Mit dem im September 2026 freigelegten Gebäudegrundriss wurde in Seddin ein für die jüngere Bronzezeit ungewöhnlicher Befund entdeckt. Während Gebäude dieser Zeit in den bekannten Hausbaulandschaften üblicherweise langrechteckig angelegt sind, misst der Neubefund 10,6 Meter in Nord-Süd- und 11,4 Meter in West-Ost-Richtung. Der Bau war damit annähernd quadratisch und sogar breiter als die sogenannte
„Halle des Königs“.
Quadratische Gebäude sind in der Urgeschichte selten belegt. Das Gebäude von Seddin lag zudem gut sichtbar auf einer leichten Anhöhe in Spornlage. Seine Bauweise mit Wandgräbchen und darin liegenden Steinen entspricht derjenigen der „Halle des Königs“.
Außergewöhnliche Keramikfunde
Die Ausgrabungen der vergangenen zehn Jahre erbrachten in Seddin vergleichsweise wenige Keramikfunde. Nachgewiesen wurden vor allem Scherben von Schalen, Terrinen, Doppelkoni und Vorratsgefäßen in üblichen Größen.
Im Umfeld des quadratischen Gebäudes zeigte sich nun ein anderes Bild. Dort kamen große Mengen an Keramik zutage. Einige Gefäße besitzen Randdurchmesser von mehr als 50 Zentimetern und sind damit deutlich größer als die bislang bekannten Vorratsgefäße mit Durchmessern von 30 bis 40 Zentimetern.
Die Größe einzelner Gefäße könnte darauf hindeuten, dass sie bei besonderen Anlässen zur Versorgung größerer Personengruppen genutzt wurden.
Verbrannte Tierknochen geben Rätsel auf
Auch die Tierknochenfunde unterscheiden sich deutlich von den bisherigen Grabungsergebnissen. In den zwischen 2015 und 2025 untersuchten Siedlungsbereichen wurden lediglich zwei Tierknochen gefunden.
Im Umfeld des quadratischen Gebäudes enthielten dagegen alle bislang untersuchten größeren Grubenbefunde Fragmente verbrannter Tierknochen. Nach dem derzeitigen Befund handelt es sich offenbar um bewusst verbrannte Tierkadaver.
Wie diese Tierverbrennungen zu deuten sind, müssen weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen klären. Möglich ist, dass hier Tiere in größerem Umfang verzehrt und ihre Knochen anschließend verbrannt wurden. Ebenso wird die Möglichkeit diskutiert, dass vollständige Opfertiere im Rahmen von Zeremonien verbrannt wurden.
Zeitgleich mit dem „Königsgrab“
Das quadratische Gebäude liegt rund 900 Meter vom „Königsgrab“ entfernt. Keramikfunde und die bislang vorliegenden Radiokarbondaten (¹⁴C) sprechen dafür, dass der Bau zeitgleich mit der Bestattung des „Königs Hinz“ bestand.
Lage, Architektur und Fundmaterial weisen auf eine besondere Stellung des Gebäudes innerhalb der Siedlungslandschaft hin. Welche Funktion es tatsächlich erfüllte, ist bislang offen. Als mögliche Erklärung wird diskutiert, dass es sich um ein „templum“, also einen Ort für Zeremonien, gehandelt haben könnte. Dafür gibt es bislang jedoch keinen direkten Nachweis.