Forscher identifizieren erstmals die Zutaten bronzezeitlicher Mahlzeiten in Syrien

Getreide, Linsen, Ziegenfleisch, Gazellen und sogar harzige Gewürze: Analysen von Speiseresten aus 4.500 Jahre alten Kochtöpfen zeigen, wie vielfältig die Küche der bronzezeitlichen Stadt Hama war. Die Funde belegen zudem, dass für unterschiedliche Gerichte gezielt verschiedene Topfarten verwendet wurden.

Gruppe von zerbrochenen und reparierten Tongefäßen verschiedener Formen und Größen auf weißem Hintergrund
Verschiedene Töpfe aus der antiken Stadt Hama ca. 2500 v. Chr.© Nationalmuseum Dänemark

Neue Untersuchungen von Speiseresten aus der syrischen Stadt Hama liefern erstmals konkrete Einblicke in die Küche der frühen Bronzezeit. Forschern gelang es, die Inhalte von 4.500 Jahre alten Kochtöpfen zu bestimmen und damit einzelne Bestandteile damaliger Mahlzeiten zu rekonstruieren.

Die Analysen von Tierknochen, Pflanzenresten und Fettrückständen zeigen, dass den Bewohnern Hamas eine bemerkenswert breite Palette an Nahrungsmitteln zur Verfügung stand. Verarbeitet wurden unter anderem Gerste, Weizen, Linsen, Oliven und Weintrauben. Als tierische Nahrungsquellen dienten Schafe, Ziegen, Schweine, Rinder und Gazellen.

Fettrückstände in den Gefäßen deuten darauf hin, dass Milchprodukte, pflanzliche Zutaten und möglicherweise auch Schweinefleisch darin zubereitet wurden.

Zutaten aus Stadt, Umland und Steppe

Die Ergebnisse zeigen, dass die Versorgung Hamas auf Ressourcen aus unterschiedlichen Landschaftsräumen beruhte. Einige Lebensmittel stammten offenbar direkt aus der Stadt, andere aus dem landwirtschaftlichen Umland oder den weiter entfernten Steppen- und Weidegebieten.

Mehrere verkohlte, längliche Samen oder Körner auf hellem Untergrund
Überreste von 4.500 Jahre alten Oliven. Ausgrabungen durch das Dänische Nationalmuseum in den 1930er Jahren in Hama, Syrien. © Nationalmuseum Dänemark

„Dies ist das erste Mal, dass wir die Bestandteile der Mahlzeiten in den Kochtöpfen von Hama identifizieren konnten. Wir können sehen, dass einige Zutaten wahrscheinlich aus der Stadt selbst stammten, wie Schweinefleisch und Weintrauben, während Getreide, Linsen und Oliven von den Feldern in der Umgebung, Schafe und Rinder von den Weideflächen um die Stadt und Gazellen aus der Steppe im Osten kamen“, sagt Mette Marie Hald, leitende Forscherin am Nationalmuseum und Erstautorin der Studie.

Unterschiedliche Töpfe für unterschiedliche Gerichte

Die Untersuchung liefert zudem Hinweise auf spezialisierte Kochtechniken. Demnach nutzten die Bewohner Hamas nicht beliebige Gefäße, sondern wählten ihre Kochtöpfe gezielt aus.

Die lokal hergestellten Gefäße bestanden aus einer Mischung von Ton und Kalzit. Daneben wurden Töpfe verwendet, die aus der östlichen Steppe importiert worden waren und aus Ton mit Basaltanteilen bestanden. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Materialzusammensetzung besaßen beide Topfarten verschiedene thermische Eigenschaften.

Die importierten Gefäße scheinen dabei für ein breiteres Spektrum an Gerichten genutzt worden zu sein.

„Die verschiedenen Arten von Kochtöpfen in Hama zeigen, dass das Kochen in der Bronzezeit nicht nur hinsichtlich der Zutaten, sondern auch hinsichtlich der zur Zubereitung bestimmter Mahlzeiten verwendeten Werkzeuge eine aktive Entscheidungsfindung erforderte“, sagt Mette Marie Hald.

Speisen mit Harz aromatisiert

Auch die Würzung der Gerichte lässt sich teilweise nachvollziehen. In mehreren Kochtöpfen fanden die Forscher Spuren von harzigem Holz, das offenbar zur Aromatisierung der Speisen verwendet wurde.

„Wir wissen aus Rezepten auf Tontafeln aus der Bronzezeit, dass harziges Holz Speisen beigemischt wurde, um ihren Geschmack zu verbessern. Diese Praxis lässt sich an einigen Kochtöpfen aus Hama erkennen“, erklärt Mette Marie Hald. „Interessanterweise wiesen alle Kochtöpfe mit Harzspuren eingeprägte oder eingeritzte Symbole auf. Möglicherweise wurden diese Töpfe speziell für die harzigen Speisen ausgewählt, um zu vermeiden, dass sich dieser besondere Geschmack später auf andere Speisen übertrug“, fügt sie hinzu.

Studie und Methoden

Die untersuchten Funde stammen aus Ausgrabungen des Dänischen Nationalmuseums in Hama, die zwischen 1931 und 1938 durchgeführt wurden. Seit 2021 werden die in Kopenhagen aufbewahrten Funde im Rahmen eines Forschungsprojekts erneut ausgewertet.

Die Nahrungsreste wurden mithilfe mikroskopischer und chemischer Analysen identifiziert. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal Journal of Archaeological Science: Reports.

Quelle: Nationalmuseet – Forskning og Kulturarv

Originalpublikation:

Mette Marie Hald, Pernille Bangsgaard, Martin N. Mortensen, Jacob Frydendahl, Stephen Lumsden, Georges Mouamar, Food remains from Late Chalcolithic and Early Bronze Age Hama, Syria: exploring the cooking practices and culinary catchment zone of an ancient city, Journal of Archaeological Science: Reports, Volume 75, 2026, 106020, ISSN 2352-409X,
https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2026.106020.

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