Mammutknochen aus Breitenbach: Neue Funde liefern Hinweise auf die Jagd von Mammuts

In Breitenbach wurden erstmals seit fast 100 Jahren wieder größere Ansammlungen von Mammutknochen freigelegt. Schnittspuren an den Funden und neue Elfenbeinfragmente deuten darauf hin, dass die Bewohner des altsteinzeitlichen Lagerplatzes Mammuts möglicherweise nicht nur als fossilen Rohstoff nutzten, sondern vor Ort erlegten.

Mehrere große, helle Knochenfragmente von der Fundstelle Breitenbach in Sachsen-Anhalt liegen auf einer gleichmäßig braunen Erdoberfläche. Die Knochen sind teilweise mit weißlichen Ablagerungen bedeckt und wirken brüchig. Die Fragmente sind unterschiedlich geformt und weisen teils abgerundete, teils kantige Enden auf.
Mammutknochen und -elfenbein fanden sich 2026 in Breitenbach in großer Zahl © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Marcel Weiß.
Bei Ausgrabungen in Breitenbach in Sachsen-Anhalt sind erstmals seit den Untersuchungen von 1927 wieder größere Ansammlungen von Mammutknochen freigelegt worden. Zu den Funden der Grabungskampagne 2026 gehören außerdem mehrere längere Stoßzahnfragmente und bearbeitete Elfenbeinstücke.
Die Fundstelle Breitenbach-Schneidemühle gilt mit einer Fläche von rund 10.000 Quadratmetern als die größte bekannte Freilandfundstelle des Aurignaciens in Westeurasien. Dieser Zeitabschnitt umfasst etwa die Jahre vor 42.000 bis 32.000 Jahren und gehört zu den frühen Phasen der Besiedlung Europas durch anatomisch moderne Menschen.

Eine der wichtigsten Freilandfundstellen des Aurignaciens

Entdeckt wurde der Fundplatz bereits 1924, nachdem bei Bauarbeiten ein Mammutzahn gefunden worden war. Drei Jahre später legte der Archäologe Nils Niklasson dort auf knapp 400 Quadratmetern erste größere Flächen frei.
Seit 2009 untersuchen das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt die Fundstelle erneut. Die bislang erforschte Fläche wurde dabei um mehr als 150 Quadratmeter erweitert.
Zu den bemerkenswerten Entdeckungen der vergangenen Jahre gehört ein Bereich mit zahlreichen Objekten aus Mammutelfenbein. Dort fanden die Archäologen unter anderem durchbohrte Perlen, Projektilspitzen, Fragmente plastischer Figuren sowie Herstellungsabfälle. Aufgrund dieser Funde wird das Areal als Werkstatt zur Elfenbeinbearbeitung interpretiert.

Neue Mammutfunde erweitern das Bild

Die aktuellen Ausgrabungen brachten erneut Mammutknochen und Elfenbeinreste ans Licht. Besonders wichtig sind größere Knochenansammlungen, die seit den Grabungen von 1927 nicht mehr dokumentiert worden waren.
»Untersuchungen der Vorjahre hatten angedeutet, dass das in Breitenbach genutzte Elfenbein wahrscheinlich deutlich älter ist als die rund 32.000 bis 34.000 Jahre alte Besiedlung durch den frühen modernen Menschen«, erläutert Dr. Olaf Jöris, Projektleiter seitens MONREPOS/LEIZA, »Diese jagten nämlich vor allem Rentiere, seltener Pferde, hin und wieder einen Rothirsch, sowie Füchse und Hasen, letztere wahrscheinlich zur Pelzgewinnung. Die neuen Befunde legen nun aber nahe, dass die Breitenbacher Jäger vielleicht doch nicht nur fossiles Elfenbein nutzten, sondern Mammute vor Ort erlegten.«
Zu den Befunden gehören nach Angaben der Forscher auch Schnittspuren an Mammutknochen. Sie werden als Hinweis darauf interpretiert, dass die Tiere als Nahrungsquelle genutzt wurden. Zudem könnten Elfenbein und Tierhäute als Rohstoffe für Geräte, Schmuck- und Kunstobjekte sowie für Bekleidung oder Zeltbahnen gedient haben.

Hinweise auf die Organisation eines altsteinzeitlichen Lagerplatzes

Breitenbach liefert darüber hinaus Einblicke in die räumliche Gliederung eines Freilandlagers aus dem Aurignacien. An der Fundstelle lassen sich verschiedene Tätigkeitsbereiche unterscheiden, darunter Zonen der Elfenbeinbearbeitung sowie Bereiche, die mit der Verarbeitung von Schneehasen- und Eisfuchsfellen in Verbindung gebracht werden.
»Aus einer Zeit, in der Fundplätze überwiegend aus Höhlen bekannt sind, ist ein Freilandfundplatz dieser Größe etwas ganz Besonderes, vor allem wenn die Funde so gut erhalten sind wie in Breitenbach. Daraus lassen sich ganz neue Erkenntnisse zur räumlichen Organisation der Lagerplätze damaliger Jäger und Sammler gewinnen. In Breitenbach gibt es etwa spezielle Bereiche der Elfenbeinbearbeitung oder der Verarbeitung von Schneehasen- und Eisfuchspelzen«, sagt Dr. Marcel Weiß, Projektleiter seitens des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.
 
An den Ausgrabungen 2026 beteiligten sich rund 40 Studierende aus dem In- und Ausland.
Die Forschungen in Breitenbach sind als langfristiges Projekt angelegt und werden gemeinsam von MONREPOS/LEIZA und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt durchgeführt.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

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