Bei industriellen Kiesabbauarbeiten in Deinham in Österreich wurden zahlreiche stark korrodierte Eisenobjekte entdeckt. Analysen und Radiokarbondatierungen zeigen, dass es sich um Eisenbarren aus der La-Tène-Zeit handelt. Die Ergebnisse wurden von Forschern der Universität Innsbruck und der Université de Technologie de Belfort-Montbéliard in der Fachzeitschrift Antiquity veröffentlicht.
Der Fund umfasst mindestens 500 Eisenhalbfabrikate mit einem Gesamtgewicht von mehr als einer Tonne. Nach Angaben der Forscher handelt es sich um den bislang größten bekannten Fundkomplex von Eisenbarren aus der Eisenzeit in Europa.
(Oben) eine Eisenstange aus Deinham mit anhaftendem Kies; (Mitte und unten) zwei weitere Stangen, die durch den Kiesbrecher „gereinigt“ wurden
© Peter Trebsche
„Es grenzt an ein kleines Wunder, dass der größte Massenfund prähistorischer Eisenstangen in Europa nicht bei Schrotthändlern landete, sondern der österreichischen Denkmalschutzbehörde gemeldet wurde“, sagt der Hauptautor der Studie, Professor Peter Trebsche von der Universität Innsbruck. „Ich bin den Findern aufrichtig dankbar, dass sie sich entschieden haben, diesen außergewöhnlichen Fund einer staatlichen Museumssammlung zu spenden.“
Hinweise auf großräumigen Eisenhandel
Die La-Tène-Kultur prägte große Teile Europas vom 5. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. Aus dieser Zeit sind zahlreiche Eisenobjekte bekannt. Das Ausmaß des Handels mit Eisenhalbfabrikaten ist bislang jedoch nur schwer zu fassen, da entsprechende Funde selten erkannt und oft schwer datiert werden können.
Die Datierung des Fundes von Deinham bietet daher neue Anhaltspunkte für die Untersuchung von Eisenproduktion und Eisenhandel in der späten Eisenzeit. Nach Einschätzung der Forscher deutet die außergewöhnliche Menge des Materials auf Handel in großem Maßstab hin.
Möglicher Transport auf der Donau
Die Eisenbarren wurden entlang der Donau entdeckt. Die Autoren vermuten, dass sie bei einem Schiffstransport verloren gingen. Der ursprüngliche Bestimmungsort der Ladung ist unbekannt.
Auch zur Herkunft des Eisens gibt es bislang keine gesicherten Nachweise. Die Forscher halten es für wahrscheinlich, dass die Barren in Bayern hergestellt wurden, wo in der Nähe mehrerer Oppida eisenzeitliche Produktionsstätten bekannt sind.
Karte, die den Standort Deinham (roter Punkt), die Fundstellen anderer BLD6-Halbprodukte (weiße Punkte) und Eisenproduktionsgebiete aus der La Tène-Zeit (Grauzonen) zeigt: 1) Markgräfler-Land; 2) Rothtal 3) Zusamaltheim; 4) Donau- und Feilenmoos; 5) Ingolstadt-Etting; 6) Region Kelheim
© Peter Trebsche; Basiskarte: OpenStreetMaps; Eisenproduktionsbezirke nach Gassmann & Schäfer 2014
Eine außergewöhnlich wertvolle Ladung
„Die in Deinham gefundenen Eisenhalbzeuge wiegen etwa eine Tonne Eisen, was ausreicht, um etwa 500 Schwerter mit einem Durchschnittsgewicht von 1,5–2 kg zu schmieden“, erklärt Trebsche. „Selbst wenn man Materialverluste bei der Herstellung berücksichtigt, hätte das Eisen aus Deinham ausgereicht, um eine große Gruppe von Kriegern mit Waffen auszustatten.“
Aus dieser Materialmenge leiten die Forscher ab, dass die Ladung einen hohen Wert besessen haben muss. Als Vergleich verweisen sie auf große Goldmünzschätze der La-Tène-Zeit, darunter den Fund von 443 Goldmünzen aus dem Oppidum Manching in Bayern. Die Autoren halten es für möglich, dass wirtschaftliche Transaktionen dieser Größenordnung durch die zunehmende Verbreitung von Münzgeld in der späten Eisenzeit erleichtert wurden.
Einblick in die Produktionskapazitäten der Eisenzeit
„Es ist unglaublich, dass eine so große Menge Eisen auf einmal transportiert wurde und in der späten Eisenzeit im Rahmen einer einzigen Tauschtransaktion zur Verfügung stand“, fasst Trebsche zusammen. „Dieser Fund belegt die gestiegenen Kapazitäten der Eisenproduktion, die im 3./2. Jahrhundert v. Chr. im Donauraum erreicht wurden.“
Nach Ansicht der Forscher verweist der Fund damit auf eine groß angelegte Eisenproduktion und weitreichende Handelsstrukturen in Mitteleuropa während der späten Eisenzeit.
Quelle: Antiquity
Trebsche P, Berranger M. A sunken ship cargo of 500 bipyramidal bars? Implications for La Tène period iron production and trade along the Danube. Antiquity. Published online 2026:1-20. doi:10.15184/aqy.2026.10404