Hermann Herder – Verleger in Zeiten des Umbruchs

Vor 100 Jahren, am 19.01.1926, wurde Hermann Herder geboren, der als fünfter Verleger den Verlag Herder führte. Der älteste Sohn des Verlegers Theophil Herder-Dorneich kam in Rom zur Welt. Nach seinem Studium, das er mit einer Promotion in den Rechtswissenschaften abschloss, legte er mit einer Lehre als Buchhändler in Barcelona das Fundament seiner praktischen Verlagstätigkeit. 1957 trat Hermann Herder in den Verlag Herder ein, dessen Leitung er 1963 übernahm und bis in die späten 1990er-Jahre innehatte.

Hermann Herder setzt den von seinem Vater begonnenen Weg einer programmatischen Erweiterung des katholisch geprägten Verlages zu Themen wie Pädagogik, Zeitgeschehen und zum Dialog der Religionen fort. Prägende Autoren der Zeit waren Phil Bosmans, Augustin Bea und Henri Nouwen oder Elie Wiesel, der 1986 den Friedensnobelpreis verliehen bekam.

Neben neuen lexikalischen Projekten, darunter die 7. Auflage des Staatslexikon in 5 Bänden sowie das Lexikon für Theologie und Kirche (3. Aufl.) in 10 Bänden, wurden weitere bemerkenswerte Publikationsvorhaben in Angriff genommen, z. B. die Gesamtausgabe Edith Stein in 21 Bänden, die Begründung der erfolgreichen Taschenbuchreihe Herder spektrum oder die Gründung neuer Zeitschriften im Kindergartenbereich.

Hermann Herder war Verleger in Zeiten des Umbruchs – des gesellschaftlichen ebenso wie des kirchlichen. Die erste Aufgabe des Verlegers sei es, so zitierte Hermann Herder gerne ein Wort von Goethe, „im Wandel für Dauer“ zu sorgen. Ergänzend fügte er hinzu: „Er hat dann aber als ebensolche Verpflichtung die Aufgabe, für den Wandel Sorge zu tragen.“ Hierzu gehörte auch der Rückzug von Herder aus dem Buchhandelsgeschäft im Verlauf der 1990er-Jahren.

Sehr früh schon hatte Hermann Herder erkannt, dass ein Unternehmen im 21. Jahrhundert Innovationskraft und Wendigkeit braucht, um zu überleben. In die Zeit seiner Verantwortung fällt der grundlegende Wandel vom Universalverlag katholischer Prägung für eine konfessionell geprägte Leserschaft hin zum weltoffenen Publikumsverlag.

„In den über 200 Jahren der Geschichte des Verlags hat sich natürlich die Gesellschaft geändert und damit die Bedürfnisse der Leser. … Die verlegerische Aufgabe ist von diesem Wandel immer wieder neu betroffen … Als Aufgabe, die jede Generation anders und neu lösen muss, hält sich das durch.“ (aus: Hermann Herder: Der Schild des Achill, Freiburg 2013)

Hermann Herder starb am 12. November 2011 zuhause und im Kreis seiner Familie.