Im Innenhof der ehemaligen Gewerbeschule am Petersgraben 52 in Basel haben Archäologen Mauern und Mörtelböden des mittelalterlichen Klosters Gnadental freigelegt. Unter einem der Böden kam eine außergewöhnlich gut erhaltene Warmluftheizung zum Vorschein. Vermutlich beheizte die Anlage einst das Refektorium, den Speiseraum des Frauenklosters.
Die Heizung befand sich im östlichen Trakt der Klosteranlage. Nach bauhistorischen Überlegungen der Archäologischen Bodenforschung könnte sie zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert entstanden sein.
Feuerungskanal und Warmluftöffnungen erhalten
Bei der Anlage handelt es sich um eine sogenannte Steinkammer-Luftheizung. Ihre unterirdische Kammer enthielt zahlreiche Feldsteine, die als Wärmespeicher dienten. Nachdem die Archäologen diese Steinpackung entfernt hatten, konnten sie den darunterliegenden Feuerungskanal untersuchen.
Der Kanal bestand aus Quadern und Backsteinen. Besonders gut erhalten sind zwei Spitzbögen, die sich noch in ihrer ursprünglichen Position befinden. Im darüberliegenden Gewölbe dokumentierten die Forscher außerdem acht verschließbare Öffnungen.
Durch diese konnte die erwärmte Luft aus der Heizanlage in den darüberliegenden Raum strömen. Dies geschah, nachdem der beim Anfeuern entstandene Rauch abgezogen war.
Nach Entfernung der Steinpackung kam der Feuerungskanal zum Vorschein. Durch die schräg gestellten Steine wurde die warme Luft in die Steinkammer geleitet und die Feldsteine im Innenraum aufgewärmt. Durch Öffnungen im Gewölbe gelangte die warme Luft schließlich in den darüberliegenden Speiseraum.
© Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.
Vermutlich Heizung für das Refektorium
Über der Heizanlage befand sich ein Raum, bei dem es sich vermutlich um das Refektorium des Klosters handelte. Nach Einschätzung der Archäologischen Bodenforschung war dieser einer der wenigen, möglicherweise sogar der einzige beheizbare Raum der Anlage.
Damit lässt sich die Funktion der Heizung wahrscheinlich mit dem gemeinschaftlichen Speiseraum des Klosters verbinden.
Schweizweit einzigartiger Erhaltungszustand einer Steinkammer-Luftheizung
Steinkammer-Luftheizungen werden in der Schweiz nur äußerst selten gefunden. Die Basler Anlage zeichnet sich darüber hinaus durch ihren außergewöhnlich guten Erhaltungszustand aus. Nach Angaben der Archäologischen Bodenforschung ist sie aufgrund ihrer nahezu vollständigen Erhaltung schweizweit einzigartig. Auch europaweit sind demnach nur wenige vergleichbar gut erhaltene Anlagen bekannt.
Ergänzend zur konventionellen archäologischen Dokumentation wurde deshalb ein 3-D-Modell des Befundes erstellt. Derzeit werden Lösungen entwickelt, um die Heizanlage langfristig zu erhalten und in das Sanierungsprojekt am Petersgraben 52 zu integrieren.
Vom Kloster zur Gewerbeschule
Die Geschichte des Standorts reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Um 1231 entstand unmittelbar außerhalb der damaligen Stadtmauer ein Kloster für die Franziskaner. Bereits rund 20 Jahre später wechselten diese in das neu gegründete Barfüsserkloster am heutigen Barfüsserplatz.
Die Gebäude wurden anschließend von verschiedenen Frauengemeinschaften genutzt. 1279 zogen Laienschwestern aus Gnadenthal bei Niederwil ein, auf die der historisch überlieferte Name des Klosters zurückgeht. Sie wurden in den Klarissenorden eingegliedert. Die Gemeinschaft bestand bis zur Reformation und der damit verbundenen Auflösung des Klosters.
Teile der Gebäude blieben danach erhalten. Das 1573 eingerichtete Kornhaus nutzte umfangreiche Bausubstanz des ehemaligen Klosters weiter, insbesondere die Klosterkirche.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Kornhaus abgerissen und an seiner Stelle die Gewerbeschule errichtet. Dabei verschwanden auch die letzten oberirdischen Klosterbauten. Die aktuellen archäologischen Untersuchungen haben nun erhaltene Reste der mittelalterlichen Anlage wieder sichtbar gemacht.
Quelle: Kanton Basel-Stadt