Moderne Analyseverfahren ermöglichen neue Einblicke in die Herstellung zweier außergewöhnlicher Dosenfibeln aus einem Frauengrab des 3. Jahrhunderts bei Dienstedt im heutigen Ilmkreis. Die seltenen Schmuckstücke zählen zu den herausragenden Funden eines bereits 1837 entdeckten Grabes und besitzen in Europa nur wenige Vergleichsstücke.
Zu den Grabbeigaben gehörten neben Keramik- und Bronzegefäßen, Schmuck und einem römischen Messer auch die kunstvoll gefertigten Fibeln. Heute werden die Funde in der Sammlung Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena aufbewahrt. Während die Stücke bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wissenschaftlich beschrieben wurden, ermöglichen moderne Methoden nun deutlich detailliertere Untersuchungen.
Zerstörungsfreier Blick ins Innere
Im Rahmen einer Kooperation zwischen INNOVENT e.V. und der Sammlung Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurden die Fibeln mithilfe von Röntgen-Computertomographie (CT) und Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) untersucht.
Falschfarbendarstellung der Bauteile der Dosenfibel aus Dienstedt
© Innovent e.V.
Die Computertomographie erlaubt einen zerstörungsfreien Blick in das Innere der Objekte. Dadurch lassen sich verborgene Konstruktionsmerkmale und Verbindungen zwischen einzelnen Bauteilen sichtbar machen, ohne die historischen Fundstücke zu beschädigen.
Ergänzend analysierten die Forscher mit der Röntgenfluoreszenzanalyse die Zusammensetzung der verwendeten Metalle. Neben den Hauptbestandteilen liefern dabei auch kleinste Spuren von Begleitelementen wichtige Hinweise auf Herkunft und Verarbeitung der Materialien.
Materialspuren geben Hinweise auf den Herstellungsprozess
Die Untersuchungen ergaben, dass das Kupfer der zentralen Achse einer der Fibeln außergewöhnlich rein ist. Verunreinigungen durch Gold und Silber konnten nicht nachgewiesen werden.
Besonders aufschlussreich waren die Befunde zu Blei- und Zinnanteilen. Sie zeigen, dass die Bauteile des Fibelbodens aus unterschiedlichen Blechen gefertigt wurden. Die einzelnen Komponenten stammen demnach nicht aus demselben Ausgangsmaterial.
Bei den Drahtringen zeichnete sich dagegen ein anderes Bild ab: Drei der insgesamt fünf Ringe wurden vermutlich aus derselben Materialrolle hergestellt. Die Materialsignaturen erlauben damit Rückschlüsse auf die Arbeitsprozesse der Handwerker und die Fertigung einzelner Bauteile.
Neue Möglichkeiten für die Erforschung historischer Objekte
Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial moderner naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden für die Archäologie. Die Kombination aus Computertomographie und Materialanalyse liefert Erkenntnisse zu Aufbau und Herstellung historischer Objekte, die mit den Forschungsmethoden des frühen 20. Jahrhunderts nicht zugänglich waren.
An den seltenen Dosenfibeln aus Dienstedt lässt sich zeigen, wie moderne Technik selbst bei lange bekannten Funden noch neue Informationen über antike Handwerkstechniken und Herstellungsprozesse erschließen kann.
Quelle: INNOVENT e. V. Technologieentwicklung Jena