Kaiserzeitliche Villa bei Rom entdeckt: Archäologen legen repräsentativen Landsitz frei

Bei Untersuchungen nach Hinweisen auf illegale Grabungen haben Archäologen in Castel di Guido westlich von Rom die Überreste einer bedeutenden Villa aus der Kaiserzeit entdeckt. Die Anlage überrascht durch ihren außergewöhnlichen Erhaltungszustand mit Mosaiken, bemaltem Stuck und bis zu 1,50 Meter hohen Mauern.

Freigelegte Bodenmosaike mit geometrischem Muster und umlaufenden weißen Marmorrahmen liegen in einer rechteckigen Ausgrabungsfläche. Die Mosaikflächen sind von Erde und Steinen umgeben, einige Bereiche sind beschädigt oder fehlen. Der Boden zeigt unterschiedliche Farbtöne von Grau und Braun.
Das freigelegte Atrium der Villa© MiC
Die freigelegten Baustrukturen gehören zu einer großzügigen Vorstadtvilla, die vermutlich mit der antiken Via Aurelia verbunden war. Der Fundort liegt im Gebiet von Lorium, einer bedeutenden Siedlung der römischen Kaiserzeit. Historische Hinweise bringen diesen Ort insbesondere mit Antoninus Pius in Verbindung, der hier eine Residenz besessen haben soll. Auch Hadrian und Marcus Aurelius hielten sich nach bisherigen Erkenntnissen in der Gegend auf.

Gut erhaltene Architektur und aufwendige Ausstattung

Die Ausgrabungen erfolgten unter der wissenschaftlichen Leitung der Archäologin Alessia Contino. Dabei kamen bemerkenswert gut erhaltene Baubefunde zum Vorschein. Mehrere Mauern sind noch bis zu 1,50 Meter hoch erhalten.

Besonders aufschlussreich ist die Freilegung des Atriums, des zentralen Empfangsbereichs der Villa. Identifiziert wurde ein Impluvium – ein Wasserbecken zur Sammlung von Regenwasser –, das von aufwendig gestalteten Dekorationen mit geometrischen und pflanzlichen Motiven umgeben war. Um das Atrium gruppieren sich weitere Räume mit Mosaikböden. Darüber hinaus weisen verschiedene Strukturen auf wirtschaftliche Aktivitäten innerhalb des Anwesens hin.

Ein rechteckiges Bodenmosaik mit geometrischen und wellenförmigen Mustern ist freigelegt. Die Mosaiksteine sind hell und kontrastieren mit dem dunkleren Erdreich. Das Muster besteht aus ineinander verschlungenen Linien und Flächen, die sich über die gesamte Fläche erstrecken. Am Rand sind weitere dekorative Elemente sichtbar.
© MiC

Die Qualität der Architektur und Ausstattung verdeutlicht den gehobenen Status der einstigen Bewohner und lässt auf eine Zugehörigkeit zum römischen Adel schließen.

Marmorskulptur könnte Silvanus darstellen

Zu den bemerkenswertesten Funden zählt eine fragmentarisch erhaltene Marmorskulptur. Sie zeigt eine bärtige Figur mit einem kleinen Haustier, möglicherweise einem Kalb oder Ferkel.

Fragmentierte antike Statue aus hellem Stein auf hellem Untergrund. Der Oberkörper trägt ein drapiertes Gewand. Kopf und Gliedmaßen sind abgebrochen und liegen teilweise separat daneben. Die Oberfläche zeigt deutliche Abnutzungsspuren.
Marmorskulptur, die möglicherweise den Gott Silvanus darstellt. © MiC

Nach ersten Einschätzungen könnte es sich um eine Darstellung des Gottes Silvanus handeln. Die ländliche Gottheit war in der römischen Religion eng mit Natur, Landwirtschaft und dem Leben auf dem Land verbunden. Die Skulptur wird derzeit ebenso wie weitere Funde wissenschaftlich untersucht.

Neben der Statue unterstreichen vor allem die hochwertigen Mosaiken, Wandmalereien und Stuckarbeiten den repräsentativen Charakter der Anlage. Sie geben wertvolle Einblicke in die Lebenswelt der gesellschaftlichen Eliten im Umfeld des kaiserlichen Lorium.

Neues Puzzlestück für die Erforschung der Region

Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die freigelegte Anlage nur einen Teil eines größeren Villenkomplexes darstellt. Damit eröffnet die Entdeckung neue Perspektiven für die Erforschung des antiken Umlands von Rom und seiner Verbindung zum kaiserlichen Herrschaftsumfeld.

 
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