Wie alt der Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet tatsächlich ist und wie sich frühe Abbaumethoden entwickelten, untersucht seit 2025 eine Forschungskooperation aus LWL-Archäologie für Westfalen, Deutschem Bergbau-Museum Bochum und GeoPark Ruhrgebiet in Sprockhövel-Haßlinghausen. Dabei stießen die Fachleute auf einen bislang unbekannten Stollen mit einer Länge von mindestens 130 Metern.
Im Waldgebiet bei Haßlinghausen sind zahlreiche Relikte des frühen Bergbaus erhalten. Dazu gehören Stollen, Schächte und Halden, die noch heute im Gelände sichtbar sind. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf die Frage, wie sich der Bergbau in diesem Revier entwickelte.
"In diesem Areal können wir sehr gut nachvollziehen, wie sich der Bergbau von einfachen Schächten und Gruben zum komplexen Stollenbau entwickelt hat", erklärt Dr. Manuel Zeiler von der LWL-Archäologie für Westfalen. "Mit archäologischen Methoden rekonstruieren wir die Anfänge des Bergbaus im Ruhrgebiet."
Schächte und Halden archäologisch untersucht
Nach Untersuchungen an einem der ältesten erhaltenen Stollen des Ruhrgebiets im Jahr 2025 setzte das Forschungsteam die Arbeiten 2026 in unmittelbarer Nähe fort. Dabei wurden Grabungsschnitte an zwei Schachtöffnungen angelegt und Halden durch Bohrungen untersucht.
Die Ausgrabungen lieferten Informationen zur Anlage der Schächte und zum baulichen Aufwand des Bergbaus. Zugleich konnten die Forscher Material gewinnen, das nun naturwissenschaftlich datiert werden soll.
"Die Ausgrabungen zeigen uns, wie die Bergleute die Schächte angelegt haben, wie groß der Bauaufwand war. Und sie liefern uns Material, das wir nach der Ausgrabung naturwissenschaftlich datieren können", erläutert Dr. Jennifer Garner vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum. "Dabei ist überregional bedeutend, dass wir hier in diesem Kleinrevier erstmals die Anfänge des Stollenbaus im Ruhrgebiet vor dem 18. Jahrhundert nachweisen können."
Neuer Stollen und mehrere Bauschächte nachgewiesen
Zwei Grabungsschnitte lieferten neue Erkenntnisse zu einem bislang unbekannten Stollen. Die Befunde sprechen für eine Länge von mindestens 130 Metern.
Nach Auswertung der Grabung konnten die Forscher mehrere verfüllte Bauschächte nachweisen. In den Profilen der Grabungsschnitte zeichneten sich diese deutlich ab.
"Wir können hier sehr gut zeigen, dass die Bergleute viele Bauschächte anlegten. Unten angekommen trieben sie gleichzeitig mehrere Einzelabschnitte des Stollens voran, die sie dann miteinander verbanden", so Dr. Till Kasielke vom GeoPark Ruhrgebiet.
Eingestürzter Stollen hinterließ Spuren im Untergrund
Die Archäologen identifizierten zudem die Lage des Stollens, obwohl dieser heute tief unter der Oberfläche liegt.
"Bedeutend ist dabei," so Kasielke weiter, "dass wir nicht nur die Schächte archäologisch fassen, sondern sogar die Lage des Stollens erkennen können, obwohl dieser Stollen tief im Untergrund liegt."
Den Befunden zufolge brach der Stollen nach dem Ende seiner Nutzung ein und hinterließ eine Senkungszone im Untergrund. Anhand dieser Spuren rekonstruieren die Forscher, dass die Bauschächte neben dem Stollen angelegt und nach dessen Fertigstellung wieder verfüllt wurden. Die Befunde weisen auf einen erheblichen Bauaufwand und den Einsatz zahlreicher Arbeitskräfte hin.
Quelle LWL