Verfall und Stabilität politischer OrdnungenZur Aktualität des antiken Denkens

Abstract

Die meisten Bürger der Staaten Europas, die nach 1945 geboren wurden, hatten Glück, großes Glück. Denn sie lebten in einer Zeit des Friedens, des Wohlstands und der weitgehenden Stabilität ihrer politischen Ordnungen. Das war bei den Generationen davor in der Regel nicht der Fall. Und dies traf auch auf die Bürger Jugoslawiens nur begrenzt zu. Denn seit 1991 zerfiel nicht bloß ihr Staat, sondern sie hatten auch unter einer Reihe von blutigen Kriegen zu leiden. Diese Kriege, die oft als die Balkankriege bezeichnet werden, waren genau genommen Bürgerkriege, weil Jugoslawien bereits seit 1918 als Staat bestand. Wie die meisten derartigen Kriege gingen sie mit Verbrechen, Massakern und Flüchtlingsströmen einher. Das trifft auch auf die letzten verheerenden Bürgerkriege in der Europäischen Nachbarschaft zu, die 2011 in Syrien und Libyen begannen. Diese Bürgerkriege wurden noch dadurch befeuert, dass sich etliche ausländische Mächte einmischten und versuchten, ihre politischen Interessen einzubringen und durchzusetzen. All das war in der Antike nicht anders. Besonders verheerend war der Peloponnesische Krieg, der als griechischer Bürgerkrieg verstanden werden muss. Während dieses Krieges kam es zu vielen weiteren Bürgerkriegen, in denen Athen die demokratischen und Sparta die oligarchischen Kräfte unterstützte. In der Folge wurden zahlreiche Demokratien und Oligarchien gestürzt und in ihren jeweiligen Gegensatz umgewandelt. In der Geschichte der Menschheit gehören Bürgerkriege bis heute zu den schlimmsten Kriegen.

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