Erinnern an Colonia Dignidad
(Gebundene Ausgabe)
Ein chilenisch-deutsches Oral History-Archiv | Un archivo de historia oral chileno-alemán
- wbg Academic in der Verlag Herder GmbH
- 1. Auflage 2026
- Gebunden
- 680 Seiten
- ISBN: 978-3-534-64116-1
- Bestellnummer: P3641164
Methoden, Narrationen und Kontexte: Das bilinguale Interview-Archiv zur Geschichte der Colonia Dignidad
Die Colonia Dignidad („Kolonie Würde“) war eine deutsche Sektensiedlung und kriminelle Vereinigung im südlichen Chile, in der zwischen 1961 und 2005 schwere Verbrechen verübt wurden. Die Sektenmitglieder, eigene und chilenische Kinder wurden dort isoliert, ausgebeutet und sexuell missbraucht. Während der chilenischen Diktatur folterte und ermordete Pinochets Geheimpolizei DINA in Zusammenarbeit mit der Sektenführung dort zahlreiche Oppositionelle.
In einem digitalen Oral-History Archiv werden lebensgeschichtliche Video-Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus unterschiedlichen Betroffenengruppen zugänglich. Der Band bietet vielfältige Einblicke hinter die Kulissen und rund um die entstandenen Aufnahmen. Welche Hürden mussten überwunden werden, um die oft gegensätzlichen Weltsichten in einem Archiv für Forschung und Bildung zu vereinen? Was prägt die Narrationen und wie konnten sie während der Corona-Pandemie überhaupt realisiert werden?
Der Sammelband wirft einen differenzierten Blick auf das Projekt „Colonia Dignidad. Ein chilenisch-deutsches Oral History-Archiv“, seine Entstehung, digitale Erschließung und Nutzung. Das ganze Spektrum der Beteiligten ist dort vertreten: von Kameraleuten und Interviewerinnen über Zeitzeugen und Übersetzerinnen bis hin zu Forscher*innen und Pädagoginnen, die die Erzählungen erkunden und interpretieren. Der Band bietet erste Analysen, methodische Reflexionen und eine erinnerungskulturelle Einordnung des Archivs.
Zielpublikum ist die internationale und interdisziplinäre Wissenschaftscommunity, die sich mit der Colonia Dignidad aber auch mit praktischen Fragen der digitalen Oral History beschäftigt. Darüber hinaus werden MultiplikatorInnen der (außer-)schulischen Bildung angesprochen sowie die interessierte Öffentlichkeit, die über die gewachsene mediale Aufmerksamkeit mit dem Thema in Berührung gekommen ist.
Ein unverzichtbares Werk für alle, die sich mit der Geschichte der Colonia Dignidad und ihren Nachwirkungen, mit Fragen digitaler Erinnerungskultur oder mit lebensgeschichtlichen Oral History Quellen beschäftigen.
Herausgeber
Philipp Kandler promovierte zur Geschichte der Menschenrechte und den Diktaturen in Argentinien und Chile. Von 2019 bis 2022 war er Projektkoordinator und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Colonia Dignidad. Ein chilenisch-deutsches Oral History-Archiv“. Aktuell arbeitet er im Bereich Forschungsdatenmanagement und Open Science.
Herausgeber
Stefan Rinke, geb. 1965, lehrt seit 2005 als Professor für Geschichte Lateinamerikas am Lateinamerika-Institut und am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Er gilt als ausgewiesener Kenner der Geschichte des amerikanischen Kontinents.
Herausgeberin
Jo Siemon ist Historikerin und arbeitet seit vielen Jahre in der Gedenkstätten- und Museumspädagogik in Chile und in Deutschland. Für „Colonia Dignidad, Ein chilenisch-deutsches Oral History-Archiv“ führte sie zahlreiche Interviews und übernahm Erschließungen und Übersetzungen. Aktuell arbeitet sie an einem Bildungsmodul auf der Grundlage der Interviews.
Herausgeberin
Dorothee Wein ist Politikwissenschaftlerin und Ethnologin. Sie arbeitet im Team der Digitalen Interview-Sammlungen an der Freien Universität Berlin, wo sie narrative Oral History-Quellen für Wissenschaft und Bildung erschließt. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Colonia Dignidad“ und ist weiterhin Ansprechpartnerin für das Oral-History Archiv.