Erster republikanischer Denar-Hortfund in Sachsen-Anhalt nachgewiesen

Ein außergewöhnlicher Münzfund aus Halle (Saale) erweitert das Wissen über die Verbreitung römischer Silbermünzen in Mitteldeutschland. Der erstmals in Sachsen-Anhalt nachgewiesene Hortfund republikanischer Denare liefert neue Hinweise auf überregionale Austauschnetze und die Kontakte zwischen dem Römischen Reich und den Gesellschaften jenseits seiner Grenzen um die Zeitenwende.

Fünf antike Silbermünzen liegen in zwei Reihen auf schwarzem Hintergrund. Die Vorderseiten zeigen jeweils stilisierte Porträts mit unterschiedlichen Kopfbedeckungen und Frisuren. Die Rückseiten sind mit verschiedenen Motiven versehen, darunter stehende oder sitzende Figuren, Tiere und Gegenstände. Die Münzränder sind unregelmäßig und weisen Gebrauchsspuren auf.
Der Hortfund von Silberdenaren aus Halle (Saale). © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, O.S.C.A.R.

In Halle (Saale) ist ein archäologisch bedeutender Hortfund mit fünf Silbermünzen aus der Zeit der Römischen Republik entdeckt worden. Gefunden wurden die Denare im Jahr 2025 durch den ehrenamtlich beauftragten Bodendenkmalpfleger Dirk Braungardt. Die Münzen stammen aus unterschiedlichen Prägejahren: Ein Denar wurde 148 v. Chr. geprägt, die vier weiteren zwischen 82 und 79 v. Chr. Damit gehören sie in die Spätphase der Römischen Republik.

Die Münzen wurden auf eng begrenztem Raum geborgen und dürften ursprünglich gemeinsam niedergelegt worden sein. Nach Einschätzung der Archäologen könnte es sich um den Inhalt einer kleinen Börse handeln, die verloren ging oder bewusst deponiert wurde. Die heutige Verteilung der Stücke ist wahrscheinlich auf landwirtschaftliche Tätigkeit, Erosionsprozesse oder Tieraktivität zurückzuführen.

Ein außergewöhnlicher Fund für Sachsen-Anhalt

Republikanische Denare zählen in Mitteldeutschland zu den seltenen Fundgattungen. Aus dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts sind bislang lediglich 19 republikanische Münzen bekannt geworden. Fast alle stammen aus Einzelfunden. Zwar existieren vier weitere Münzen aus Großleinungen, doch ihre ursprünglichen Fundumstände lassen sich nicht mehr nachvollziehen, da sie bereits 1897 als Ankauf in die Sammlung gelangten.

Der Fund von Halle nimmt deshalb eine Sonderstellung ein: Nach aktuellem Forschungsstand handelt es sich um den ersten sicher nachgewiesenen Hortfund republikanischer Denare in Sachsen-Anhalt. Damit schließt er eine wichtige Lücke im archäologischen Befund der Region.

Bedeutung im nordostdeutschen Kontext

Auch überregional besitzt der Fund hohe wissenschaftliche Relevanz. Während in Thüringen und Niedersachsen deutlich mehr republikanische Denare sowohl als Einzel- als auch als Hortfunde bekannt sind, nimmt ihre Funddichte nach Nordosten deutlich ab. Außer den bekannten Hortfunden von Niemegk in Brandenburg und Zettemin in Mecklenburg-Vorpommern treten republikanische Silbermünzen in Nordostdeutschland nur vereinzelt auf.

Obwohl die Zahl entsprechender Nachweise in den vergangenen Jahrzehnten durch intensivere Prospektionen und das Engagement ehrenamtlicher Sondengänger gestiegen ist, bleiben republikanische Denare in dieser Region selten. Ihre Verbreitung bis in das Barbaricum verdeutlicht die Reichweite antiker Austausch- und Kontaktnetzwerke. Zugleich spricht sie dafür, dass den Münzen auch außerhalb des Römischen Reiches ein erheblicher materieller und sozialer Wert zugeschrieben wurde.

