Königspfalz Helfta: Neue Grabungen liefern Einblicke in das Zentrum ottonischer Herrschaft

Die Ausgrabungen auf der „Kleinen Klaus“ bei Lutherstadt Eisleben bringen weitere Erkenntnisse zur ottonischen Königspfalz Helfta zutage. Neben einem bislang unbekannten Steingebäude aus dem 10. Jahrhundert wurden Spuren von Handwerk, Wohnhäusern und der späteren Burg der Familie von Hackeborn untersucht.

Luftaufnahme eines großflächigen, braunen Feldes auf der ottonischen Königspfalz von Helfta mit mehreren rechteckigen Ausgrabungsstellen. Die Ausgrabungsflächen heben sich durch ihre dunklere Färbung vom umliegenden Erdreich ab. Am Rand des Feldes stehen einige Fahrzeuge und kleinere Strukturen. Im Hintergrund erstrecken sich Felder, Baumreihen und eine Siedlung mit weißen Gebäuden
Blick von Südosten über die Grabungsfläche 2026. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Johannes Groß.
Die archäologischen Untersuchungen auf der Anhöhe „Kleine Klaus“ bei Lutherstadt Eisleben werden fortgesetzt. Nachdem zwischen 2020 und 2023 die lange verschollene ottonische Königspfalz Helfta lokalisiert werden konnte, liefern aktuelle Grabungen weitere Erkenntnisse zur Anlage und ihrer späteren Nutzung.
Bereits in den vergangenen Jahren wurden die vor 969 von Otto dem Großen gegründete Radegundiskirche mit ihrem Friedhof sowie ein zeitgleich errichteter steinerner Palast freigelegt. Daneben kamen Befestigungsanlagen, Grubenhäuser, technische Einrichtungen und Gräber verschiedener Epochen ans Licht. Die Befunde belegen die Entwicklung des Platzes von der frühmittelalterlichen Helphideburc zur ottonischen Pfalzanlage und späteren Adelsburg.

Weiteres Steingebäude aus dem 10. Jahrhundert freigelegt

Zu den wichtigsten Ergebnissen der seit Ende August 2026 laufenden Untersuchungen gehört die Freilegung eines weiteren Steingebäudes unmittelbar neben dem ottonischen Palast. Funde erlauben eine Datierung in das 10. Jahrhundert.
Der etwa neun mal fünf Meter große Bau besitzt einen Keller sowie eine gut erhaltene Zugangstreppe.
Im Zentrum des Bildes sind freigelegte Mauerreste und Steinplatten zu sehen, die in einem rechteckigen Erdloch liegen. Die Steine sind unterschiedlich groß und teilweise gestapelt, einige wirken wie Fundamente oder Bodenplatten. Der umgebende Boden ist hellbraun und wirkt trocken.
Eingangsbereich mit Treppe des Gebäudes aus dem 10. Jahrhundert. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Johannes Groß.
Seine Funktion ist bislang unklar. Nach Einschätzung der Archäologen könnte es sich um ein Gästehaus für hochrangige Besucher oder um den Sitz eines Burggrafen gehandelt haben. Für beide Deutungen gibt es bislang jedoch keinen eindeutigen Nachweis.
Ebenfalls freigelegt wurde eine mit Steinen befestigte Terrasse an der Ostseite des Palastes. Sie lag im von Kirche und Palast begrenzten Hofbereich der Pfalz. Ob sie als Versammlungs- oder Repräsentationsfläche genutzt wurde, bleibt Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Wohn- und Arbeitswelt in der Vorburg

Anders als die steinernen Repräsentationsbauten bestanden die Gebäude der Vorburg überwiegend aus einfachen Grubenhäusern. Die rechteckigen Bauten waren meist drei bis fünf Meter groß und verfügten über Wände aus Flechtwerk und Lehm sowie Dächer aus Holz oder Reet.
Funde von Tongewichten, Gusstiegeln und einem Kalkbrennofen weisen auf verschiedene Handwerkszweige hin. Belegt sind unter anderem Textilverarbeitung, Kalkproduktion sowie Buntmetallbearbeitung. Die Befunde geben Einblicke in die wirtschaftlichen Grundlagen des Pfalzortes und in die Lebenswelt seiner Bewohner.

Neue Erkenntnisse zur Burg der Hackeborn

Auch die Überreste der hoch- und spätmittelalterlichen Burg der Familie von Hackeborn stehen weiterhin im Fokus der Forschung. Die Anlage entstand im 12. Jahrhundert, als die frühere Siedlung auf der „Kleinen Klaus“ bereits an Bedeutung verloren hatte.
Untersucht werden derzeit der Burghof und das Umfeld des bereits 2023 freigelegten Hauptturms. Erhalten haben sich Fundamente der ovalen Wehrmauer sowie Reste weiterer Gebäude, darunter Keller, Schwellen von Fachwerkhäusern und die Überreste eines größeren repräsentativen Bauwerks. Die Befunde belegen eine befestigte Adelsburg, deren oberirdische Bausubstanz heute vollständig verschwunden ist.

Gräber, Erdstall und besondere Funde

Neben den Gebäudestrukturen wurden zahlreiche weitere Befunde dokumentiert. Dazu zählen Gräber des Friedhofs der Radegundiskirche, Befestigungsgräben verschiedener Epochen sowie die Spuren einer Palisadenanlage aus der vorrömischen Eisenzeit.
Luftaufnahme einer archäologischen Ausgrabungsstätte mit rechteckigen Grabungsflächen. Im Erdreich sind mehrere längliche, dunkle Strukturen zu erkennen, die auf freigelegte Gräber oder Holzbalken hindeuten. Einige Bereiche wirken tiefer ausgehoben, andere zeigen kleinere, rundliche Vertiefungen. Die Flächen sind durch schmale Erdwälle voneinander getrennt. Der Boden erscheint trocken und hellbraun.
Das Luftbild zeigt einen Teil des Friedhofs der Radegundiskirche sowie einen Teil des Palatiums aus dem 10. Jahrhundert. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Johannes Groß.
Zudem untersuchten die Archäologen einen zweiten unterirdischen Tunnel, einen sogenannten Erdstall aus dem späten Mittelalter.
Das Fundmaterial umfasst Silbermünzen vom 10. bis 15. Jahrhundert, ottonischen Schmuck wie Ohrringe und emaillierte Gewandspangen, eiserne Pfeilspitzen sowie Keramik mit typischen slawischen Wellenverzierungen. Hinzu kommen eine nahezu vollständig erhaltene Knochenflöte und das Fragment eines reich verzierten Geweihkästchens aus der Zeit um 1000.
Die Ausgrabungen auf dem Gelände der ehemaligen Königspfalz Helfta werden noch bis zum 24. Oktober 2026 fortgesetzt. Unterstützt werden die Forschungen von rund 20 ehrenamtlichen Helfern.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

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