Leipzig-Möckern: Siedlung der Jungsteinzeit und ältestes bekanntes Grab im Stadtgebiet entdeckt

In Leipzig-Möckern haben Archäologen eine jungsteinzeitliche Siedlung mit mehreren Hausgrundrissen freigelegt. Besonders ist eine rund 7000 Jahre alte Körperbestattung: Sie gilt als das älteste bislang bekannte Grab im Leipziger Stadtgebiet.

Luftaufnahme der archäologischen Grabung in Leipzig-Möckern mit rechteckigen Grabungsflächen im Erdboden. Mehrere Personen arbeiten in den freigelegten Bereichen, einige tragen Schutzhelme. Im unteren Bildbereich steht ein gelber Bagger auf einer aufgewühlten Erdfläche. Die Szene zeigt unterschiedliche Bodenstrukturen und Spuren von Grabungsarbeiten.
Drohnenaufnahme der Ausgrabungsfläche Mitarbeiterinnen legen das Hockergrab frei. Im oberen Bildrand erkennt man die Verfärbungen der Pfostengruben im Planum.© Landesamt für Archäologie Sachsen
In Leipzig-Möckern untersuchen Archäologen des Landesamtes für Archäologie Sachsen eine mehr als 5000 Quadratmeter große Fläche, auf der ein neuer Grundschulkomplex entstehen soll. Dabei haben sie Spuren einer jungsteinzeitlichen Siedlung sowie eine rund 7000 Jahre alte Bestattung entdeckt. Sie gilt als das älteste bislang bekannte Grab im Leipziger Stadtgebiet.
Die Ausgrabungen finden statt, weil das Gelände in unmittelbarer Nähe einer bekannten bronzezeitlichen Fundstelle liegt und als archäologisches Relevanzgebiet eingestuft wurde. Zudem befindet es sich hochwasserfrei nahe der Weißen Elster in der fundreichen Leipziger Tieflandsbucht.
Obwohl auf dem Areal zuvor ein inzwischen abgerissener Gebäudekomplex aus den 1960er Jahren stand, sind zahlreiche archäologische Befunde erhalten geblieben. Dazu gehören Gruben und Pfostenlöcher ehemaliger Gebäude.
Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik erklärt: «Unsere Untersuchungen in Leipzig Möckern zeigen sehr deutlich, wie wichtig die Beteiligung der Archäologie auch im städtischen Bereich ist. Mittlerweile längst im Stadtraum liegend und seit vielen Jahren überbaut, können selbst dort noch immer wichtige Zeugnisse der vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung dokumentiert werden.»

Siedlung der Linienbandkeramik

Die freigelegten Siedlungsreste stammen aus der Jungsteinzeit und werden der linienbandkeramischen Kultur zugerechnet, die von etwa 5500 bis 4500 v. Chr. datiert. Diese Zeit war von einem grundlegenden Wandel der Lebens- und Wirtschaftsweise geprägt: Menschen wurden sesshaft, lebten in Dörfern und betrieben Ackerbau und Viehzucht.
Namensgebend für die Linienbandkeramik sind charakteristische Verzierungen auf Keramikgefäßen. Auch in Leipzig-Möckern fanden die Archäologen Rand- und Wandscherben mit entsprechenden Dekoren.
Typisch für Siedlungen der Linienbandkeramik sind Langhäuser aus Holz. Von ihnen bleiben im Boden vor allem Pfostengruben zurück, in denen ursprünglich die tragenden Holzpfosten standen. In Leipzig-Möckern konnte ein vollständiger Hausgrundriss von etwa 30 Metern Länge nachgewiesen werden. Hinzu kommen mindestens zwei weitere Häuser, die nur teilweise erfasst wurden.

Rund 7000 Jahre alte Bestattung

Zu den Funden gehört außerdem eine Körperbestattung innerhalb des Siedlungsareals.
Der Tote war ohne Grabbeigaben auf der linken Seite mit angezogenen Beinen bestattet worden. Das Grab lag unmittelbar neben beziehungsweise innerhalb einer Grube, die zu einem linienbandkeramischen Haus gehörte. Aufgrund der Hockerlage und dieses unmittelbaren stratigrafischen Zusammenhangs mit der Siedlung und einem der Häuser wird die Bestattung trotz fehlender Beigaben in die Zeit der Linienbandkeramik datiert.
Skelettreste liegen in seitlicher Hockerlage in einer Erdschicht der jungsteinzeitlichen Siedlung in Leipzig-Möckern. Die Knochen sind teilweise freigelegt und von Erde umgeben. Der Oberkörper ist leicht nach vorne gebeugt, die Arme angewinkelt, die Beine stark angezogen.
Hockergrab von Leipzig Möckern Mit angezogenen Beinen und angewinkelten Armen liegt das Skelett auf der linken Seite. © Landesamt für Archäologie Sachsen
Damit ist das rund 7000 Jahre alte Hockergrab die älteste bislang bekannte Bestattung im Leipziger Stadtgebiet. Dass überhaupt menschliche Knochen erhalten geblieben sind, ist bemerkenswert: In weiten Teilen Sachsens ist die Knochenerhaltung so schlecht, dass Gräber teilweise nur anhand ihrer Form und der erhaltenen Grabbeigaben erkannt werden können.

Auswertung folgt nach der Grabung

Ein fünfköpfiges Archäologenteam unter Leitung von Thomas Lukas führt die Untersuchungen seit Juli durch. Die Arbeiten sollen bis Mitte Oktober dauern. Bereits untersuchte Bereiche werden schrittweise für den Bau der neuen Grundschule freigegeben.
Nach Abschluss der Arbeiten vor Ort werden die Funde und Befunde im Landesamt für Archäologie Sachsen wissenschaftlich ausgewertet.

Quelle: Landesamt für Archäologie Sachsen

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