28. Juni. 2019
Michael Seewald_Reform

Die katholische Kirche steht unter großem Druck, sich zu verändern. Die Liste der Themen, über die gestritten wird, ist lang. Michael Seewald macht in seinem neuen Buch deutlich: Die Kirche könnte beweglicher sein, als sie sich derzeit gibt. Dieses Buch zeigt, wie es der katholischen Kirche möglich ist, sich grundlegend zu reformieren und zugleich sie selbst zu bleiben.

von Michael Seewald

Was meint „Reform“ in der katholischen Kirche?

Michael Seewald über die verschiedenen Modi dogmatischer Entwicklung

 

Der erste Schritt zu einer theologisch verantworteten Reform der Kirche besteht darin, die spezifische Modernität der Kirche anzuerkennen. Es ist ungenau und sogar irreführend, bestimmte Veränderungen unter dem oft zu hörenden Schlag­wort zu fordern, die Kirche müsse sich „modernisieren“. Reformen brauchen die Kirche nicht erst zu modernisieren, weil sie schon modern ist. Es muss aber gefragt werden, ob die schon vollzogene Modernisierung der katholischen Kirche geglückt ist oder ob Gründe dafür sprechen, den christlichen Glauben anders in der Gegenwart zu verorten, als dies derzeit geschieht.“ (Michael Seewald)

 

Die katholische Kirche steht unter großem Druck, sich zu verändern. Die Liste der Themen, über die gestritten wird, ist lang: die Rechte von Frauen, die Bewertung gleichgeschlechtlicher Partner­schaften, das Thema Missbrauch oder die Mitwirkung von Laien. Michael Seewald, Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Münster, macht in seinem neuen Buch deutlich: Die Kirche könnte beweglicher sein, als sie sich derzeit gibt, denn die Diskussion über Reformen bewegt sich in einem dogmatisch verengten Rahmen, der sich selbst als alternativlos katholisch setzt, aber in Wirklichkeit nur eine unter vielen Möglichkeiten darstellt, Theologie zu treiben.

In Reform – Dieselbe Kirche anders denken lotet Seewald daher die Möglichkeiten und Grenzen für Reformen in der katholischen Kirche aus. Dazu erläutert er das Selbstverständnis des kirchlichen Lehramts und zeigt dessen eigentümliche Modernität auf, von der her verstehbar wird, mit welch gewaltigem Innovationsaufwand es versucht, den Eindruck zu erwecken, als wolle es bloß das Alte bewahren. Auf dieser Basis erläutert Seewald verschiedene Modi dogmatischer Entwicklung und konturiert, vor allem anhand der Verhältnisbestimmung zwischen Evangelium und Dogma, den Begriff der Reform. Dies alles erfolgt vor dem Hintergrund der aktuell drängenden Fragen. Doch um ein Missverständnis vorweg auszuräumen: Es handelt sich nicht um ein praktisches Buch und enthält auch keine Wunschliste an Dingen, die sich ändern sollten.

Dieses Buch zeigt vielmehr auf, wie es der katholischen Kirche möglich ist, sich grundlegend zu reformieren und zugleich sie selbst zu bleiben. Dabei darf weder utopisch groß noch einfallslos klein gedacht werden.

 

Michael Seewald, geb. 1987, ist Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte sowie Principal Investigator am Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

 

 

Seewald, Michael

Seewald, Michael

Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte

Reform – Dieselbe Kirche anders denken
Michael Seewald (Autor/in)
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