung des Vicus.
© Lars Görze M.A., LfDH
Die Fundstücke werden mit den in der Wetterau ansässigen Alamannen in Verbindung gebracht. Ob sich weitere Spuren dieser späteren Nutzungsphase im Lagerdorf erhalten haben, ist bislang offen.
Schmiede und Wohnbebauung im Vicus
Weitere Befunde geben Aufschluss über die Entwicklung des Lagerdorfes während der römischen Zeit. Die Archäologen konnten umfangreiche Spuren handwerklicher Tätigkeiten feststellen, darunter den Bereich einer Schmiede.
Planierschichten werden dahingehend interpretiert, dass der Handwerksbereich im Zuge einer Neustrukturierung des Vicus eingeebnet und anschließend durch Wohnbebauung ersetzt wurde.
Auch Reste der römischen Straßenführung und Terrassierungen wurden nachgewiesen. Sie ermöglichen es dem Grabungsteam, Struktur und Ausdehnung des Lagerdorfes genauer zu erfassen.
Die Untersuchungen sollen damit weitere Aufschlüsse über die Entwicklung und Nutzung des Vicus liefern. Das Team um Dr. Kai Mückenberger und Grabungsleiter Manuel Pieper M.A. hofft, die Arbeiten gemeinsam mit Studierenden der Universität Frankfurt im kommenden Jahr fortsetzen zu können.
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Hessen