Gallische Befestigung in Paris entdeckt: Ist sie Teil des antiken Lutetia?

Unter dem Hôtel-Dieu auf der Île de la Cité in Paris haben Archäologen eine rund 20 Meter lange gallische Befestigung mit Brandspuren entdeckt. Sie könnte zum Oppidum der Parisii gehört haben, das Julius Caesar erwähnt. Ob die Anlage tatsächlich mit dem Lutetia seiner Berichte zusammenhängt, müssen weitere Untersuchungen klären.

Im Mittelpunkt steht die Ausgrabungsstätte auf der Île de la Cité mit freigelegten Steinmauern und Erdschichten. Mehrere massive Holzbalken liegen quer über der Grabung. Links sind eine Leiter, ein großer weißer Behälter und einige Werkzeuge zu sehen.
Blick auf die archäologische Ausgrabungsstätte Hôtel-Dieu und die mögliche Umfassungsmauer des Oppidums der Lutetia© Anastasia Choquet – DRAC Île-de-France
Seit Februar 2026 untersuchen Archäologen zwei Innenhöfe des Hôtel-Dieu auf der Pariser Île de la Cité. Im Sommer stießen sie dort auf eine rund 20 Meter lange Konstruktion aus Stein und Holz. Ihre Bauweise entspricht Befestigungstechniken, die von gallischen Oppida der späten Eisenzeit bekannt sind. Brandspuren an der Mauer sowie verkohlte Pflanzenreste und die Überreste eines abgebrannten Holzgebäudes weisen zudem auf ein heftiges Feuer hin.
Die Entdeckung könnte neue Hinweise auf eine lange diskutierte Frage liefern: Lag das gallische Lutetia, das Julius Caesar in seinem Bericht über den Gallischen Krieg erwähnt, tatsächlich auf der Île de la Cité?

Eine Befestigung aus der späten Eisenzeit

Die entdeckte Mauer kombiniert Steinblöcke mit horizontal angeordneten Holzelementen. Hinter ihr befindet sich eine fast zwei Meter mächtige künstliche Plattform aus Sand und Kies. Am Fuß der Mauer fanden die Archäologen außerdem eine gallische Speerspitze.
Grobe Steinmauer aus unregelmäßig geformten, unterschiedlich großen Steinen, die ohne Mörtel aufgeschichtet wurden. Die Mauer ist teilweise von Erde umgeben, im Hintergrund liegt eine dunkle Plane über weiteren Ausgrabungsbereichen.
Umfassungsmauer des gallischen Oppidums © Anastasia Choquet – DRAC Île-de-France
Erste Radiokohlenstoffdatierungen der Holzelemente weisen in den Zeitraum zwischen 200 und 10 v. Chr. Damit fällt die Anlage grundsätzlich in die Epoche, in der auch Caesars Auseinandersetzungen mit den gallischen Stämmen stattfanden. Eine genaue Datierung der Zerstörung steht jedoch noch aus.
An mehreren Stellen trägt die Konstruktion deutliche Spuren eines intensiven Brandes. Auch zahlreiche Samen sind verkohlt. Unmittelbar vor der Mauer wurde zudem ein abgebranntes Holzgebäude freigelegt. Die untersuchten Schichten, die mit der Aufgabe der Siedlung in Verbindung stehen, gehören in den Übergang von der späten Eisenzeit zur frühen römischen Epoche.
Damit sind eine Besiedlung in der späten Eisenzeit und eine Zerstörung durch Feuer archäologisch fassbar. Ob dieses Feuer allerdings mit den Ereignissen des Jahres 52 v. Chr. zusammenhing, ist bislang nicht geklärt.

Wo lag Caesars Lutetia?

Das gallische Lutetia ist vor allem aus den Schriften Julius Caesars bekannt. 53 v. Chr. hielt er sich im „Lutetia der Parisii“ auf und berief dort eine Versammlung gallischer Stämme ein. Ein Jahr später führte sein Legat Titus Labienus die Schlacht von Lutetia. Caesar verortete das Oppidum der Parisii auf einer Insel in der Seine. Seinem Bericht zufolge setzten die Gallier ihre Siedlungen in Brand, bevor es zur Konfrontation mit den römischen Truppen kam.
Die genaue Lage dieses gallischen Lutetia ist jedoch bis heute umstritten. Für die Île de la Cité sprechen insbesondere Caesars Beschreibung und die spätere Verwendung des Namens Lutetia. Archäologische Nachweise einer strukturierten gallischen Siedlung waren auf der Insel bislang allerdings nur begrenzt vorhanden.
Als Alternative wurde deshalb eine gallische Siedlung in einer Seineschleife bei Nanterre als Standort diskutiert. Die neuen Funde unter dem Hôtel-Dieu liefern nun weitere archäologische Befunde für die Diskussion um die Lage des Oppidums.

Datierung soll entscheidende Fragen klären

Noch ist unbekannt, welche Funktion die neu entdeckte Mauer genau hatte. Sie könnte als Befestigung, aber auch als Stützkonstruktion für die dahinterliegende Plattform gedient haben.
Weitere Untersuchungen sollen Bauzeit, Funktion und Zeitpunkt der Zerstörung klären. Auch mögliche ältere Siedlungsschichten unter der Konstruktion werden untersucht.
Die Mauer wird nicht an ihrem Fundort erhalten. Feuer hat Steine und Holzelemente stark beschädigt. Der Befund soll deshalb unter anderem mit Photogrammetrie und einer 3D-Rekonstruktion umfassend dokumentiert werden. Ein rekonstruierter Abschnitt ist für die Ausstellung in einem Pariser Museum vorgesehen.

Quelle: Kulturministerium Frankreich, DRAC Île-de-France

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