Lange Umlaufzeit und auffällige Merkmale

Die fünf Denare weisen deutliche Gebrauchsspuren auf und waren offenbar über längere Zeit im Umlauf. Dies entspricht den historischen Gegebenheiten: Republikanische Denare blieben innerhalb des Römischen Reiches über Generationen hinweg gültig und waren noch bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. Bestandteil des Geldverkehrs.

Die Zusammensetzung des Hortes entspricht dabei einem plausiblen Umlaufbestand. Auffällig ist jedoch, dass vier der fünf Münzen innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums zwischen 82 und 79 v. Chr. geprägt wurden. Besondere Aufmerksamkeit verdienen außerdem drei sogenannte Serrati – Denare mit gezähntem Rand. Zwei dieser Münzen tragen zusätzlich Graffiti.

Die Funktion dieser Zähnung ist bis heute nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden verschiedene Erklärungen: Sie könnte den Silbergehalt sichtbar machen, vor dem Beschneiden der Münzen schützen oder rein dekorativen Charakter besitzen.

Hinweise auf eine Ankunft um die Zeitenwende

Von besonderem Interesse ist das Fehlen kaiserzeitlicher Münzen innerhalb des Ensembles. Sollte der Hort als geschlossener Bestand nach Halle gelangt sein, könnte dies darauf hindeuten, dass die Münzen bereits um die Zeitenwende oder kurz danach in die Region kamen.

Für diese Interpretation spricht, dass bei einer späteren Einfuhr eher mit einer Mischung aus republikanischen und kaiserzeitlichen Prägungen zu rechnen wäre. Zwar bleibt diese Deutung hypothetisch, sie eröffnet jedoch wichtige Perspektiven für die Datierung der Kontakte zwischen dem Römischen Reich und den Bewohnern Mitteldeutschlands.

Silberobjekte statt Zahlungsmittel

Im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts existierte zur Zeit des Fundes keine Geldwirtschaft nach römischem Vorbild. Die Denare dürften daher nicht als Zahlungsmittel genutzt worden sein. Vielmehr sind sie als wertvolle Silberobjekte zu verstehen, die sowohl materiellen als auch sozialen Status repräsentierten.

Wie die Münzen nach Halle gelangten, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Als mögliche Wege kommen Fernhandel, diplomatische Geschenke, Subsidienzahlungen, Weitergaben innerhalb germanischer Netzwerke oder auch militärische Auseinandersetzungen in Betracht.

Archäologische Befunde belegen, dass römische Vorstöße nach Mitteldeutschland bereits in augusteischer Zeit stattfanden. Münzfunde werden unter anderem mit den Feldzügen des Drusus, des Ahenobarbus und des späteren Kaisers Tiberius in Verbindung gebracht. Hinzu kommen neu entdeckte römische Marschlager in Sachsen-Anhalt, die von einer zunehmenden archäologischen Erschließung dieser Kontaktzone zeugen.

Neuer Baustein für die Erforschung römisch-germanischer Beziehungen

Der Silberhort von Halle erweitert das bisherige Wissen zur Verbreitung republikanischer Silbermünzen in Mitteldeutschland erheblich. Als erster nachgewiesener Hortfund dieser Art in Sachsen-Anhalt liefert er wertvolle Hinweise auf die Wege, über die römische Objekte das Barbaricum erreichten.

Zugleich zeigt der Fund, dass auch kleine Münzensembles wichtige Erkenntnisse zu Austauschprozessen, sozialen Wertvorstellungen und den Beziehungen zwischen dem Römischen Reich und den Gesellschaften jenseits seiner Grenzen liefern können. Für die Erforschung der Kontaktzonen zwischen Rom und dem Barbaricum stellt der Hallesche Silberhort damit einen bedeutenden neuen Datenpunkt dar.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

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