Die Chronik der Polen des Magister Vincentius (genannt Kadłubek) ist die älteste von einem Polen verfasste und - neben der Chronik des so genannten Gallus Anonymus - eine der wichtigsten Quellen zur früh- und hochmittelalterlichen Geschichte des ostmitteleuropäischen Raums, entstanden an der Wende vom 12. zum 13. Jhr. In vier Büchern wird die Geschichte Polens von den sagenhaften, in der Antike angesiedelten Anfängen bis zum Jahr 1202 geschildert. Die ersten drei Bücher des Werkes sind in der ungewöhnlichen Form eines Dialoges zwischen zwei realen Gestalten des polnischen Kirchenlebens des 12. Jahrhunderts, dem Gnesener Erzbischof Johannes und dem Krakauer Bischof Matthäus, gestaltet, wobei Matthäus in Episoden die polnische Geschichte erzählt und Johannes die Rolle des Kommentators übernimmt. Erst das vierte Buch nimmt die Form einer fortlaufenden Erzählung des Chronisten an. Dabei preist Vincentius nicht nur die Taten der polnischen Könige und Herzöge, sondern rückt darüber hinaus auch bereits die politische Nation der Poloni ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Die Chronik der Polen ist eine Geschichtsquelle von gesamteuropäischem Rang, höchstem stilistischen Anspruch und von allgemein-mediävistischer Bedeutung. Der zweisprachigen Ausgabe wird eine ausführliche Einleitung vorangestellt, in der der Autor, das Werk, Überlieferung und Rezeption des Textes vorgestellt werden.
Eduard Mühle
Historiker
Eduard Mühle, geb. 1957, ist Professor für Geschichte Ostmitteleuropas und Osteuropas an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er war Direktor des Leibniz-Instituts für Historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg (1995-2005), des Deutschen Historischen Instituts in Warschau (2008-2013) sowie Senior Visiting Fellow in Oxford (2000-2001), Cambridge (2007) und Princeton (2017). Seine Forschungschwerpunkte sind u. a. die mittelalterliche Geschichte Polens, die Geschichte der Slawen und der "slawischen Idee" sowie die Historiographiegeschichte zum östlichen Europa. Derzeit ist Mühle Präsident Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder).
Hans-Werner Goetz
Hans-Werner Goetz, geb. 1947, ist ein deutscher Mediävist. Er studierte Geschichte und Anglistik in Bochum, wurde 1976 promoviert und 1981 habilitiert. Von 1990-2012 war Goetz Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Hamburg 1990-2012.
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