Die Herder-Übersetzung der Bibel

Die Bibel ist das meistverkaufte Buch der Welt. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es mehr als 20 Übersetzungen, jeweils mit eigenen Schwerpunkten. Unter den deutschsprachigen Bibelübersetzungen behauptet die Herder Bibel ihren festen Platz.

Die Bibel in Herder-Übersetzung
© Verlag Herder GmbH

Die Herder-Übersetzung: Worttreue und zugleich sprachliche Schönheit

Jede Sprache ist einzigartig und folgt ihren eigenen Regeln. Übersetzungen sind stets nur eine Annäherung an die Originalsprache. Der Herder-Übersetzung ist es dabei aber gelungen, möglichst nah an den Ursprungssprachen – Hebräisch, Aramäisch und Griechisch – zu sein. Gleichzeitig zeichnet sie ihre sprachliche Schönheit aus. Sie bringt in unnachahmlicher Weise den spirituellen Erfahrungshorizont jedes einzelnen biblischen Buches zum Ausdruck und befähigt dadurch zu eigener tiefer geistlicher Erfahrung. Die Herder-Bibel, die in gehobenem und gut verständlichen Deutsch geschrieben ist, folgt dem katholischen Kanon, d.h. die deuterokanonischen Schriften sind über das Alte Testament hin verteilt und stehen nicht im Anhang am Ende der Bibel. Zu den deuterokanonischen Schriften zählen u.a. das Buch Tobit, Judit, die Bücher der Makkabäer, das Buch der Weisheit, Jesus Sirach und das Buch Baruch. Die Herder-Übersetzung ist dennoch überkonfessionell sehr anerkannt. Sie ist nicht konfessionsgebunden, da sie keine kirchlich verantwortete Übersetzung ist (vgl. dagegen Lutherbibel der EKD, Einheitsübersetzung der römisch katholischen Bischofskonferenzen von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Züricher Bibel des Kirchenrats des Kantons Zürich).

Im umfangreichen Anhang der Bibel finden sich kurze Einführungen und Anmerkungen zu den einzelnen Büchern, ein Evangelienschlüssel, Karten sowie weitere nützliche Register, die zum besseren Verständnis der Bibel beitragen. Die Einführungen stehen nicht zwischen den einzelnen Büchern, um eine persönliche Begegnung mit dem Text und ein authentisches Leseerlebnis zu ermöglichen.

Die Herder-Übersetzung im Vergleich

Psalm 8, 2 – 5

Herder-Übersetzung:
Herr, unser Gott! Wie wunderbar ist auf der ganzen Erde dein Name! Deine Herrlichkeit hast du ausgebreitet über die Himmel. Aus dem Mund der Kinder und Kleinen hast du dir ein Bollwerk bereitet, zu beschämen die Feinde; Widersacher und Gegner müssen verstummen. Ich schaue den Himmel, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du geschaffen. Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Sohn, dass du Sorge trägst um ihn?

Einheitsübersetzung:
HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel. Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge hast du ein Bollwerk errichtet wegen deiner Gegner, um zum Einhalten zu bringen Feind und Rächer. Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigst: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Lk 23, 8

Herder- Übersetzung:
Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; denn seit langem hatte er den Wunsch, ihn zu sehen, weil er von ihm gehört hatte, und er hoffte, ihn ein Wunderzeichen wirken zu sehen.

Einheitsübersetzung:
Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, ihn zu sehen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein von ihm gewirktes Zeichen zu sehen.

Gen 1, 27

Herder- Übersetzung:
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie.

Einheitsübersetzung
Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.

Die Geschichte der Herder-Bibel

Dem Verlag Herder lag eine gute Bibelübersetzung schon immer am Herzen. In 16 Bänden erschien zwischen 1935 und 1955 „Herders Bibelkommentar“. Als der Kommentar abgeschlossen war, nahm man die Übersetzungen der biblischen Bücher, wobei für die Psalmen und für die Bücher Josua, Richter und Rut neu bearbeitete Übersetzungen verwendet wurden, und stellte sie als Vollbibel zusammen. Dadurch war fortan die Grundlage für eine Herder-eigene Übersetzung der Bibel gewonnen, die sogenannte „Herder-Bibel“. In den 1960er Jahren erwarb der Verlag Herder die Rechte an der renommierten „Bible de Jérusalem“, einer Bibel mit vielfältigen Verstehenshilfen von der École Biblique in Jerusalem, dem französischen Bibelinstitut im Heiligen Land. Man nahm den eigenen Herder-Text und versah diesen mit den ins Deutsche übersetzten Einleitungen und Anmerkungen der französischen „Bible de Jérusalem“. Als 1980 die „Einheitsübersetzung“ zur amtlich-verbindlichen katholischen Bibel erklärt wurde, ging es darum, diesem Text im Konzert der vorgängigen Vielfalt an katholischen deutschen Bibelübersetzungen zum Durchbruch zu verhelfen. Daher nahm der Verlag den Herder-Text 1983 vom Markt. Als 1999 eine Revision der „Einheitsübersetzung“ angekündigt wurde, ergriff man im Verlag die Chance, auch die Herder-Übersetzung erneut anzubieten, wobei klar war, dass man sie für eine Neuausgabe sprachlich überarbeiten musste. Seit Juni 2005 erscheint die „Herder-Bibel“ als Vollbibel mit dem überarbeiteten Herder-Text in verschiedenen Ausstattungen.

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